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nur unvollständig gelang, und gar zu kleine Krystalle lieferte. Ganz kleine Krystalle batte auch Wöhler geschickt, aber ich versäumte sie unter stärkerer Vergrösserung zu untersuchen. Ich schrieb nun neuerdings an Stokes und an Wöbler. Ersterer sandte mir auch freundlichst auf einem Glimmerblatt aufliegende Krystalle und theilte neuerdings den Process der Bildung derselben mit, wie er oben steht, und wie er nun auch Hrn. Dr. Ragsky in unserem chemischen Laboratorio deutliche Krystalle lieferte. Ich verglich seitdem auch Dr. Herapath's Abhandlungen.

Vor der dichroskopischen Lupe sah ich nun den Dichroismus, aber für genauere Untersuchung waren die Krystalle doch gar zu klein. Als ich aber die HerapathitKrystalle auf den Tisch des Mikroskops bei neunzigfacher Vergrösserung brachte, wurde Alles auf einen Blick klar. Die verschiedentlich untereinanderliegenden blafsolivengrünen, blassrothen, tiefblutrothen, schwarzen Farbentöne fanden sich wahrnehmbar als das, was sie wirklich sind, sowohl im gewöhnlichen Lichte als im polarisirten, das bei einem zusammengesetzten Mikroskope wohl sehr leicht dadurch hervorgebracht wird, dass man einfach ein Doppelspathrhomboëder auf das Ocular legt. Man hat dann die zwei Bilder entgegengesetzt polarisirt neben einander, wie bei der dichroskopischen Lupe. Um vollkommen glatte Doppelspathflächen zu haben, klebt man Stückchen Spiegelglas auf das Rhomboëder, um die bei der Weichheit des Doppelspathes so bald beschädigte Politur vollständig berzustellen.

Nun unterschied man deutlich jeden einzelnen Krystall, sah wie einige derselben an verschiedenen Stellen ungleich dick waren, wie das Bild in der Richtung, in welcher das Licht mehr absorbirt ist, für die dickeren Stellen allerdings ganz schwarz war, » schwarz wie die Mitternacht« sagt Herapath, selbst wenn die Dicke der Krystalle nicht zoo eines Zolles beträgt.« Allein man sah auch, dass dünnere Stellen eines und desselben Krystalles » dunkelblutroth«

waren, dass also das » Schwarz« selbst nur darum diesen Abgang aller Farbe zeigt, weil auch das letzte Roth von dem dicken Krystall absorbirt ist. Für die Wirkung an der Oberfläche muss daher die Körperfarbe immer als Roth betrachtet werden, und als solches ist das von Hrn. Prof. Stokes beobachtete senkrecht auf die Axe polarisirte metallische Grün die wahre Complementsfarbe. Dię Krystalle der Jod - Chinin - Verbindung bilden also eine neue Bestätigung für die Gültigkeit des Satzes, für welchen die früher verzeichneten Fälle sprachen, dass die Oberflächenfarbe der Körperfarbe als Complement angehört.

Nicht leicht kann man in Bezug auf Körperfarben zwei Species von Krystallen haben, die einander ähulicher wären, als der hier in Rede stehende Herapathit und der durchsichtige brasilianische Andalusit. Dasselbe blasse unscheinbare Olivengrün polarisirt in der Richtung der Axe der Krystalle; dasselbe Hyacinthroth, dunkle Blutroth, Schwarz, der Dicke der Platten oder Krystalle entsprechend, polarisirt senkrecht auf die Axe.

Bei der einen wie bei der andern Species polarisiren vollkommen durchsichtige blafsgrünliche Krystalle oder Platten gekreuzt das Licht bis zum vollständigen Schwarz. Sind die Krystalle dünn, so entsteht bei der Kreuzung nur Roth, ebenso wie die Farbe bei der Untersuchung durch den Kalkspath der dichroskopischen Lupe. Ganz dünne Platten von Andalusit haben eine blasse aber deutlich rothe Farbe. Legt man zwei solche Platten in paralleler Stellung auf einander, so verschwindet das Roth, es wird absorbirt, und das dickere blafsgrüne Aggregat ist überraschend hellfarbiger als jede einzelne Platte. Ebenso sind auch die ganz dünnen Krystallblättchen des Herapathits deutlich blassroth, ja es giebt viele Krystalle die, ungleich dick, rothe und grüne Stellen zeigen. Je deutlicher das Roth, desto mehr nähert sich bei der Untersuchung in polarisirten Lichte der in der Richtung der Axe polarisirte Ton dem vollkominen ungefärbten, so dass man den

Krystall auch wohl gar nicht sieht, während das darauf senkrecht polarisirende Bild mehr oder weniger tiefroth erscheint.

Die Farbentöne des Herapathits lassen sich den obigen Beobachtungen gemäss in folgendem Bilde darstellen: 1) Körperfarbe. Im gewöhnlichen Lichte in ganz dünnen

Krystallplatten blassroth, zwischen rosen- und ziegelroth, in dickeren Krystallen blassolivengrün, oder grünlichgrau, das bei zunehmender Dicke zuweilen etwas gelblich ist.

Im polarisirten Lichte nach Maafsgabe der Dicke, das Bild polarisirt in der Richtung der Axe farblos bis blafsgrün, das Bild polarisirt senkrecht auf die Axe blutroth bis schwarz. Schwarz schon bei einer

Dicke von çdo eines Zolles. 2) Oberflächenfarbe. Polarisirt senkrecht auf die Axe bei

nahe senkrechtein Einfall grasgrün, bei grösserem Einfallswinkel in der Ebene der Axe spangrün, entenblau, dunkelstahlblau.

Auf Glas aufpolirt ist die Körperfarbe ein röthliches Braun, es erscheint kein metallisches Grün, wohl aber in allen Azimuthen senkrecht auf die Einfallsebene polarisirt ein nicht sehr lebhaftes Oberflächenblau.

Wöhler's grünes Hydrochinon, das ich vor längerer Zeit untersuchte, giebt aufpolirt in allen Azimuthen ein metallisches Tombackbraun in das Messinggelbe bei einer dunkelviolblauen Körperfarbe.

In Krystallen ist das Tombackbraun senkrecht auf die Axe polarisirt, entsprechend dem dunkleren Durchsichtigkeitstone der Körperfarbe. Bei grösseren Neigungen mischt sich, senkrecht auf die Einfallsebene polarisirt, Blau hinzu, so dass die Farbe im untern Bilde der dichroskopischen Lupe am Ende in Dunkelstahlblau übergeht.

Vergleicht man die Farben der beiden Chipin - Verbindungen, so erhält man folgende Zusammenstellung:

Kör

Hydrochinon. Herapathit. Körperfarbe polarisirt in

der Richtung der Axe dunkelviolblau, grünlichweiss. Körperfarbe polarisirt senkrecht auf die Axe sehr dunkel- sehr dunkel

violblau.

roth. Oberflächenfarbe polarisirt senkrecht auf die Axe tombackbraun. grasgrün.

Nun ist aber die Körperfarbe des reinen Jod gelb in verschiedenen Tönen, die Oberflächenfarbe blau. Ich untersuchte die Körperfarbe kürzlich für die Vergleichung an kleinen Krystallen, welche Hr. Dr. Ragsky aus einer Auflösung in Schwefelkohlenstoff durch Verdampfung dargestellt hatte. Die länglich sechsseitigen Tafeln, mit zwei Winkeln von etwa 128° und vier Winkeln von 116°, waren an den dicksten Stellen an den Rändern undurchsichtig, durch röthlichbraun, dunkelhoniggelb in immer blässere Töne übergebend. Dabei war deutlich ein Unterschied in der Intensität, die Farbe in der Richtung der kleinen Diagonale des Rhombus von 128° polarisirt blässer, die Farbe in der Richtung der grossen Diagonale polarisirt dunkler. Aber während der Beobachtung durch das Mikroskop mit neunzigfacher Vergrösserung sah man die Verflüchtigung fortschreiten, und merkwürdigerweise wurden die Krystallblättchen gegen den Mittelpunkt des Sechseckes immer dünner, lichterhoniggelb; es erschien ein Loch, das sich fort und fort vergrösserte, während sich wieder kleine Theilchen wie ein Bart und besonders an der, der kleinen Diagonale des Rhombus von 128o parallelen, Kante absetzten.

Es bedarf gewiss keiner zu gewaltthätigen Voraussetzung, um die Farben des Hydrochinons und des Jods im Herapathit wiederzufinden. Das weniger dunkle Violblau wird durch weniger tiefes Gelb zu dem nahe farblosen schwach grünlichen Tone der in der Richtung der Axe polarisirten Körperfarbe neutralisirt. Das ganze dunkle Violett mit dem etwas stärkeren Gelb lässt Roth zurück, das metallische

Poggendorff's Annal. Bd. LXXXIX.

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Gelb mit dem Blau giebt das metallische Grün. Gewiss verdient eine Vergleichung von dieser Art noch fernere Aufmerksamkeit, wenn sie auch für den Fall nur als ein erster Versuch annähernd gewagt wird.

VI. Ueber Luft- Elektricität; con F. Dellmann.

Die vollständigen Resultate der auf der biesigen meteorologischen Station im Dienste des Staates seit etwas mehr als einem Jahre angestellten Beobachtungen über LuftElektricität findet man im 2. Jahresberichte des Königl. meteorologischen Instituts, welcher im Laufe dieses Jahres erscheinen wird. Hier müssen wir uns beschränken auf eine Beschreibung des Beobachtungs - Apparates und der Beobachtungs-Methode, so wie auf eine übersichtliche Darstellung der Resultate.

Die von der Brüsseler Akademie im Jahre 1844 gekrönte Preisschrift von Duprez: „Sur l'électricité de l'airs weist klar nach, dass alle festen Apparate, wie ein solcher zuletzt noch von Dr. Romershausen angegeben worden, wegen Mangelhaftigkeit der Isolirung niemals die Garantie gewähren, dass sie den wahren elektrischen Zustand der Atmosphäre angeben. Diese Ansicht über die festen Apparate hat sich durch die hier gemachten Erfabrungen auss Entschiedenste als richtig herausgestellt; zugleich haben sich aber noch zwei andere Mängel dieser Apparate gezeigt, welche Duprez nicht angiebt, nämlich der, dass sie sich zu langsam laden, also öfter einen elektrischen Zustand der Luft andeuten, welcher quantitativ und qualitativ längst nicht mehr vorhanden ist; dann noch der, dass sie den elektrischen Zustand der den Sammelapparat umgebenden Luftschicht nicht rein angeben, sondern gemischt mit der Einwirkung auf den zum Messinstrument führenden Leiter.

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