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trisch. Auch bei Annäherung eines Gewitters zeigt sich die Luft, selbst wenn das Gewitter noch ziemlich fern ist, so dass die Wolken desselben noch lange nicht über der Beobachtungsstelle schweben, - elektrisch. Nur selten, namentlich bei starkem NO (2 Mal), zeigt sie sich bei ziemlich heiterm Wetter – elektrisch, sonst bei heiterm Wetter immer + elektrisch. Die Regentropfen sind beim Anfange. eines Regens meist selbst elektrisch, und zwar - elektrisch wie die Luft. Bei stiller Luft ist die Spannung der Elektricität der Atmosphäre weit weniger veränderlich, als bei starker Luftströmung; sie variirt am schnellsten, wenn sie aus dem Zustande mit dem einen Vorzeichen in den mit dem andern übergeht. Am 14. December Nachmittags 4 Uhr 20 Min. war bei ganz schwachem Regen die Spannung – 918,7. Sieben Minuten später war sie 0 und der Regen hatte ganz aufgehört. Nach 2 Min., wo wieder einige Regentropfen fielen, betrug sie +41,5; abermals nach 2 Min. aber 281,4 und dabei fielen keine Tropfen mehr. Wieder nach 3 Min. betrug sie 547,5, und abermals nach 4 Min. sogar 831. Am 15. December 2 Uhr ging sie in ein paar Minuten von 66,5 bis — 447,1. Beispiele der Art kommen in allen Monaten vor, namentlich bei Regen und Gewitter.

Elektricität der Wolken und Luft - Elektricität stehen in der Beziehung zu einander, dass eine bedeutende Wolken- oder Gewitter-Elektricität auch eine bedeutende Spannung der Luft- Elektricität zur Begleitung hat, aber nicht umgekehrt. Die Luft - Elektricität kann Stunden, ja Tage lang sehr bedeutend seyn ohne die geringste Spur eines Gewitters, wie es an nebligen Tagen namentlich bei NW. im Winter stets der Fall ist. Ein einziges Mal, am 16. November Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, wo schon um 2 Uhr die Luft in bohem Grade - elektrisch war, löste sich ein sehr starker Nebel plötzlich in ein Gewitter auf, und es wurde durch die - E. angekündigt, da sonst bei starkem Nebel + E. sich zeigt.

Nur die freie, nicht mit irdischen Gegenständen in Berübrung gekominene Luft zeigt sich elektrisch, so dass man im Hause keine Spur mit dem beschriebenen Apparat wahrnimmt, wenn draussen eine starke Spannung herrscht. Diefs scheint gegen die oben mitgetheilte Erfahrung eines schwächern Verlustes der + E. zu sprechen; indess kann die. + E. im Hause so gering seyn, dass sie der Apparat nicht anzuzeigen im Stande ist.

Bei einem Brande, dessen Rauchsäule fast genau in Bogenform sich nach der Beobachtungsstelle hinzog, stieg die Spannung von 149 in wenigen Minuten bis auf 383; dann sank sie wieder, als das Feuer nachliess, so dass sie 17 Min. nach der ersten Spannung noch 250,7 betrug. Nach neuem Aufflackern des Feuers stieg sie noch ein paar Mal, sank dann wieder, bis sie nach 14 Stunden vom Ausbruche des Feuers an gerechnet, wo das Feuer längst gelöscht war, noch 120 betruy. Die Brandstelle war 6 Meile von der Beobachtungsstelle entfernt. Man wird also in einer Stadt, der vielen rauchenden Schornsteine wegen, keine elektrischen Beobachtungen inachen dürfen oder doch sebr auf der Hut seyn inüssen. Die hiesige Beobachtungsstelle ist zwar von einigen Häusern umgeben, liegt aber vor der Stadt.

Eine mit der Höhe proportionale Zunahme der LuftElektricität konnte hier nicht aufgefunden werden; ihre Zunabie findet in geringerem Grade statt, als bei der Höhe. Das Gesetz dieser Zunabme konnte noch nicht ermittelt werden.

Die Extreine der beobachteten Quantitäten liegen zu Kreuznach viel weiter auseinander, als in den Brüsseler Beobachtungen. Das liegt zum Theil darin, dass zu Kreuznach öfter beobachtet wurde, zum Theil aber auch darin, dass die Einrichtung des zu Kreuznach angewendeten Messinstruments eine genauere Messung der Extreme gestattet. Sehr kleine Mengen können mit derselben Genauigkeit gemessen werden, wie bedeutende Grössen, da zu dieser Messung der Extreme, wenn das Verfahren mittelst der Aus

schlagswinkel nicht ausreicht, das durch Torsion in Anwendung gebracht wird.

Um den täglichen Gang der Luft - Elektricität näher zu veranschaulichen, mögen hier noch einige Zahlen folgen; zuerst vom Februar, wo meist zweistündlich von Morgens 6 Uhr bis Abends 10 Uhr beobachtet wurde. Sie sind: 113,5; 139,1; 163,4; 158,5; 151,0; 173,8; 179,4; 167,3; 156,7. Vom 18. März sind sie, mit Einschaltung einer Beobachtung um 7 Uhr Ab.: 102,6; 167,5; 173,3; 212,2; 178,1; 159,0; 118,8; 173,3; 179,3; 102,6. Vom 2. Juni, wo vierstündlich beobachtet wurde: 221,0; 131,5; 102,6; 70,1; 120,8. Vom 9. Juli, vierstündlich und Abends 8: 183,8; 121,8; 106,0; 114,0; 141,7; 121,3. Wie schnell sie oft nach Sonnenaufgang steigt, davon noch ein paar Beispiele. Am 4. October wurden von 6 Uhr bis 6 Uhr 30 Min. folgende Werthe erhalten: 107,1; 161,8; 213,5; 293,2; 300,8. Um 6 Uhr 50 Min.: 276,8; 7 Uhr 12 Min.: 230,5; 7 Uhr 30 Min.: 211,7. Am 8. Octbr. 6 Uhr: 118,8; 6 Uhr 20 Min. gleich nach einander: 154,5; 156,3; 159,1; 6 Uhr 40 Min. zwei Mal: 131,6. Vom 9. Octbr. 6 Ubr: 216,3; 6 Uhr 30 Min. nach einander: 250,7; 267,8; 283,7; 7 Uhr 5 Min.: 217,8; 215,4. Vom 21. Octbr. 6 Uhr: 155,1; 7 Uhr 50 Min.: 265,6. Am 15. Novbr. 6 Uhr: 300,8; 7 Uhr 16 Min.; 595,4 (plötzlich starker Nebel, der zur Beobachtung veranlasste); 10 Uhr: 370,5 (noch starker Nebel); 12 Uhr: 0,0 (Nebel fast verschwunden). Auch noch einige Beispiele von ihrem Gange bei Sonnenuntergang. Am 18. Octbr. 2 Uhr: 281,4; 5 Ubr: 370,5; 7 Uhr: 336,9; 10 Uhr: 174,8. Am 21. Octbr. 2 Uhr: 220,0; 4 Uhr 30 Min.: 171,0; -5 Uhr nach einander: 211,7; 234,4; 254,9: 5 Uhr 6 Min. nach einander: 270,0; 276,8; 5 Uhr 11 Min.: 276,8; 10 Uhr: 261,3. Auch diese Zahlen stimmen im Ganzen mit dem, was Schübler über ihren täglichen Gang bemerkt. Selten tritt der tägliche Gang regelmässig hervor, am besten noch natürlich, wenn alle Lufterscheinungen viel Regelmässigkeit zeigen, also besonders bei heiterm Wetter, wo selbst zuweilen die täglichen Barometerschwankungen deutlich hervortreten, wie diess hier im Februar 1851 der Fall war, wo 40 Stunden lang stündlich beobachtet wurde und 34 Stunden lang dieselben ganz deutlich sich zeigten.

Zum Schlusse noch ein paar Worte über Entstehung der Luft- Elektricität. Peltier fils hat zuerst in einem Briefe an Quetelet, den dieser berühmte Naturforscher drucken liefs, die Ansicht ausgesprochen, welcher Dr. Lain ont in Bd. 85, S. 500 ff. dieser Annalen beipflichtet, dass die Luft - Elektricität ursprünglich Erd-Elektricität sey und durch den Beobachter in das Elektrometer ströme, wenn man dasselbe auf einem erhöhten Punkte ladet; die Luft hat nach dieser Ansicht gar keine Elektricität. Die Gründe, welche Peltier aus den durch die Brüsseler Beobachtungen gewonnenen Zahlen entnimmt, fallen dadurch schon weg, dass Quetelet in späteren Mittheilungen, durch spätere Beobachtungen veranlasst, diese Zahlen bedeutend geändert hat, und mit den von Schübler, in München und Kreuznach gewonnenen Resultaten stimmen diese Gründe noch weniger. Was nun das Einströmen der Elektricität durch den Beobachter in das Messinstrument oder die Sammelkugel betrifft, so ist diefs keine Thatsache, sondern nur Hypothese. Thatsache aber ist, dass, wenn von meiner Sammelkugel ein Draht isolirt zum Elektrometer geführt wird, dieser stets die entgegengesetzte Elektricität von derjenigen zeigt, welche die Kugel bei der gewöhnlichen Ladung herunter bringt. Daraus folgt also, dass die Kugel wirklich, wie Peltier père immer behauptet hat, durch Vertheilung und nicht durch Mittheilung geladen wird, dass also die Luft elektrisch ist. Wie wäre denn die Zunahme der Lust - Elektricität mit der Höhe zu erklären, wenn diese Elektricität eine von der Erde inducirte wäre? Dann müsste sie ja mit der Höhe abnehmen. Nebel vermehrt bekanntlich die Luft - Elektricität und kommt doch von unten; er müsste also die Erd- Elektricität mitnehmen und die Luft - Elektricität schwächen. Dass die Luft - Elektricität im Winter stärker ist, scheint mir bloss aus der grösseren Häufigkeit der Nebel hervorzugehen, wie sich denn aus der Menge der Nebel auch ganz gut die täglichen Schwankungen dieser Elektricität erklären lassen.

Auf dem Wege, den Peltier fils und Lamont eingeschlagen haben, verwickelt man sich, wie es scheint, nur in Widersprüche. Dagegen wird es zweckmässig seyn, die von Schönbein angeregten Studien über Ozon und die von Faraday bereits gewonnenen Ansichten über Diamagnetismus des Sauerstoffs weiter zu verfolgen, um auf diesem Gebiete weiter kommen zu können. .

Es werden wohl noch lange Beobachtungen über diesen Gegenstand und viele neue Versuche erforderlich seyn, bevor die Gesetzmässigkeit der Erscheinungen vollständig hervortritt und namentlich die Ursache derselben sich genügend angeben läfst. Aber eben deshalb wäre es wünschenswerth, dass die Zahl der Stationen, wo Beobachtungen der Art gemacht werden, sich vermehrte und dass man sich zu gemeinsamem Streben vereinigte.

Kreuznach, Ende Januars 1853.

VII. Zur Theorie des Dellmann'schen Elektro

meters; von J. A. W. Roeber.

Doll eine theoretische Formel für die Scalirung des Elektrometers gefunden werden, so müssten Waagebalken und Streifchen definirbare geometrische Körper seyn, für welche die von ihrer gegenseitigen Lage abhängige elektrische Vertheilung bekannt wäre. Beide Bedingungen sind nicht erfüllt. Kann man auch die Mittellinie der elektrischen Anziehung und Abstofsung im Streifchen und Waagebalken, wenn beide gerade sind, ohne beträchtliche Fehler als gerade Linien betrachten, so wird doch die Lage die

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