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Die Geschwindigkeit der Commutation könnte möglicher-
weise einen Einfluss auf die Höhe der Ladung dadurch
ausüben, dass durch die raschere Aufeinanderfolge der
Funken, die Luft stärker erwärmt wäre. Die Aenderung in der Kraft war aber kaum zu verspüren.

Die Combination: Daniell’sche Batterie, QuecksilberCommutator und Condensator gab mir die aller constanteste Kraft. Diess zeigen folgende Reihen von Kraftmessungen:

Tabelle III.

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§. 5. Jetzt sind wir im Stande, die Faraday'sche Theorie zu prüfen. Nach dieser Theorie stehen die Leitung und die Polarisation in einem umgekehrten Verhältniss zu einander. Es muss daher Fälle geben, wo diese beiden entgegengesetzte, mechanische Bewegungen verursachen. Diess wäre dann ein vollkommener Beweis, dass beide nicht identisch sind.

In der That giebt es solche Fälle. Wiedemann hat nämlich durch eigenthümliche Versuche gefunden, dals einige Krystalle, die zu den optisch negativen gehören, in der Richtung ihrer krystallographischen Axe am besten leiten, andere hingegen, die zu den optisch positiven gehören, am besten in der Richtung leiten, die auf ihrer Axe senkrecht steht. Durch später anzugebende Versuche !) habe ich selbst bewiesen, dass eine parallel der optischen Axe geschliffene Kalkspathscheibe in einem gewöhnlichen elektrischen Felde horizontal aufgehängt, sich vermöge der 1) Tabelle VII.

Leitung so einstellen muss, dass die optische Are axial ist. Hängt man aber dieselbe Scheibe in unserm dielektrischen Felde auf, so stellt sich die optische Axe jedesmal genau aequatorial ein.

Ohne dadurch irgend etwas Anderes auszudrücken als das eben Bewiesene, mit der Thatsache verbunden, dass bei Vermehrung der wirkenden Kraft die Leitung alles Entgegengesetzte schliesslich immer zu überwinden vermag, könnten wir nun mit Faraday die Ursache dieses, der Leitung entgegengesetzten Phänomens als einen elektrischen Widerstand betrachten.

Wir sind aber noch nicht physikalisch berechtigt, diesen „Widerstand“ als eine elektrische „Polarisation“ aufzufassen; die Erlaubniss dazu suchen wir jedoch jetzt dadurch zu gewinnen, indem wir zeigen, dass die Polarisation eine sehr kurze Zeit fordert, um sich in Substanzen herzustellen, worin die Leitung nur langsam eintritt.

Nachdem der Frictions-Commutator so lange gebraucht war, bis alle Theile vortrefflich zu einander passten, verband ich denselben mit der Daniell’schen Batterie, und es gelang mir, die Zahl der Commutation bis auf 6090 in der Secunde zu bringen, wobei der Commutator mittelst eines Savart’schen Rades sicher getrieben wurde. Dieser Geschwindigkeit ungeachtet, strebte die Aragonitscheibe sich axial zu stellen. Zwar kam sie nicht zur Ruhe wegen des etwas veränderlichen Reibungsdruckes; diese grosse Empfindlichkeit ist aber an sich ein schöner Beweis für die Instantaneität der Wirkung. Bei sehr leichter Berührung der Rollen brachte ich schliesslich den Krystall zur Ruhe und gewann mehrere vergleichende Messungen, von welchen folgende schöne Beispiele sind.

in die ont fordem eigen,

Tabelle V.

Tabelle IV.

c | T 1045 | 5,150 1395 5,150

1916 2264

6,500 6,500

Hierbei bedeutet „C“ die Anzahl der Commutationen in der Secunde, „T“ aber die Schwingungsdauer.

Bei einer etwas veränderten Form des Commutators, wobei, ähnlich wie bei dem Influenz-Commutator, das treibende Zahnrad durch ein Schnurrad ersetzt war, ist es mir gelungen den Frictions - Commutator, obwohl in Verbindung mit der Daniell’schen Batterie, als einen wirklichen Funken-Commutator zu gebrauchen und auf diese Weise die Scheibe wieder zur Ruhe zu bringen. Man kann wohl glauben, dass bei einer solchen kurzen Funkenlänge es keine leichte Sache ist, einen Satz von Beobachtungen auszuführen, ohne Sprung in der Schwingungsamplitude. Ich habe jedoch einen solchen Satz erhalten, auf welchen ich Gewicht lege, weil der Commutator während aller drei, unmittelbar nach einander folgenden Messungen, ausnahmsweise schön lief, zwei ganz ruhige Lichtpunkte zeigte und die schwingende Scheibe ganz zur Ruhe brachte.

Tabelle VI.

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Letztere Form der Commutation machte es mir möglich zu beweisen, dass die berechnete Anzahl der Ladungen die richtige war; denn, bei einer Verbindung des Funken - Commutators mit einer mit Salzwasser gefüllten Gassiot’schen Säule batte ich schon durch Beobachtung der Bilder in einem rotirenden Spiegel die Zahl der Funken bis auf 350 in der Secunde berechnet; eine raschere Aufeinanderfolge der Funken könnte, wegen der Lufterbitzung, einer vollkommenen Commutation nur günstiger seyn. Indem es mir nun möglich war, die Commutation funkenweise auszuführen, so war kein Zweifel übrig, dass auch frictionsweise die berechnete Zahl die actuelle war, Eine noch genauere Vergleichung der Polarisation bei geänderten Wirkungsperioden wurden mir ermöglicht durch Beobachtung der Rubelage des Polarisationsspiegels. Die Torsion des langen Coconfadens übte nämlich einen kleinen Einfluss auf dieselbe aus. Durch Vermehrung der Torsion konnte ich eine beliebige Empfindlichkeit herstellen, so dass jede Kraftänderung sich durch eine veränderte Rubelage des Spiegels äusserte. So lange aber als die Commutation nur funkenweise oder nur frictionsweise ausgeführt war, blieb der Krystall ganz ruhig hängen, nur zeigte sich, wie ich glaubte, eine äusserst kleine Kraftzunahme mit wachsender Geschwindigkeit. Eine kleine Vermehrung der Kraft bei Vergrösserung der Funkenzahl wurde aber erwartet. Dass es inöglich war den Spiegel längere Zeit in Ruhe zu erhalten, spricht für die Vortrefflichkeit der Apparate; ausserdem zeigt es, dass etwaige kleine Schwankungen in der Funkenlänge durch das von Thomson angegebene Verhältniss zwischen Funkenlänge und Potentialunterschied practisch aufgehoben wurden.

Es ist nach alledem nicht daran zu zweifeln, dass binnen 0,0000802 Secunden die elektrische „Polarisation“ ihre Maximumgrösse erreicht.

Bei constanter Ladung der Condensatorplatten war das dielektrische Phänomen ein ganz anderes. Dünne Kalkspath- und Aragonit-Scheiben, auch wenn sie weniger als 2 Minuten in dem mit den Polen der Daniellschen Batterie direct verbundenen Condensator geblieben waren, kehrten sich mit einer Umkehrung der Pole um. Eine parallel der optischen Axe geschliffene Kalkspathscheibe gab mir folgende Tabelle, wobei der Commutator mit einer Gassiot’schen Säule in Verbindung stand.

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