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2. Das eben beschriebene eigenthümliche Verhältniss getraute ich mir lange nicht zu deuten, bis ich – zehn Jahre später – den Schlüssel dazu fand. In der Uingegend von Krageröe in Norwegen (auf dem Wege von dieser Stadt nach dem nahegelegenen Hofe Frydenborg) beobachtete ich ein ganz ähnliches, aber noch instructiveres Vorkommen. Ebenfalls dem Gneuse untergeordnet, zeigt sich hier ein krystallinisches, hauptsächlich aus Feldspath und Hornblende bestehendes Gestein, in welchem – an das Snarumer Vorkommen erinnernd -- sich mitunter auch etwas Rutil eingesprengt zeigt. In diesem Gestein sieht man, besonders an einer senkrechten Felswand, Krystalle von Skapolithform in so grosser Anzahl eingewachsen, dass es nicht schwer halten würde, viele Hunderte derselben zu sammeln. Dennoch gelang es mir nur bei verhältnissmässig wenigen, sie mit ganz unversehrten Endflächen aus dem Gestein herauszulösen. Die hier vorkommenden Krystalle sind vollkommen scharf – schärfer als die Snarumer ausgebildet, und zeigen mitunter, ausser den oben angegebenen Gestalten, noch die basische Fläche, oP, sehr scharf und deutlich. Bei einigen fehlt co Poo, so dass das quadratische Prisma o P alleinherrschend auftritt. Die innere Structur aller, ohne Ausnahme, gleicht der eines feinkörnigen Marmors. Krystalle mit so grobkörnig krystallinischem Gefüge wie die von Snarum konnte ich hier

Auch die hierbei zugleich angeführten morphologischen Verhältnisse (in Bezug auf die Eintheilung der Feldspäthe in rechts geneigte und links geneigte) bietet einiges Interesse. - Breithaupt's Lopoklas ist bisher für einen orthoklasischen Felsit von der chemischen Zusammensetzung des Oligoklases, also von dem Atom - Verhälinils R : R:Si= 3:3:9, angesehen wurden. Die Platıner'sche Analyse dieses Minerals ergiebt jedoch eine Sauerstoff-Proportion, welche dem Verhältnisse 3:3:10 am nächsten steht.

Si R Ř gefunden durch die Analyse = 32,97 : 9,68 : 3,25 berechnet nach 10 : 3 : 3 = 32,97 : 9,90 : 3,30

berechnet nach 9 : 3 : 3 = 32,97: 10,99 : 3,66 Der Lopoklas ist also eine in jeder Beziehung selbstständige Species.

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nirgends beobachten. Die Grösse, welche sie erreichen, geht bis zu 5 und 6 Zoll Länge und 14 bis 2 Zoll Durchmesser. Die in sehr beträchtlicher Menge vorkommende Hornblende ist eine normale dunkellaucbgrüne, leicht spaltbar und auf den Spaltungsflächen stark glänzend. Häufig trifft man jene skapolithförmigen Krystalle ganz in dieser Hornblende eingewachsen. Das spec. Gew. des in Skapo

lithform auftretenden Feldspaths ist = 2,60, also sehr nahe · gleich dem des Snarumer. Seine chemische Zusammensetzung ist jedoch eine andere:

(a) (6)
Kieselerde 68,00
Thonerde 18,87 1

{ 19,62
Eisenoxyd 0,57 s
Kalkerde
Talkerde Spur
Kali

1,11
Natron

10,52 Wasser

0,45 Beide Analysen, die eine mit kohlensaurem Natron, die andere mit Flusssäure, wurden vom Hrn. Rob. Richter ausgeführt. Es ergeben sich aus ihnen folgende Sauerstoffmengen der Bestandtheile:

Sauerstoff.
Kieselerde 68,00 35,31 35,31
Thonerde 18,87 8,82
Eisenoxyd

0,17

8,99
0,57

S
Kalkerde 0,21 0,06
Talkerde Spur

2,97
Kali

1,11
Natron 10,52 2,72 )
Wasser 0,45

99,73. Diese Sauerstoff - Proportion 35,31 : 8,99 : 2,97 entspricht dem einfachen Verhältniss 12:3:1, welches erfordert

35,31:8,83 : 2,94.

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Der Feldspath von Krageröe hat daher die Zusammensetzung eines normalen Albit, entsprechend der Formel

Na Si +AlSi3 Somit haben wir einen zweiten Fall vor uns, in welchem eine Feldspathart in Krystallen auftritt, die äusserlich die Skapolithform an sich tragen, innerlich aber eine krystallinisch körnige (marmorartige) Structur besitzen. Es erscheint daher jetzt weniger gewagt, wenn wir den beiden Felsit - Species Albit und Oligoklas - Albit das Recht vindiciren, unter besonderen Umständen in der Skapolithform krystallisiren zu können, jedoch mit der Beschränkung: diese Form später vielleicht stets nur äusserlich, aber nicht innerlich zu bewahren. Möglicherweise ist es die nach dieser Krystallbildung vor sich gegangene Abkühlung der ursprünglich geschmolzenen granitischen Massen gewesen, welche eine Molecular-Bewegung im Inneren der Krystalle und dadurch die Bildung eines Aggregates von krystallinischen Feldspathpartikeln zur Folge hatte.

Die Dimorphie der chemischen Substanz des Albit und der des Oligoklas - Albit, auf welcher die eben beschriebenen Paramorphosen beruhen, führt uns zu der Frage: ob auch andere Feldspäthe eine solche Dimorphie zeigen? Oder mit anderen Worten: ob es Skapolithe giebt, welche die chemische Zusammensetzung von Oligoklas, Labrador u. s. w. haben? Die Antwort hierauf ist aus zahlreichen vorhandenen Analysen nicht schwer zu entnehmen. Die daraus abgeleiteten Formeln ergeben Folgendes:

Feldspäthe ').
Skapolithe.

Formeln.
Lepolith

| und

L. S Mejonit v. M. Somma Lepa BS Linseit

| Skapolith v. Ersbys

1) Einige dieser Feldspäthe, namentlich Lepolith und Linseit, enthalten

basisches Wasser. Ein Gleiches ist bei der Skapolith von Ersby der Fall. In den Formeln dieser Mineralien tritt also (R) statt R auf. Das Nähere über die Zusammensetzung der erstgenannten zwei wasserhaltigen Feldspäthe werde ich bei einer späteren Gelegenheit mittheilen.

Feldspäthe.
Skapolithe.

Formela.
| Skapolith v. Tunaberg = R3 Si+3 R Si
Anorthit und Wernerit v. Ersby s
Thjorsauit,
Barsovits und Wernerit v. Ersby =R? Si +3R SI
Bytownit

(andere Art) Labrador (?) und Wernerit v. Petteby =R: Si? + 4R SI (v. Vesuv u. v. Corsica)

Skolezit (wasserfreier)) Labrador

v. Pargas und Wernerit v. Ersby

SER SI + R Si l (dritte Art) Oligoklasė

und Skapolith v. Sjösa =R Si + R Siz Harnefjordit)"

Wir finden also: dass fast einer jeden bis jetzt bekannten Feldspathart eine Skapolithart von gleicher chemischer Formel entspricht. Die Formeln der Feldspäthe weichen nur insofern von denen der entsprechenden Skapolithe ab, dass Ř in einigen derselben verschiedene relative Mengen isomorpher Stoffe enthält. Es ist nämlich:

beim Linseit K =Mg, Fe, (H)

» Lepolith »=Ca, Mg, Na, (H)
» Anorthit »= Ca, Na
» Thjorsauit »= Ca, Na
» Barsowit »= Ca, Mg
» Bytownit

Na“)
» Labrador v. Ves.
» Labrador
» Oligoklas »=Na, K, Ca

» Harnefjordit » = Bei allen Skapolithen ist R hauptsächlich = ċa, Na. 1) Beim Bytownit sind Ca und Na ziemlich im Gleichgewichte, beim

Thjorsauit und Barsowit ist Ca vorherrschend.

Die folgende Zusammenstellung verschiedener Analysen von Feldspäthen und Skapolithen legt es vor Augen, dass die Abweichungen in der procentalen Zusammensetzung in der That nicht grösser sind, als sie bei zwei Analysen eines und desselben Minerals zu seyn pflegen.

in der machungen in der neuen legt es vor Augen sie

Feldspath. Skapolith.
Anorthit

Wernerit (1)
v. Vesuv. v. Tunaberg. v. Ersby.
Kieselerde 44,12 43,83 43,83
Thonerde 35,12 35,28

35,43
Eisenoxyd 0,70 Fe 0,61
Kalkerde 19,02 19,37 18,96
Talkerde 0,56
Kali

0,25
Natron 0,27
Wasser

1,03 100,04 99,09 99,25

(Abich) (Walmstedt) (Nordenskjöld) Gemeinschaftliche Formel =R Si+3 R Si

Feldspath.

Skapolith. Bytownit Thjorsauit Thjorsauit Wernerit(2)

v. Bytowe. v. Selfjal. v. T'hjorsa. v. Ersby. Kieselerde 47,40 47,63 48,75 48,77 Thonerde 29,60

32,52

30,59 31,05 Eisenoxyd 3,40 2,01 1,50 Kalkerde 9,32 17,05 17,22 15,94 Talkerde 0,40 1,30 0,97 Natron 7,60 1,09 1,13 3,25 Kali

0,29 0,62 Wasser 1,96

0,61 99,68 101,89 100,78 99,62 (Thomson) (Forchhammer) (Genth) (Hartwall

u. Hedberg) Gemeinschaftliche Formel =R'Si2 +3R SI.

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