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I. Ueber Pseudomorphosen, nebst Beiträgen zur Charakteristik einiger

Arten derselben; von Th. Scheerer. ......... 1 II. Ueber eine neue Oxydationsstufe des Wasserstoffs und ihr Ver

hältniss zum Ozon; von M. Baumert. ........i 38 III. Zweiter Beitrag zur Katoptrik und Dioptrik krystallinischer Mit- :

tel mit einer optischen Axe; von A. Beer. ....... 56 IV. Zur Theorie der Farbenmischung; von H. Grassmann, .. 69 V. Ueber die Diathermansie des Steinsatzes. Schreiben an Hrd. A.

v. Humboldt von M. Melloni. : . ". . . . . . 84 VI. Ueber die Stellung von Legirungen und Amalgamen in der thermo

elektrischen Spannungsreihe; von W. Rollmann. ..... VII. Ueber die Geschwindigkeit des Schalls; von A. Bravais... VIII. Verfahren, die Schwingungen eines elastischen Stabes sichtlich

und zählbar zu machen; von Montigny.......... IX. Ueber die isomerischen Modificationen des Schwefelantimons;

von H. Rose.'. i . . . . . . . . . . . . . . . X. Ueber die Trennung der Thonerde vom Chromoxyd; voo Dexter. XI. Ueber die Zusammensetzung des nordamerikanischen Spodumens;

von C. Rammelsberg. . . . . . . . . . . . . . . 144 XII. Ueber die Verbindungen der beiden Säuren des Selens mit den

beiden Quecksilberoxyden, und das natürliche selenigsaure Queck silberoxydul (Onofrit); von F. Köhler. ...

. 146 XIII. Ueber eine elektromagnetische Maschine mit oscillirendem An

ker; von C. A. Grücl. ............. 153 XIV. Bemerkungen in Beziehung auf die Temperaturverhältnisse des

Peissenberges; von H. Schlagiotweit. . . . . . . . . . 159 XV. Der goldene Fisch; von P. Riess. . . . . . . . . . 164 XVI. Ueber die Stokes'schen Phänomene; von L. Moser. ... XVII. Erklärung der Verstärkung, die das durch einen galvanischen

Funken verursachte Geräusch erleidet, wenn der Strom unter ge

wissen Umständen unterbrochen wird; von P. L. Rijke.... XVIII. Ueber die loductions- Elektrisirmaschinen und ein leichtes Mi- '.

lel zur Erhöhung ihrer Wirksamkeil; von Fizeau. ; ;... 173

1853. ANNALEN

No. 5. DER PHYSIK UND CHEMIE.

BAND LXxxix.

I. Ueber Pseudomorphosen, nebst Beiträgen zur Charakteristik einiger Arten derselben;

von Th. Scheerer.

VVährend die Pseudomorphosen, in den oryktognostischen Lehrbüchern wie in den Mineralien-Sammlungen, ehemals nur einen beiläufigen Appendix bildeten, so zu sagen ein verwahrlostes Häuflein curioser Missgeburten, welches mit mebr Verwunderung als Nutzen betrachtet wurde, sind dieselben in neuerer Zeit zu einem Gegenstande grossen wissenschaftlichen Interesses und eifrigen Studiums geworden. Man hat eingesehen, dass es sich hier um mehr als ein sogenanntes » Naturspiel«, dass es sich um eine ausgebreitete Naturthätigkeit handelt, welche nicht aus blosser Laune einzelne Afterkrystalle formte, sondern mächtige Gesteinsschichten und ganze Gebirgsglieder einer durchgreifenden Umwandlung unterwarf. Was sind manche krystallinische (Gneus-, Glimmerschiefer-, Marmor-) Schichten mit ihren mannigfaltigen – sogenannten accessorischen - Mineral - Einschlüssen wohl anders als Afterbildungen im grossen Maassstabe? Jene Schichtform kommt ihnen als krystallinischen Gesteinen eben so wenig zu, als jene Mineral-Einschlüsse ihnen als geschichteten d. b. sedimentären Gebirgsarten angehören. Gneus-, Glimmerschiefer- und Marmor-Schichten stellen sich gewissermassen als Pseudomorphosen von Thon- und KalksteinSchichten dar; und selbst was wir Granit und Urkalk nennen, ist mitunter weiter nichts als ein auf der höchsten Stufe des Metamorphismus stehendes sedimentäres Gebilde. Der Metamorphismus, welcher eine der Hauptfragen der neueren Geologie ausmacht, findet in der Oryktognosie

Poggendorff's Annal. Bd. LXXXIX.

seinen Reflex als Pseudomorphismus. Die Naturkräfte, welche beiden zu Grunde liegen, sind – so weit wir diess vor der Hand einzusehen vermögen — rein chemischer Art. Die Kette ihrer Wirkungen zu verfolgen und daraus das Endresultat der Metamorphose und Pseudomorphose abzuleiten, ist die Aufgabe des Chemikers. Allein der Chemiker kann diese Aufgabe nur lösen, wenn er hierzu vom Geognosten und Mineralogen mit den nöthigen historischen Daten versehen wird. Jene Kette der Wirkungen ist überall mit geognostischen und oryktognostischen Thatsachen verknüpft, und der chemische Erklärungsversuch – wenn derselbe mehr als Hypothese seyn soll. - muss stets von diesen Thatsachen ausgehen und von ihnen geleitet werden.

Die geologische Geschichte ausgedehnter Gesteinsmassen oder ganzer Gebirgsglieder aus ihrem gegenwärtigen geognostischen Auftreten und ihrer jetzigen petrographischen Beschaffenheit herauszulesen, ist aber oftmals selbst für die gründlichste Beobachtung und den durchdringendsten Scharfblick ein Problem, welches der Hypothese nur allzu grossen Spielraum übrig lässt. In solchem Falle vermag dann auch der Chemiker keinen festen Fuss zu fassen, weil ibm keine feste Basis geboten wird. Daher die Proteusgestalt der Theorien, welche sich des Metamorphismus zu bemächtigen suchten. Wasser, Feuer, mechanischer Druck, Elektricität und auch noch eine und die andere anonyme Kraft sind die sehr heterogenen Elemente, welche bei den verschiedenen Erklärungs-Versuchen fungirt haben. Und selbst da, wo man ein anscheinend befriedigendes Resultat hierdurch erreichte, blieb diess selten lange unangetastet. Das auf plutonischem Wege aufgeführte Gebäude des Granits hat man von gewisser Seite her wieder einzureissen und ad undas zu führen gesucht!

Die Grofsartigkeit vieler geognostischer Verhältnisse und die theilweise Unzugänglichkeit ihrer Contouren worin eine der Hauptschwierigkeiten besteht, die sich der genauen Erforschung der Metamorphose entgegenstellen –

schrumpfen bei der Pseudomorphose zu einem bequemeren Beobachtungsfelde zusammen. Der pseudomorphe Krystall kann hier zum Schlüssel werden, welcher uns ins Innere einer Gesteins - Metamorphose zu dringen verhilft. In dieser Möglichkeit, zur Aufschliessung des geologischen Chemismus beizutragen, liegt eine Wichtigkeit der Pseudomors phosen, wie sie bereits von Haidinger, Bischof, Blum, Dana u. A. erkannt gind hervorgehoben worden ist. Und als unmittelbare Folge davon ergiebt sich die Anforderung: bei unseren Versuchen, die Genesis der Pseudomorphosen zu enthüllen und dadurch zugleich den Schleier der Metamorphose zu lüften, mit möglichster Umsicht und schärfster Kritik zu Werke zu gehen. Wenn man früber nicht immer streng nach diesem Grundsatze gebandelt hat, so lässt sich das bei der Jugendlichkeit dieser Forschungsrichtung entschuldigen. Noch ist keine lange Zeit verstrichen, seitdem wir die Pseudomorphosen aus dem Raritäten - Cabinet ins System der Wissenschaft übergeführt haben - manches Gute blieb hierbei zurück und manches Mittelınässige wurde eingeordnet. Erst durch Landgrebe's, besonders aber durch Blum's ebenso mühevolle als verdienstliche Arbeiten wurde das zahlreiche Corps der Pseudomorphosen in übersichtlicher Weise vor uns aufgestellt. Es ist nicht meine Absicht, dasselbe hier einer speciellen Musterung zu unterziehen: doch sey mir gestattet, einige flüchtige Blicke darauf zu werfen.

Blum ordnet die ganze bunte Menge der Afterbildungen in zwei grosse Abtheilungen: in Umwandlungs- und in Verdrängungs - Pseudomorphosen. Eine solche Eintbeilung setzt voraus, dass man mit der Genesis der Pseudomorphosen bereits bis zu einein gewissen Grade im Klaren sey, nämlich so weit, um mit Sicherheit zwischen den Producten einer chemischen Uinwandlung und einer mehr oder weniger inechanischen Nachbildung entscheiden zu können. Ist diefs aber wohl in allen Fällen möglich? Das Recht daran zu zweifeln erscheint gross. Blum betrachtet z. B. sämmtliche Afterbildungen von Speckstein (und specksteinähnlichen Substanzen ) nach Bitterspath, Spinell, Quarz, Andalusit, Chiastolith, Topas, Feldspath, Glimmer, Wernerit, Turmalin, Staurolith, Granat, Idokras, Augit – als Umwandlungs - Pseudoinorphosen. Bischof') ist anderer Meinung; er hält es mit Recht für wahrscheinlicher, dass diese Bildungen, oder doch viele derselben, blosse Verdrängungs - Pseudomorphosen seyen. Das bekannte, zuerst von Nauck ?) ausführlich beschriebene Vorkommen des Wunsiedler Specksteins zeugt unverkennbar für die letztere Ansicht, zu deren Gunsten sich auch Nauck ausspricht. Wir finden bei Wunsiedel (Göpfersgrün) Bitterspath und Quarz, in unmittelbarster Nachbarschaft neben einander, in ein und dieselbe Substanz, einen Speckstein (mikroskopisch feinblättrigen Talk) von der Zusammensetzung

(Mg)Ši+(Mg); Ši?

=3Mg Si + Mg3 Ši? +24 umgewandelt 3). Dass diese Umwandlung auf nassem Wege geschah, lässt sich wohl kaum bezweifeln. Welche eigenthümliche Flüssigkeit hätte es aber seyn müssen, die es vermocht hätte, mit Bitterspath ganz dasselbe präcipitirte Zersetzungs - Product zu liefern wie mit Quarz? - Die directe Entstehung des Specksteins, d. b. sein unmittelbares Absetzen aus einer Solution, wird überdiess noch durch einen anderen Umstand - wenn auch nur in einer Analogie bestehend - wahrscheinlich. Ich habe früher gezeigt 4), dass sich aus den Grubenwässern einer Arendaler Eisensteingrube ein talkartiges Mineral, der Neolith, in grosser Menge absetzt, dessen chemische Constitution der Formel

(Mg): [Si]?

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