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Hornblende zu thun habe. Beiin Abschlagen eines Krystallstückes zum Behuf einer Analyse würde man Gefahr laufen, das jedenfalls interessante und einstweilen noch als unicum dastehende Beispiel zu zertrümmern. Jedoch ist mir nicht bekannt, dass irgendwo ein Augit nachgewiesen ist, welcher vollkommen das Aussehn der faserig krystallinischen, dunkellauchgrünen Hornblende besitzt; und überdiefs wäre wohl das Auftreten eines Minerals von der Mischung des Augit in einem quarzhaltigen Granit eine ganz paradoxe Erscheinung. Immerhin kann also das angeführte Beispiel dazu dienen, die Gründe für eine Paramorphie der Hornblende zu unterstützen.

B. Feldspath nach Skapolitb. Eine vorläufige Mittheilung über diese, anscheinend ebenfalls in die Klasse der Paramorphosen gehörige Pseudomorphose habe ich bereits früher gegeben '). Die genauere Untersuchung hat herausgestellt, dass zwei Arten dieser Epigenie zu unterscheiden sind, welche ich hier beschreiben will.

1) Ganz in der Nähe der Fundstätte des bekannten Apatit von Snarum in Norwegen findet sich, als untergeordnetes Glied des dort weit und breit herrschenden (Ur-) Gneuses, ein schönes krystallinisches Feldspathgestein. Granit kann man es nicht nennen, da in ihm zwar Glimmer vorhanden ist, der Quarz aber gänzlich zu fehlen scheint. Als accessorische Gemengtheile enthält es stellenweise Rutil und Apatit, ersteren mitunter in ausgezeichnet grossen und schönen Krystallen. Jener Feldspath, von weisslicher Farbe, starkem Glanz und deutlichster Spaltbarkeit, findet sich stellenweise zu Krystallen von der Form quadratischer Säulen ausgebildet, welche sich besonders in dem Falle gut aus ihrer Matrix herauslösen lassen, wenn sie mehr oder weniger von Glimmer oder Apatit umgeben sind. Der schönste, scharfkantigste Krystall dieser Art, 1) Verhandl. d. Bergm. Vereins zu Freiberg, in der Berg- und Hütlenm. Zeitung, Bd. 11, S. 371. Erdm. Journ. f. prakt. Chem. Bd. 57, S. 60. den ich hier (bereits im Jahre 1836) fand, und welcher sich jetzt in der Universitäts-Sammlung zu Christiania befindet, mag ungefähr eine Länge von Zoll haben. Er zeigte – soweit sich diess durch vergleichendes Visiren mit einem Skapolithkrystall bestimmen liess – genau die gewöhnliche Form P...P.Po des Skapolith. Ein Bruchstück eines grösseren, etwa 1 Zoll im Durchmesser haltenden Krystalls, welches ich noch jetzt besitze, zeigte wenigstens die quadratische Säule. Ein dritter Krystall, von der Grösse des ersten und ebenfalls init den Pyramidenflächen versehen, wurde theilweis zur näheren Untersuchung und chemischen Analyse verwendet. Ferner befinden sich mehrere Stufen in meiner Sammlung, an denen man solche Krystalle eingewachsen gewahrt. Sämmtliche diese Krystalle bestehen in ihrem Innern aus regellos mit einander verwachsenen krystallinischen Feldspathpartikeln. Bruchflächen dieser Krystalle zeigen daher gewöbnlich die Structur eines grobkörnigen Marmors; bei kleineren Krystallen läuft jedoch zuweilen eine Feldspath - Spaltungsfläche quer durch den ganzen Krystall. Zerschlägt man aber einen solchen Krystall seiner Länge nach in mehrere Theile, so findet man, dass die Spaltungsrichtungen ganz verschiedene, zur äusseren Form des Krystalls in durchaus keiner gesetzmässigen Beziehung stehende Lagen haben. Das spec. Gew. dieses Feldspathes ist =2,59, und seine chemische Zusammensetzung folgende:

Kieselerde 66,68 66,83
Thonerde 20,20 19,90
Eisenoyd

0,39 20,24

0,49 Manganoxyds

0,20 Kalkerde 1,87

1,56

1,60 Talkerde

0,39 Natron

10,13 Wasser

0,19

0,25 Die Analyse a (mittelst kohlensauren Natrons) wurde von mir in Norwegen, die Analyse b (auf gleiche Art)

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von meinem Assistenten Hrn. Rob. Richter und die Analyse c (mittelst Flusssäure) von Demselben im hiesigen akademischen Laboratorium angestellt. Da das zu den beiden letzteren Analysen verwendete Material von einem andern Stücke war, als das zur ersten Analyse verwendete, so ist es wohl am richtigsten, das Sauerstoff-Verhältniss der Bestandtheile nach b und c zu berechnen. Hierbei ergiebt sich:

Sauerstoff.
Kieselerde 66,83 34,70 34,70
Tbonerde 19,90 9,30
Eisenoxyd 0,39

0,12

9,48
Manganoxyd 0,20 0,06
Kalkerde 1,56 0,44 )
Talkerde

0,39 0,16 3,20
Natron

10,13

2,60 Wasser

0,25

99,65. Es verhält sich aber 34,70: 9,47 : 3,20 sehr nahe wie 11:3:1, welche Proportion ein Sauerstoff-Verhältniss von

34,70: 9,45:3,15 erfordert. Also besteht unser Feldspath aus 11 At. Si, 3 At. Al und 3 At. Ř (und zwar Na mit Ca und etwas Mg), und führt sonach zur Formel:

R? Si2 +3 AISI 3 die man aber auch --- und zwar jedenfalls richtiger schreiben kann:

2(Na Ši+ÄIŠia)+(Na) Ši+AIŠi?)

Ca)

d. h. das Mineral ist eine Feldspath - Species, welche als aus 2 Atomen Albit und aus 1 Atom Oligoklas zusammengesetzt betrachtet und daher Oligoklas - Albit genannt werden kann. Ein solcher Feldspath ist es also, welcher hier in der äussern Form des Skapolith auftritt. Der Schluss, welcher sich hieraus ziehen lässt, wird sich weiter unten ergeben.

Poggendorff's Annal. Bd. LXXXIX.

Anmerkung. Wenn man die zahlreichen Feldspath Analysen, welche der Fleiss der Chemiker in neuerer Zeit geliefert hat, aufmerksam durchgeht, so findet man, dass auch noch an anderen Fundstätten Feldspäthe vorkommen, welche als ein Oligoklas - Albit zu betrachten seyn dürften. So z. B. hat Redtenbacher') ein albitähnliches Mineral aus Pensylvanien analysirt, welches im Mittel aus 3 Analysen folgendes Sauerstoff-Verhältniss giebt:

Si R K

34,89:9,17:3,33 Die Proportion 11:3:1 würde verlangen:

34,89 : 9,51:3,17. Den – durch seinen bläulichen Schimmer ausgezeichneten, fälschlich Labrador benannten – Feldspath aus dem Zirkonsyenit von Fredriksvärn fand C. G. Gmelin ?) zusammengesetzt aus: 65,19 Kieselerde, 19,99 Thonerde, 0,63 Eisenoxyd, 7,03 Kali, 7,08 Natron, 0,48 Kalkerde und 0,38 Wasser, entsprechend einer Sauerstoff - Proportion von:

Si Å Å

33,85 : 9,53:3,15 während die Proportion 11:3:1 erfordert:

33,85 : 9,24 : 3,08. Dieser Oligoklas - Albit unterscheidet sich durch seinen beträchtlichen Kaligehalt von den zuvor erwähnten Feldspäthen dieser Art. Man kann ihn aus 1 At. Oligoklas, 1 At. Albit und 1 At. Orthoklas zusammengesetzt betrachten.

Nicht ganz so nahe, aber doch annähernd, stimmt die Zusammensetzung eines von Schnedermann 3) analysirten glasigen Feldspathes von Dransfeld bei Göttingen mit der des Oligoklas - Albit überein:

1) Pogg. Ann. Bd. 52, S. 468. 2) Ebend. Bd. 81, S. 311. 3) Stud. d. Gött. Ver. Bd. 5, Heft 1. - Rammelsberg's Handwörterbuch. Supplem. 1, S. 55.

Si Å Å gefunden 33,70:10,03:3,07

berechnet 34,00: 9,27:3,09. Ferner ist hierbei eines andern interessanten Minerals zu gedenken, nämlich eines Orthoklas aus dem Syenit der Vogesen, welcher von Delesse ?) analysirt wurde. Das der Analyse entsprechende Sauerstoff-Verhältniss ist:

Si R K

33,38:9,15 : 3,01. Nach der Proportion 11:3:1 müsste es seyn:

33,38: 9,11:3,04. Da R in diesem Minerale grossentheils aus Kali besteht, so ist diese Feldspath - Species als ein Oligoklas - Orthoklas zu bezeichnen ?). 1). Rammelsberg's Handwörterb., Supplem. 4, S. 216. 2) Alle bekannteren Feldspäthe lassen sich betrachten als chemische Com

binationen von entweder 1) Anorthit und Labrador, oder 2) Anorthit und Albit (Orthoklas), oder 3) Labrador und Albit (Orthoklas). Setzt man nämlich;

Atomen - Verhältn.

* * Si Chemische Formel.
Anorthit = 3:3 : 4 = R*Si +3RSI
Labrador = 3 : 3 : 6 = 3R Si +3RSI
Albit

Orthoklas į = 3:3 : 12 = 3Ř Si + 3R S3 so ergiebt sich, dass man die folgenden Feldspäthe betrachten kann als zusammengeselzt aus:

Anorthit Labrador Albit Orthoklas (P rechts (P rechts (P links (P hori

geneigt) geneigt) | geneigt) zontal) Å Ä si Atome. Atome. Atome. Atome. Thjorsauit = 3 : 3 : 5 = (Prechts gen ?) Andesin = 3:3 : 8= (P links gen.) Oligoklas (Plinks gen.) Lopoklas (P horizontal) Oligok- Albit = (Plinks gen.?) Oligok-Orthok= 3:3 : 11 = (P horizontal)

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