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Andere Abweichungen finden sich bei der Vergleichung der Stromeswirkungen von verschieden langen und dicken Muskeln. Die Kraft der elektromotorischen Oberfläche hängt ihrer Grösse nach nicht ab von der Zahl der vereinigten Elementarabtheilungen; der Theorie nach muss sie deshalb an grossen und kleinen Muskeln immer dieselbe seyn. Beim Versuche hat du Bois-Reymond dagegen an längeren und an dickeren Muskeln eine grössere elektromotorische Kraft gefunden, was wahrscheinlich durch dieselben Umstände bedingt seyn wird, welche die schwachen Ströme des Längsschnitts für sich, und des Querschnitts für sich hervorbringen.

II. Ueber die Temperaturveränderungen, welche ein galvanischer Strom beim Durchgange durch die Berührungsfläche zweier heterogenen Metalle hervorbringt; von Dr. von Quintus Icilius

in Göttingen.

Dei der Untersuchung der Erwärmung von Metalldrähten durch hindurchgehende galvanische Ströme hat Peltier bekanntlich gefunden, dass ein solcher Strom an der Berührungsfläche zweier heterogenen Metalle je nach der Richtung, in welcher er durch dieselbe geht, bald eine Erwärmung bald eine Abkühlung bervorruft. Seine Versuche sind von Moser wiederholt worden, welcher dabei im Allgemeinen dasselbe Resultat wie Peltier fand. Beide haben sich aber damit begnügt, das Factum zu constatiren, und für verschiedene Metalle zu ermitteln, bei welcher Stromrichtung die Temperatur wächst, bei welcher sie sinkt, wobei jedoch in Bezug auf Wismuth und Antimon ihre Avgaben gerade entgegengesetzt sind “). Die zweckmä1) Dove und Moser, Reperlorium der Physik, Bd. 1, S. 334.

[sigste Methode, deren sie sich bei diesen Versuchen bedienten, bestand darin, dass zwei Stäbe aus den beiden zu prüfenden Metallen kreuzweise über einander gelöthet, und zuerst zwei ungleiche Arme dieses Kreuzes mit einer galvanischen Säule, dann die beiden andern mit einem Galvanometer leitend verbunden wurden, wo dann die durch den Strom hervorgebrachte Temperaturänderung der Löthstelle einen thermo - elektrischen Stroin hervorbrachte, der durch das Galvanometer gemessen wurde.

Diese Anordnung gewährt allerdings den Vortheil, dass nur eine Berührungsstelle der beiden Metalle den beiden in sich geschlossenen Leitungen gemeinschaftlich ist, worin einerseits der galvanische, andererseits der thermo-elektrische Strom circulirt. Sie ist daher besonders geeignet, das Qualitative der Erscheinung sichtbar zu machen. Wenn es sich aber um Messungen der Wirkungen handelt, so ist es zweckmässig, diese durch Multiplication zu verstärken, indem man sowohl den galvanischen Strom durch mehrere Berührungsflächen der beiden Metalle gehen lässt, als auch diese sämmtlich zur Verstärkung des thermo-elektrischen Stroms mit dem Galvanometer verbindet. Löthet man mehrere Stücke der beiden Metalle abwechselnd an einander, so wird ein durch das Ganze gehender galvanischer Strom an der ersten, dritten, u. s. w. Berührungsstelle vom Metall A zum Metall B, an der zweiten, vierten, u. s. f. vom Metall B zum Metall A gehen, also an den abwechselnden Löthstellen entgegengesetzte Temperaturänderungen hervorbringen. Wird alsdann dieses System mit einem Galvanometer verbunden, so werden die ungleichen Temperaturen der abwechselnden Löthstellen einen verstärkten thermo - elektrischen Strom hervorbringen können. Zu solchen Versuchen eignet sich daher eine gewöhnliche Thermosäule aus Antimon und Wismuth. Da es hierbei nur auf die Temperaturdifferenzen der Löthstellen ankommt, so wird man auf diese Weise unabhängig von der Erwärmung der Metalle an sich, welches bei der Anordnung von Peltier nicht der Fall ist, weshalb auch dieser sowohl wie Moser die Erscheinung nur bei Anwendung von schwachen galvanischen Strömen wahrnehmen konnte, auf welche sie aber durchaus nicht beschränkt ist.

Bei den Versuchen, welche ich über diesen Gegenstand angestellt habe, bediente ich mich einer Thermokette aus 32 Paaren von Antimon- und Wismuthstäben, die durch einen Commutator entweder mit den Leitungsdrähten einer Hydrokette oder mit den Multiplicatordrähten eines Galvanometers verbunden werden konnte. Die Einrichtung dieses Commutators, den ich den Commutator 2 nennen werde, war folgende. In ein Brett waren längs zwei seiner parallelen Seiten je drei Vertiefungen gemacht, in deren jeder ein Kupferdraht befestigt war, welcher durch eine Messingklammer mit einem der verschiedenen Leitungsdrähte verbunden wurde, und zwar die beiden mittleren mit den Enddrähten der Thermokette, die zwei östlichen mit der Hydrokette, und die zwei westlichen mit den Enden des Multiplicatordrahtes; die Vertiefungen waren init Quecksilber gefüllt. Um die Verbindungen herzustellen dienten zwei Kupferstücke je mit drei Armen, die in ihrer Mitte an ein Glasstäbchen einander parallel, und so weit aus einander gekittet waren, als die beiden Reihen der Vertiefungen von einander abstanden. Die mittlere Arme tauchten in die mittlere Vertiefungen, die äussere Arme waren aber so gestellt, dass entweder nur die östlichen oder nur die westlichen gleichzeitig in die entsprechenden Vertiefungen tauchten; die mittleren Vertiefungen und dadurch die Enden der Thermokette waren im ersten Falle mit den Leitungsdrähten der Hydrokette, im letztern mit den Enden des Multiplicatordrahtes leitend verbunden. Zwischen der Hydrokette und diesemn Commutator war noch 1) ein gewöhnlicher Commutator, der Cominutator 1 heifsen soll, zur Umkehrung der Stromrichtung, und 2) eine Tangentenbussole eingeschaltet. Letztere bestand aus einem vertical und dem magnetischen Meridian parallel stehenden kreisförmigen Rahmen, um welchen der Leitungsdraht in 18 Windungen gewunden war, und in dessen

Mitte eine kleine in Grade getheilte Bussole stand. Uin eine zweckmässige Stroinstärke zu erhalten, wurden ausserdem noch verschiedene Drähte eingeschaltet. Als Hydrokette diente ein Kohlenzinkbecher. Das Galvanometer, mit welchem der thermo-elektrische Strom gemessen wurde, ist unit einem Spiegel versehen, in welchem durch ein Fernrobr eine Scale beobachtet wird, ganz wie beim Magnetoineter; der Magnet ist eine Stahlscheibe, die an einen Coconfaden in einer massiven Kupferhülse hängt, um welche der Multiplicatordraht gewunden ist. Letzterer besteht aus zwei Theilen, die, nebeneinander aufgewunden, sowobl nebeneinander zu einem kürzern dickern, als hintereinander zu einem längern dünnern Drahte verbunden werden können. Die Schwingungsdauer des Magnets beträgt 9",13. Die Beobachtungen wurden in der Weise angestellt, dass zuerst der Ruhestand aus vier um 9 Sekunden auseinanderliegenden Ablesungen bestiinint wurde, während der Commutator 2 ganz geöffnet war; dann wurde dieser bei einem bestimmten Sekundenschlag einer Pendeluhr östlich geschlossen und der Stand der Tangentenbussole abgelesen; darauf bei einem zweiten bestiminten Sekundenschlage wurde der westliche Schluss so rasch als möglich hergestellt, und nun sechs Elongationen der Nadel beobachtet. Nach Verlauf der hierzu erforderlichen Zeit, etwa 54" nach dem westlichen Schlusse, war der thermo-elektrische Strom, wie sich bald aus den Beobachtungen ergab, schon so schwach geworden, dass weitere Beobachtungen keinen Nutzen mehr hatten. Es wurde daher der Commutator 2 dann geöffnet, die Galvanometernadel durch einen Magnet beruhigt, und nun eine folgende gleiche Beobachtungsreihe daran geschlossen. Die Zeit, welche zur Berubigung der Nadel so wie zur Beobachtung des Standes derselben vor dem folgenden Schlusse des Commutators 2 erforderlich war, reichte, wie die Beobachtungen zeigen, vollkommen bin, damit die Temperaturungleichheit der Löthstellen vor dem folgenden Versuche wieder verschwinden konnte. Um jedoch einen möglichen kleinen Rückstand gänzlich unschäd. lich zu machen, wurden die Reihen so combinirt, dass iminer je zwei auf einander folgende bei der einen Stellung des Commutators 1, die darauf folgenden zwei bei der entge gengesetzten, die zwei folgenden wieder bei der ersten u. s. f. gemacht wurden, und zugleich wurde die Vorsicht beobachtet, die einzelnen Reihen immer um genau gleiche Zeiten von einander abstehen zu lassen. Wenn dann nämlich nach der ersten Reihe noch ein kleiner Rückstand blieb, und dieser die Wirkung des zweiten gleichnamigen Schlusses verstärkte, so musste der nach diesem bleibende Rückstand die Wirkung des dritten entgegengesetzten Schlusses schwächen, die Wirkung des vierten dagegen musste wieder verstärkt werden u. s. f., so dass in Mittel aus mehreren Reihen ein solcher jedenfalls nur sehr geringer Einfluss sich eliininirte.

Schwieriger war es, eine andere Störung der Versuche zu vermeiden. Es reichte nämlich schon eine geringe Temperaturdifferenz der Löthstellen der Thermokette hin, die Galvanometernadel aus ihrer Ruhelage abzulenken. Selbst als die Thermokette durch mehrere übereinandergesetzte Kasten verschlossen war, die nur Oeffnungen für die beiden Leitungsdrähte besassen, zeigte sich, wenn diese letztern mit den Multiplicatordrähten verbunden wurden, fast stets eine Ablenkung um mehrere Scaleotheile, die freilich während einer längern Zeit sich meist ziemlich constant erhielt. Wahrscheinlich rührte diese davon her, dass die verschiedenen Seiten der die Thermosäule umschliessenden Kasten kleine Temperaturunterschiede in Folge einer unsymmetrischen Stellung gegen die Zimmerwände, die Fenster, den Beobachter u. A. besassen. Erst nachdem innerhalb des äusseren Kastens aus Holz ein Metallmörser über die übrigen Kasten gestülpt war, verschwand diese Ungleichheit, obwohl sie selbst dann noch zuweilen, aber nur selten und sehr geschwächt bemerklich gemacht werden konnte, wenn zwischen der Thermokette und dem Galvanometer ein dritter, gewöhnlicher, Commutator eingeschaltet, und die Stellung dieses von 9 zu 9 Sekunden gewech

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