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sondern nur in der Absicht eine dem Gegenstande angemessene Forschungsweise zur möglichst allgemeinen Anwendung zu bringen, will ich mir erlauben, noch auf einige der schwachen Seiten unserer bisherigen Kenntniss mancher Pseudomorphosen aufmerksam zu machen.

Bei nicht wenigen Afterbildungen wurden die chemischen Verhältnisse nicht init der nothwendigen Sorgfalt und Schärfe berücksichtigt. Pseudomorphe Substanzen werden mit dem Namen Speckstein, Talk, Steinmark, Serpentin u. s. w. aufgeführt, ohne dass chemische Untersuchungen hinreichend für eine solche Annahme bürgen. Bei einigen glimmerähnlichen Mineralien wird angenommen, dass sie die Zusammensetzung eines normalen Glimmers besitzen; Aehnliches geschieht beim Pinit und einigen anderen Species, Wenn es schon bei gewöhnlichen Mineralbestimmungen oftmals inisslich genug ist, Species bloss nach äusseren Charakteren erkennen zu wollen, so kann man bei Pseudomorphosen, wie die Erfahrung schon häufig gelehrt hat, hierin nicht misstrauisch genug seyn. Der AspasiolithCordierit – den auch ich in gewisser Beziehung für eine Art von Pseudomorphose halte — wurde mir in Norwegen von einem der ersten Ausfinder desselben als eine Pseudomorphose von » Serpentin nach Quarz« gebracht. In der That haben Aspasiolith und Serpentin, trotz ihrer sehr wesentlichen chemischen Verschiedenheit, die grösste äussere Aebulichkeit mit einander. — Auch in Bezug auf die Krystallform pseudoinorpher Gebilde liesse sich mehr als ein Beispiel anführen, wo man sich bei der mineralogischen Diagnose mit einer nicht eben streng nachgewiesenen FormAehnlichkeit begnügt bat. — Und endlich wäre es zu wünschen, dass man dem Vorkommen der Pseudomorphosen, d. b. ibren nachbarlichen Verhältnissen in situ, eine ganz besondere Aufmerksamkeit widine ').

1) Fournet, in seinem interessanten und lehrreichen Aufsatze Histoire

de la Dolomie (Extrait des Ann. de la Suc. royale d'agriculture, histoire naturelle et aris utiles de Lyon. – 1847) p. 114, spricht sich hierüber folgendermassen aus. » Malheureusement les pseudomor

Indem ich in dem Folgenden einige Beobachtungen aus dem Gebiete der Pseudomorphosen mittheile, will ich dadurch besonders zeigen, dass diefs Gebiet manche bisher wenig beachtete Erscheinungen in sich schliesst, welche es wohl verdienten mehr berücksichtigt und näher studirt zu werden.

1. Paramorphosen. Der zuerst und fast gleichzeitig von Dana') und W. Stein ?) aufgestellte Begriff des Allomorphismus (Dana) oder Paramorphismus ist ein durchaus naturgemässer. Sowohl die Chemie als die Mineralogie kennt Krystallgebilde, welche diesem Begriffe entsprechen. Eins der instructivsten Beispiele einer Paramorphose bietet uns der Schwefel. Die monoklinoëdrischen Schwefelkrystalle verlieren bekanntlich ihre Durchsichtigkeit sehr bald, indem sie sich – unter Beibehaltung ihrer äusseren Form - in ein krystallinisches Aggregat von rhombischem Schwefel umwandeln 3). Ein derartig veränderter Krystall ist insoweit eine Pseudomorphose, als sich in ihm rhombischer Schwefel in der äusseren Form des monoklinoëdrischen Schwefels darstellt. Allein er weicht darin von jeder gewöhnlichen Umwandlungs - Pseudomorphose ab: dass bei jener Umwandlung ein wägbarer Stoff weder aus ihm entfernt, noch von ihm aufgenommen wurde. Unter Paramorphose verstehen wir

phoses n'ont pas toujours été soumises à des essais convenables; on leur devait au moius l'honneur d'un coup de chalumeau, et l'on a trouvé plus commode de s'en tenir aux caractères extérieurs si souvent trompeurs. En outre, ici comme dans d'autres circonstances, les collecteurs de ces sortes de produits n'ont pas assez tenu comte de leurs associations; ils ne se sont presque jamais inquiétés de faire l'histoire de la localité, histoire qui ne peut guère se deduire de l'aspect des échantillons. Wenn auch dieser Ausspruch für die Gegenwart zu streng seyn mag, so ist jedenfalls auch

jetzt noch so manches Wahre darin. 1) Silliman's Journ. Vol. 48, p. 81. 2) v. Leonhard und Bronn's Jahrb. 1845, S. 395. 3) March and und Scheerer, über den Dimorphismus des Schwefels,

in Erdm. Journ. f. prakt. Chem. Bd. 24, S. 129.

daher das Product einer blofsen, innerhalb der Gränzen des betreffenden Krystalls vorgegangenen Atom - Umsetzung, während jede andere Pseudomorphose durch eine über jene Gränzen hinausgehende Atom-Wanderung entstand. Diesen Begriffs - Unterschied festzuhalten, dürfte nicht unwichtig seyn. Es wird dadurch der erste Lichtstrabl auf einige der räthselhaftesten Pseudomorphosen geworfen, deren Verhältnisse des Vorkommens eine Stoff-Wanderung als völlig unerklärlich erscheinen lassen.

Paramorphosen kommen, was künstlich erzeugte Krystalle betrifft, ausser beim Schwefel, noch bei einigen anderen dimorphen Körpern vor, wie z. B. bei der arsenigen Säure und dem Jodquecksilber.

Von paramorphen Gebilden des Mineralreichs ist Folgendes anzuführen. Kalkspath nach Arragonit. Aus Kalkspath bestehende, aber äusserlich in der Arragonitform auftretende Krystalle wurden zuerst von Mitscherlich, später mehrfach von Haiding er beobachtet. G. Rose wies durch Versuche nach, dafs Arragonit durch schwache Rothglühbitze sich in Kalkspath umwandelt. Strahlkies nach Schwefelkies, aus der Braunkohlenformation von Liebnitz in Böhmen, hat Blum, und Schwefelkies nach Strahlkies, von Rodna in Siebenbürgen, hat Sillem beschrieben. Das Nähere über diese drei Gebilde findet man in Blum's bekanntem Werke. Ferner dürften hierher gehören:

A. Hornblende nach Augit. Gustav Rose's schöne Beobachtungen über den Uralit - eine Hornblende mit der äussern Form des Augit – lassen verschiedene Deutungen hinsichtlich der Entstehung dieses Minerals zu. G. Rose selbst und Blum sind geneigt, den Uralit für eine durch Austausch von Bestandtheilen vor sich gegangene Umwandlungs- Pseudomorphose nach Augit zu halten. Es wäre jedoch möglich, dass der Uralit ein paramorphes Gebilde ist; freilich alsdann ganz eigener Art. Die Hornblende - Substanz für dimorph zu erklären und auzunehmen, dass sie, ausser in ihrer gewöhn

lichen Krystallform, unter gewissen Umständen in einer andern Form und zwar in der des Augit aufzutreten vermöge, erscheint insofern nicht verwerflich, als der Isomorphismus (Homöomorphismus) zweier Körper von einem Verhältnisse der chemischen Constitution

wie RSi? + R Si (Hornblende)

zu R: Si? (Augit) nach jetzigen Erfahrungen nicht ohne Analogie dastehen würde. Berthier, Mitscherlich und G. Rose haben überdiefs gezeigt, dass Hornblende durch Schmelzen die Forin und Structur des Augits annimmt. Rammelsberg (in seinem Handwörterbuch des chem. Theils der Mineralogie) hat schon vor längerer Zeit dargethan: dass gewisse, ihrer äusseren und inneren Form nach, entschiedene Augite - z. B. der krystallisirte schwarze (thonerdefreie) vom Taberg, nach H. Rose's Analyse; der braune von Pargas, nach Nordenskjöld, und der schwarze aus dem Basalttuff der Azoren, nach Hochstetter – die chemische Zusammensetzung der Hornblende haben. Zugleich macht Rammelsberg darauf aufmerksam: dass der (amphibolitische) Strahlstein aus Pensylvanien die chemische Mischung des Augit besitze. Dasselbe scheint nach ineiner Beobachtung') bei einem Schwedischen (wasserhaltigen) Strahlstein der Fall zu seyn. Wenn nun endlich Arppe gezeigt hat, dass gewisse normal krystallisirte Hornblenden von Gulsjö, Fablun und Cziklowa nach der Formel

2*3 Ši? +3R SI zusammengesetzt sind, so erscheint es allerdings wohl nicht mehr zweifelhaft, dass hier ein Fall des polymeren (oder heteromeren) Isomorphismus vorliegt; und dass die Verbindung

mR3 Si? +nR Si wenigstens in den Fällen gleiche oder ähnliche Krystallform anzunehmen vermöge, in welchen: 1) Pogg. Ann. Bd. 84, S. 382.

1) m=1, n=1
2) m=), n=0

3) m=2, n=3 Ist aber die reciproke Isomorphie und Dimorphie des Amphibol und Augit eine Thatsache, dann sind wir berechtigt den Uralit für eine Paramorphose in Anspruch zu nehmen. Doch würde hierbei immer ein eigenthümlicher Fall von Paramorphie obwalten: indem die HornblendeSubstanz, welche als Uralit die äussere Form des Augit angenommen bat, bei ihrer inneren Form - Veränderung zu Amphibol sich nicht in ein Aggregat von vielen kleinen Individuen mit divergirender Axenstellung, sondern in ein einziges Individuum umgewandelt hat, dessen Axen mit der der (äusserlichen) Augitform coïncidiren. Allein es dürften sich vielleicht auch Beispiele auffinden lassen, in denen die Pa. ramorphie der Hornblende sich mehr oder weniger jener erstgedachten Art nähert. Ich besitze ein Stück Granit (angeblich voin Hofe Myra, M. von Arendal), in welchem ein Krystall von folgender Beschaffenheit eingewachsen ist. Derselbe ist 1 Zoll lang und hat respective { und

Zoll im Durchmesser, zeigt die gewöhnliche äussere Gestalt des Augit =P.C0P.co Poo.(oo Poo), besitzt aber dabei ganz das Ansehn einer gewöhnlichen dunkellauchgrünen Hornblende. Da das eine Ende desselben abgebrochen ist, so wird seine innere Structur blofsgelegt. Auf dieser Bruchfläche gewahrt man auf das Deutlichste eine Anord

nung der Massentheile, wie nebenstehende Figur darstellt. Der Krystall besteht, allem Anschein nach, aus faserig krystallinischer Horn

blende, deren Fasern von einem centralen Theile aus nach der Oberfläche hin laufen. Ein Paar kleine Partien desselben Minerals, welche neben dem Krystall eingewachsen sind, besitzen die nämliche Structur. Leider konnte es vor der Hand nicht zur völligen Gewissheit erhoben werden, dass man es hier wirklich mit einer, in Bezug auf ihre chemische Zusaminensetzung, normalen

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