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ein sehr häufiger – obwohl äusserst selten zu deutlichen Krystallen entwickelter – accessorischer Gemengtheil des Norwegischen Zirkonsyenit angetroffen wird.

Die Meinung Blum's umfasst zwei getrennte Behauptungen: 1) dass die Spreusteinkrystalle von – in gewöhnlichem

Sinne - pseudomorpher Bildung seyen, und 2) dass sie durch Umwandlung aus Eläolith entstanden.

Die erste Behauptung wird durch die eben angeführten Verhältnisse des Spreustein- Vorkommens nichts weniger als gerechtfertigt. Der als Spreustein auftretende Natrolith erscheint nicht als ein theilweise eingewandertes Mineral, sondern er giebt sich als ein aboriginer Einwohner des Zirkonsyenit zu erkennen. Auch Hausmann ') schliesst aus seinen Beobachtungen, dass Feldspatb, Hornblende, Spreustein und Eläolith, so wie die anderen Gemengtheile dieser Gebirgsart eine gleichzeitige Entstehung haben, dass sie alle aus einer gemeinschaftlichen (plutonischen) Auflösung hervorgingen, indem sie sich bei der Erstarrung derselben als verschiedenartige chemische Verbindungen individualisirten. Wenn es sich hiernach als eine nicht haltbare Hypothese herausstellt, den Spreustein als eine secundäre Bildung zu betrachten und seine Entstehung einer physisch und chemisch unbegreiflichen Infiltration zuzuschreiben, so wird dadurch der zweiten Behauptung die ganze Basis entzogen. Nichts destoweniger wollen wir, unter Annahme der Möglichkeit eines hier vor sich gegangenen pseudomorphirenden Processes, auch diesem Theile der Blum'schen Ansicht unsere Aufmerksamkeit widmen.

Blum stützt seine Meinung besonders auf zwei Umstände: 1) auf die angeblich gleiche Krystallform von Spreustein und Eläolith, und 2) auf das Vorkommen des letzteren Minerals in und an einem Krystalle des ersteren. Betrachten wir zuerst diesen zweiten Punkt. Das Nebeneinander-Vorkommen von zwei binsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung so nahe mit einander verwandten Mine1) Bemerkungen üb. d. Zirkonsyenit, S. 16.

ralien ist gewiss eine sehr natürliche Erscheinung. Die Formel des Eläolith ist

=R? Si+2ÄISI oder vielleicht richtiger (wegen des oft nicht unbeträchtlichen Wassergehaltes dieses Minerals):

=(R)2 Si+AISI wobei die fixen Bestandtheile von R zu aus Natron und zu aus Kali bestehen. Die Formel des Natrolith :

Na Si +Alsi+21 lässt sich verändern zu:

3 Na Si+3ÄISI +6H
= 6$i+3ÄT+3Na+6#
=6$i+3Äl+3 Na+2(!)
=63i+3 Al +5 (Na)

=3[(Na)? Ši+2A1Si]+(Na)* Si: woraus man ersieht, dass der Natrolith als aus 3 Atomen Natron-Eläolith und 1 Atom Natron-Hornblende zusammengesetzt betrachtet werden kann. Es ist daher leicht erklärlich, dass sich aus einer plutonisch geschmolzenen Masse wie die des Zirkonsyenit, welche Si, Al (nebst Fe und Fe), Na, K und 11 in bestimmten Verhältnissen entbielt, gleichzeitig Eläolith und Natrolith, so gut wie Arfvedsonit

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lip's neuer

und – wie wir aus C. G. Gmelin's neueren Untersuchungen?) wissen – ein Kali - Natron - Feldspath ausscheiden mussten. An allen den Stellen dieser Masse, wo Kali 1) Pogg. Ann. Bd. 84, S. 365-367. 2) Ebendas. Bd. 81, S. 311.

und Eisenoxydul in hinreichender Menge vorhanden waren, war die Bildung von Natrolith unmöglich: hier konnten nur Eläolith und Hornblende entstehen, während ein Mangel an Kali und Eisenoxydul die Natrolith - Bildung zur Folge hatte. Dagegen wird durch die Annahme einer pseudomorphirenden Umwandlung des Eläolith in Natrolith — abgesehen von vielen andern hierbei in den Weg tretenden Hindernissen – der armen Natur das schwierige Geschäft aufgebürdet: alles Kali aus dem Eläolith rein herauszuwaschen! Die bierbei nothwendigerweise entstandene allkalische Lauge musste aber ausserdem noch auf eine höchst subtile Weise entfernt werden, damit dadurch gewisse Mineralien, wie Hornblende, Apatit (Cer - Apatit ')), Zirkon, Pyrochlor, u. s. w. – welche man, zu Krystallen ausgebildet und im völlig frischen Zustande, sowohl im Feldspath und Eläolith wie im Spreustein eingewachsen findet - durchaus nicht beschädigt wurden.

Eine Verwachsung zweier Mineralien innerhalb eines Krystalls — wie sie Blum zur Unterstützung seiner Meinung anführt – beweist sicherlich nicht, was dadurch bewiesen werden soll. Unzweifelhaft ist es, dass man bei wahren Pseudomorphosen mitunter zwei verschiedenartige Substanzen – das pseudomorphirende und pseudomorphirte Mineral – von den Contouren eines und desselben Krystalls umschlossen findet; allein es wäre sehr unrichtig, diesen Satz umzukebren: und bei jedem derartigen oder ähnlichen Mineral-Vorkommen auf eine gewöhnliche Pseudomorphose schliessen zu wollen. Da ich diesen Gegenstand im Verlaufe dieser Abhandlung einer näheren Betrachtung unterwerfen werde, so möge bier das Angedeutete genügen.

Wir gelangen nun zum eigentlichen Hauptpunkte der Blum’schen Theorie: die angeblich gleiche Form der Spreustein- und Eläolith-Krystalle. Der Eläolith krystallisirt bekanntlich in hexagonalen Säulen (mit 6 Winkeln

von 1) Hausmann, üb. d. Zirkonsyenit, S. 16.

e

von 120°), an welchen eine gerad angesetzte (horizontale) Endfläche auftritt. Weon Blum meint, dass der Spreustein Krystalle von der nämlichen Form bildet, so stimmen seine Beobachtungen mit den meinigen durchaus nicht überein. An den verschiedenen mir zu Disposition stehenden Spreustein-Exemplaren beobachtete ich Folgendes.

1. Ein Krystallbruchstück (etwa į Zoll lang und breit), an welchem drei Flächen, ähnlich den Flächen eines stumpfen Rhomboëders, zusammenstossen. Zwei derselben (a und a') sind sehr scharf ausgebildet und so eben und glatt, dass sie einen schwachen Glanz besitzen. Durch Messung mittelst des Anlege-Goniometers wurde ihre Neigung = 136° gefunden. Um diese Flächen mit dem ReflexionsGoniometer messen zu können, bediente ich mich des von G. Rose') bei der krystallographischen Bestimmung von Serpentinkrystallen angewendeten Verfabrens, und versah beide Flächen mit einem Lack - Ueberzuge ?). Auf diese Weise ergab sich die Neigung derselben im Durchschnitt von einigen Versuchen zu 1364". Die erwähnte dritte Fläche (6) ist grossentheils beschädigt und auch ihr unbeschädigter Theil nicht ganz scharf ausgebildet. Ihre Neigung gegen eine der beiden Flächen a und a' konnte daher nicht näher bestimmt werden, als zwischen den Gränzwerthen 125° und 130° liegend.

2. Eine an beiden Enden abgebrochene sechsseitige Säule (14 Zoll lang und 1 Zoll dick), an welcher vier Längskanten scharf ausgebildet und freiliegend, die beiden anderen aber — theils durch Verwachsung mit Feldspath und einem kleineren Spreusteinkrystall, theils durch Beschädigung. – nicht zu beobachten sind. Von jenen vier Längs

1) Pogg. Ann. Bd. 82, S. 511. 2) Bei Krystallen mit glanzlosen aber hinreichend ebenen Flächen, und

bei Anwendung eines möglichst durchsichtigen Lackes braucht man nicht wegen der leicht eintretenden oberflächlichen Unebenheit dieses Veberzuges besorgt zu seyn; denn es ist die untere Fläche desselben, welche das Spiegelbild giebt., Poggendorff's Anpal. Bd, LXXXIX. . . . 3

kanten bildet eine einen Winkel von annährend 125°, eine links benachbarte einen Winkel von ungefähr 118° und zwei rechts benachbarte ebenfalls Winkel von 1189. Auf eine dieser letzteren Kanten, und zwar auf die der Kante von 1259 zunächst liegende, ist eine schiefe Endfläche aufgesetzt, welche sich aber wegen starker Streifung nicht messen lässt. Auch jener zuvor erwähnte kleinere Spreusteinkrystall, welcher mit dem eben beschriebenen grossen verwachsen, grösstentheils aber weggebrochen ist, zeigt zu starke Längsstreifung, als dass sich ein Säulenwinkel an ihm bestimmen liesse. Doch konnte – durch vergleichendes Visiren — so viel ermittelt werden, dass eine, auf eine der Längskanten gerade aufgesetzte Zuspitzungsfläche anscheinend denselben Winkel mit dieser Längskante macht, welchen die Fläche b mit der Kante zwischen a und a' bildet. .

3. Vier an beiden Enden abgebrochene sechsseitige Säulen (1 Zoll lang, Zoll dick; 14 Zoll laug, Zoll dick;

Zoll lang, Zoll dick; į Zoll lang, Zoll dick) in Feldspath sitzend, und je zwei und zwei davon divergirend mit einander verwachsen. Diejenigen Längskanten dieser Säulen, welche freiliegend und in binreichender Schärfe vorbanden waren, zeigten folgende Winkel. An dem ersten Krystall eine Längskante von 136o. Eine benachbarte Prismenfläche eignete sich wegen starker Längsstreifung nicht zur Messnug. An dem zweiten Krystall wurde ein Winkel von 125° und ein anderer von 118° beobachtet; doch, wegen Schmalheit der einen und Unebenheit der anderen Fläche, nur approximativ. Am dritten Krystall war nur ein Winkel = 136° messbar, und am vierten keiner.

4. Ein Krystallbruchstück (1 Zoll lang und 1 Zoll breit), woran zwei Prismenwinkel zu beobachten, einer von 118° und ein benachbarter von 125°. Letzterer weniger deutlich.

5. Zwei Krystallfragmente (eins von Zoll makrodiagonalem und Zoll brachydiagonalem Durchmesser, das zweite von geringerer Dicke) in Feldspath eingewachsen. An ersterem befinden sich zwei gegenüberliegende Prismen

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