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Es ergiebt sich daraus, dass in allen Monaten die Temperaturabnahme weit langsamer ist, als jene Werthe, welche wir bei unseren früheren Untersuchungen für die Alpen im Allgemeinen erhielten; diese sind zur Vergleichung in der letzten Spalte beigefügt.

Es ist im Juli und August für die Alpen die Abnahme von 1° C. von einer Höhendifferenz von 440 Fufs bedingt; zwischen München und dem Peissenberge beträgt aber diese Höhendifferenz für den Juli 700, für den August noch bedeutend mehr.

Wenn man die Wintermonate vergleicht, zeigt sich eine noch grössere Unregelmässigkeit. Der kälteste Monat, der Januar, ist am Peissenberge bedeutend wärmer als in München.

Auch diese Unregelmässigkeit ist wesentlich von der Bodepgestaltung abhängig.

Die Wintertemperatur eines hoch gelegenen Punktes, der sich nicht in einem Thalkessel befindet, ist stets etwas gemildert, verglichen mit einem Punkte, der sich in gleicher Höhe auf einer gleichmässigen Ebene befindet. Jene Luftschichten, welche unmittelbar in der Nähe des Bodens durch Strahlung desselben erkältet werden, können von Abhängen nach unten abfliessen, und werden dann durch Luftschichten ersetzt, die noch nicht in Berührung mit dem ausstrahlenden Boden erkältet waren, also etwas wärmer sind.

Ist der Höhenunterschied zwischen zwei Beobachtungsstationen gross, so wird eine Temperaturabnahme mit der Höhe noch immer stattfinden, nur ist sie langsamer. Die 1° C. entsprechende Höhendifferenz für die Alpen kann im Januar und December etwas über 700 angenommen werden.

Ist aber der Höhenunterschied nicht sehr gross, und der höhere Punkt überdiess so gestaltet, dass die kalte Luft allseitig abfliessen kann, so wird, wie viele Beispiele aus den Alpen es zeigen, die Wintertemperatur am höheren Punkte weniger kalt seyn als am tieferen '). 1) Vergl. die interessanten Beobachtungen von Dove (Bericht des me

Auch die absoluten Extreme einzelner Tage zeigen dasselbe Phänomen; hier werden die Unterschiede sogar noch grösser.

Der kälteste Tag der ganzen Beobachtungsreihe am Peissenberge war (10. Jan. 1820) — 25,2° C., während in München die grösste bis jetzt beobachtete Kälte (2. Febr. 1830) - 30,1° C. betrug '). Der grösste Wärmeunterschied zwischen München und dem Peissenberge findet im Mai statt, er beträgt 2,5° C. und wird wohl theilweise dadurch hervorgebracht, dass zu dieser Zeit ain Peissenberge das Schmelzen des Schnees eintritt, und so eine merkliche Wärmemenge latent wird, während in München die Schneedecke zum grossen Theile schon früher verschwindet.

XV. Der goldene Fisch.

Unter diesem Namen hat Franklin (Exper. observ. 70) einen Versuch an dem Conductor einer Elektrisirmaschine beschrieben, der uns jetzt, an dem Knopfe einer Leydener Flasche ausgefübrt, aufs Neue vorgebracht wird (d. Annal. Bd. 88, S. 493). Nur dass Franklin die Bedingungen des Versuchs sogleich auf das Klarste erkannt, und die Erklärung desselben an die Hand gegeben hat. Ein Goldblattstreifen, an seinen Enden verschieden zugespitzt und mit dem stumpferen Ende dem Conductor genähert, fliegt darauf zu, und bleibt in einiger Entfernung daran schweben, weil der an der stumpferen Spitze erzeugte elektrische Wind den Streifen zurücktreibt, während der an der

teorol. Institutes Berl. 1851, p. XIV) über ähnliche Verhältnisse, welche sich an einzelnen kalten Tagen am Brocken und im Riesengebirge - zeigten. 1) Ich verdanke diese Angabe einer persönlichen Mittheilung des Hrn.

Director Lamont.

schärferen Spitze auftretende Wind und die elektrische Anziehung ihn auf den Conductor zutreibt. Eine an der Seite des Streifens befindliche Spitze muss die Axendrehung des Streifens zur Folge haben (Wilke Briefe 270). Man kann diese Wirkung der, einem elektrisirten Körper zugewandten, und der von ihm abgewandten Spitze an einer horizontal aufgehängten Nähnadel mit abgebrochenem Oehre sehen, welcher man den Knopf einer geladenen Flasche behutsam nähert. Die Spitze wird in einer gewissen Entfernung von dem Knopfe heftig abgestossen, das stumpfe Ende angezogen. Wichtig für die Elektricitätslehre ist allein die Rückwirkung des elektrischen Windes auf die ihn erzeugende Spitze, die einfach und klar an dem Spitzenrade gezeigt wird, das mit Recht seit 1760 den goldenen Fisch verdrängt hat.

Riefs.

XVI. Ueber die Stokes'schen Phänomene.
(Aus einem Briefe des Hrn. Prof. Moser an den Herausgeber.)

Königsberg 25. März 1853. – In diesen Tagen habe ich die merkwürdigen Versuche von Stokes (Ihre Annalen Bd. 87, S. 480) wiederholt und bestätigt gefunden. In einer gut verfinsterten Stube wurde das Spectrum der Sonne wie gewöhnlich gebildet und mittelst eines Stahlspiegels auf die freie Oberfläche der Flüssigkeit (eines kalten Aufgusses von Rosskastanienrinde oder Auflösung von schwefelsaurem Chinin) geworfen. Der Raum jenseits H, der für gewöhnlich nicht sichtbar ist, erschien in einem milchweissen Lichte, unterbrochen von den Fraunhofer'schen Linien, an denen dieser Theil des Spectrums so reich ist, und welche mir von Versuchen mit jodirten Silberplatten her bekannt sind. Dieses milchweisse Licht erstreckte sich bis nahe zwei Zoll über die Doppellinie H hinaus.

Die Erklärung, an welche man zuerst denken könnte, dass die Erscheinung eine phosphorische sey, wird durch meine Versuche nicht bestätigt. Verdunkelt man nämlich das Zimmer ganz, oder verdeckt man den Spiegel, so hört die Erscheinung sogleich auf. Sie dauert also nicht länger als ihre Ursache. Bewegt man die Flüssigkeit an der Oberfläche, so bleibt die Zeichnung der dunklen Linien scharf. Um mit einem intensiveren Licht zu versuchen, wurde die Sonnen- beleuchtete Spalte mittelst einer Linse auf der Oberfläche der Flüssigkeit abgebildet; bei dem Verdecken des Lichts wurde auch bier keine zurückbleibende Wirkung wahrgenommen. Endlich wurde die Flüssigkeit anhaltend den directen Sonnenstrahlen ausgesetzt; der nachherige Versuch mit dem Spectrum im Dunklen zeigte jedoch bierbei keinerlei Aenderung.

XVII. Erklärung der Verstärkung, die das durch einen galvanischen Funken verursachte Geräusch erleidet, wenn der Strom unter gewissen Umstän

den unterbrochen wird; von P. L. Rijke. (Mitgetheilt vom Hrn. Verf. aus dem Algemeenen Konst- en Letterbode,

No. 11, 1853.)

Im Philosophical Magazine, Ser. IV, Vol. 1, p. 170 findet man einen Auszug aus Silliman's American Journal, worin eine sehr merkwürdige Erscheinung beschrieben wird, die Page mit seinem riesenhaften elektro- magnetischen Apparat zuerst wahrgenommen bat. Sie besteht darin, dass, wenn man den galvanischen Strom, der einen Elektromagnet zur Wirksamkeit bringt, unterbricht, es zur Hervorbringung des Funkens nicht gleichgültig ist, wo man die Unterbrechung bewerkstelligt. Je näher an den Polen man den Funken hervorbringt, desto stärker wird das den Funken begleitende Geräusch, so dass Page, als er die Unterbrechung so dicht wie möglich an den Polen vornahm, mit seinem Apparat ein Knall bekam, so stark wie von einem Pistolenschuss. Zugleich sah er den Funken kürzer und breiter werden, zuweilen so breit wie die Hand.

Eine Erklärung der Erscheinung ist von Page nicht gegeben worden, und da die Naturforscher, welche eine solche aufgesucht, meines Wissens noch keine gefunden haben, so nehme ich mir die Freiheit mitzutheilen, was meine Untersuchung mich gelehrt hat.

Ich begann damit, den Versuch von Page mit dem mir zu Gebote stehenden Apparat zu wiederholen; dieser kann zwar bei weitem nicht mit dem seinigen verglichen werden und hat mir daher auch nicht einen so auffallenden Erfolg geliefert, wie der Amerikanische Naturforscher erwähnt, ist aber doch hinreichend gewesen, das, worauf es vornehmlich ankommt, wabrzunehmen.

Der von mir gebrauchte Elektromagnet ist derselbe, der mir zu Versuchen über den Diamagnetismus dient. Er ist nach der Methode von Ruhmkorff eingerichtet '), und zwar solchergestalt, dass man nach Belieben einen Elektromagnet mit kurzem oder init langem Draht herstellen kann. Die beiden horizontalen Eisencylinder, 0m,175 lang und 07,056 breit, versehen mit kegelförmigen Enden, sind in Holzcylinder von 0",158 Länge geschoben. Um jeden Holzcylinder sind drei Kupferdrähte von 3mm Durchmesser gewickelt und gehörig isolirt. Jeder Draht bildet zwei Lagen. Lässt man den galvanischen hintereinander durch alle Drähte gehen, so hat man die Combination A; um die Combination B zu erbalten, muss man die Drähte eines jeden Cylinders zu einem einzigen vereinigen; endlich kann man den galvanischen Strom, ehe er in das Gewinde tritt, in zwei Theile theilen, und jede Hälfte bloss durch ein Gewinde gehen lassen; diefs giebt mit A dic Combination C, und mit B die Combination D.

Zur Hervorbringung des galvanischen Stroms gebrauchte ich drei Grove'sche Batterien, jede von zehn Elementen. Bei der Combination A waren die Batterien zu einer ein1) Pouillet, Elémens de Physique, 6me edit. Vol. 1. p. 735.

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