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kommenden Arten des Antimonoxyds, sowohl das in regulären Octaëdern, als auch das prismatisch krystallisirte (beide aus der Provinz Constantine) sind Nichtleiter.

Das schwarze krystallisirte Schwefelantimon, das ein Leiter der Elektricität ist, kann in einen Nichtleiter also durch zwei Ursachen verwandelt werden.

Es geschieht diefs durch schnelles Abkühlen des geschmolzenen Schwefelmetalls, wodurch dasselbe in eine isomerische amorphe rothe Modification verwandelt wird, die ein Nichtleiter der Elektricität ist.

Es kann aber auch das schwarze Schwefelantimon durch Aufnahme von Antimonoxyd in einen Nichtleiter verwandelt werden. Wird die Verbindung von Schwefelantimon auch mit nur wenig Antimonoxyd nach dem Erkalten schnell abgekühlt, so wird sie ein vollkommner Nichtleiter, und um sie in einen solchen zu verwandeln, braucht das Abkühlen lange nicht so plötzlich und mit so vieler Vorsicht zu geschehen, als das des Schweselantimons allein, dessen rotbe Modification im reinen Zustand darzustellen, mit Schwierigkeiten verknüpft ist. Bei langsamer Abkühlung ist zwar die Verbindung von Schwefelantimon mit Oxyd ein Leiter und krystallinisch, aber bei einem grössern Gehalte von Oxyd wird sie auch bei sehr langsamen Abkühlen zwar krystallinisch, aber ein Halbleiter, wie es das in der Natur vorkommende Rothspiesglanzerz ist, das nach dem Schmelzen und Abkühlen aber ebenfalls ein Isolator der Elektricität wird.

Andere Oxyde als Antimonoxyd scheinen das Schwefelantimon nicht in einen Nichtleiter oder Halbleiter verwandeln zu können. Ich habe indessen nur Bleioxyd in dieser Hinsicht versucht. Ich schmelzte 2 Atomgewichte Schwefelantimon mit 1 Atomgewicht reinem Bleioxyd zusammen. Ich erhielt dadurch eine leicht schmelzbare und eine nicht schmelzbare Masse, letztere indessen in nicht sehr bedeutender Menge. Die schmelzbare Verbindung wurde auf eine kalte Porcellanplatte ausgegossen, auf welcher sie während des Erkaltens auf eine merkwürdige Weise in

mehrere Stücke zersprang, die zum Theil von selbst weggeschleudert wurden. Ungeachtet des schnellen Erkaltens war die ganze Masse krystallinisch, und an allen Stellen ein elektrischer Leiter. Mit Schwefel geschmolzen entwickelte sie viel schweflichte Säure; mit Schwefel und kohlensaurem Natron geschmolzen gab sie eine Masse, die bei der Behandlung mit Wasser viel Schwefelblei ungelöst hinterliefs. Bleioxyd kann indessen beinahe für einen, wenn auch schlechten, Halbleiter angesehen werden.

Wenn man die verschiedenen Modificationen des Schwefelantimons und der Verbindungen desselben mit dem Antimonoxyd, die schwarzen und die rothen, hinsichtlich ihrer Eigenschaften, namentlich ihrer physikalischen, mit einander vergleicht, so kann die Frage entstehen: ist die Ursache dieser verschiedenen Modificationen ein verschiedener allotropischer Zustand des Antimonmetalls, oder sind es die beiden isomeren Modificationen des Schwefelantimons, welche auch in ihren Verbindungen mit Antimonoxyd ihre Verschiedenheiten nicht nur beibehalten, sondern von denen die amorpbe, rothe, die Elektricität nicht leitende Modification bei weitem leichter und sicherer dargestellt werden kann, wenn das Schwefelantimon mit Antimonoxyd verbunden ist.

Ich habe einige aber vergebliche Versuche angestellt, um eine allotropische Modification des Antimons hervorzubringen. Durch schnelles Abküblen des geschmolzenen Metalles gelang es nicht, dasselbe von veränderten Eigenschaften zu erhalten.

Wenn es indessen einen allotropischen Zustand des Antimons geben sollte, so ist noch sehr fraglich, ob das Metall in demselben ähnliche Eigenschaften besitzt, wie die amorphen rothen Modificationen des Schwefelantimons und des Vitrum Antimonii. Denn es giebt Verbindungen von Schwefelantimon mit Antimonoxyd, welche wie das in der Natur vorkommende Rothspiesglanzerz, auch im krystallisirten Zustande von rother Farbe sind. Auch die von mir dargestellten Verbindungen von Schwefelantimon mit viel Antimonoxyd sind im krystallinischen Zustande von grauschwarzer Farbe, geben aber auf unglasirtem Porcellan einen Strich, der nicht rein schwarz ist, sondern einen Stich ins Röthliche hat.

Ein Umstand verdient noch hierbei eine gewisse Beachtung. Ich habe gezeigt, dass die verschiedenen Arten des Vitrum Antimonii krystallinisch erhalten werden können, wenn man sie nach dem Schmelzen langsam abkühlt, selbst auch die, welche viel Oxyd enthalten. In einer krystallipischen Substanz, auch wenn sie von der Art ist, dass sie ihrer Krystallgestalt nach nicht deutlich erkannt werden kann, muss man entweder eine chemische Zusammensetzung nach bestimmten Verhältnissen annehmen, oder es kann in ihr ein oder der andere Bestandtheil durch einen andern (isomorphen) nach bestimmten oder unbestimmten Verhältnissen ersetzt seyn. Da nun im Vitrum Antimonii Schwefelantimon und Antimonoxyd sich in allen Verhältnissen verbinden können, so muss man entweder annehmen, dass in den krystallinischen Modificationen Antimonoxyd das Schwefelantimon, oder Sauerstoff den Schwefel in allen möglichen Verhältnissen ersetzen könne, oder man muss bestimmte krystallische Verbindungen von Oxyd und Schwefelantimon annehmen, die in den krystallinischen Arten des Vitrum Antimonii neben einander krystallinisch sich abgeschieden haben.

Früher hat man bisweilen die Meinung geäussert, dass das Rothspiesglanzerz dieselbe Form wie das Grauspies. glanzerz habe. Indessen nach den Untersuchungen von Mohs und Kenngott') ist das Rothspiesglanzerz zwei und eingliedrig, wäbrend das Grauspiesglanzerz zwei- und zweigliedrig ist. Es ist daher wohl die letztere der beiden angeführten Hypothesen die wahrscheinlichere. 1) Dessen mineralogische Untersuchungen, 1. Heft, S. 1.

Poggendorff's Annal. Bd. LXXXIX.

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X. Ueber die Absorption des polarisirten Lichtes in doppeltbrechenden Krystallen, als Unterscheidungsmittel ein- und zweiaxiger Krystalle, und eine Methode dieselbe zu messen; von H. W. Dove.

(Aus den Monatsberichten d. Akad. April, 1853.)

Da man einen einaxigen Krystall als einen zweiaxigen ansehen kann, dessen optische Axen zusammengefallen sind, so ist unmittelbar klar, dass die optischen Erscheinungen, welche zweiaxige doppeltbrechende Krystalle mit grossem Axenwinkel zeigen, durch alle möglichen Mittelstufen in den Krystallen mit kleinem Axenwinkel in die einaxigen übergehen. Die experimentelle Beantwortung der Frage, ob ein Krystall ein ein- oder zweiaxiger sey, bietet also desto grössere Schwierigkeiten dar, je kleiner dieser Axenwinkel ist. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass besonders bei den Glimmern viele später als zweiaxig erkannt worden sind, welche früher als einaxig galten. Ich habe für die Glimmer, glaube ich, darauf zuerst aufmerksam gemacht, als ich vor zehn Jahren (Diese Ann. 58 S. 158) zeigte, dass ein Glimmer von Jefferson County, der nach der Analyse von Meitzendorff wegen seines grossen Magnesiagehalts für einaxig gegolten hatte, zweiaxig sey. Ich untersuchte damals eine grosse Anzahl in der Berliner Mineraliensammlung befindlicher Glimmer und fand dasselbe Resulsat an vielen, welche mir als einaxig übergeben worden waren. Dasselbe Ergebniss erhielt später Poggendorff an einem von H. Rose analysirten Glimmer von Baikalsee, der von Seebeck als einaxig bestimmt worden war, und neuerdings sind diese Beispiele durch die Untersuchungen von Silliman und Senarmont wesentlich vermehrt worden. Die Ansichten der Naturforscher sind daher jetzt getheilt; einige nehmen an, dass es überhaupt keine einaxigen Glimmer gebe, sondern dass die für einaxig geltenden sämmtlich zweiaxige mit kleinen Winkeln sind, andere hin

gegen, dass die zweiaxigen mit kleinen Axenwinkeln ursprünglich einaxige waren, welche durch mechanische Einflüsse in den Zustand zweiaxiger versetzt worden sind. So sagt Miller') »einige Glimmerarten zeigen zwei optische Axen, welche einen sehr kleinen Winkel mit einander bilden. Möglicherweise waren dieselben in ihrem ursprünglichen Zustande einaxig. Die Trennung der einzigen optischen Axe in zwei mag durch den Zustand der Spannung entstanden seyn, welcher in dem Krystall durch das Trennen und Abspalten hervorgerufen wurde.« Die Ansicht von Senarmont ?) ist eine andere. Nach ihm giebt es nur optisch zweiaxige Glimmer, aber die Ebene, in welcher sich die beiden Axen öffnen, stehen wie zuerst Silliman 3) gezeigt hat, in verschiedenen Glimmern auf einander senkrecht. Diess komme daher, dass die optischen Eigenschaften der Glimmer bedingt seyen durch die verschiedene Mengung gewisser isomorpher Verbindungen, welche entgegengesetzte Wirkung äussern. Das Studium der optischen Erscheinungen des Glimmers müsse daher zunächst an die Individuen angeknüpft werden, welche als Extreme einander gegenüberstehen, d. h. welche grosse Axenwinkel in auf einander senkrechten Ebenen zeigen, nicht aber an die sogenannten einaxigen, welche jene isomorphen Verbindungen in optisch aequivalenter Grösse enthalten.

Das gewöhnliche Verfahren, einen Glimmer optisch zu untersuchen, besteht darin, dass man die Gestalt der isochromatischen Curven zu bestimmen sucht, und untersucht, ob das schwarze Kreuz, welches die Ringe durchschneidet, bei dem Drehen der Platte sich in hyperbolische Aeste öffne oder nicht. Aber die bekannten Erscheinungen am Beryll zeigen, wie trügerisch diefs Verfahren ist, und wir wissen, dass der tissu lamellaire, wie es Biot nennt, selbst

London

1) Philipps, An elementary introduction to Mineralogy.

1852, p. 388. . 2) Ann. de Chim. et de Phys. 3. Ser. T. 34, p. 171. . 3) American Journ. of Science, 2. Ser. 1.10, p. 373.

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