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· Die Möglichkeit in der oben angegebenen Weise aus einer eingeschlossenen Luftmasse durch Consumtion eines mechanischen Effectes eine unbegränzte Wärmemenge erzeugen zu können, muss sich aber, ausser auf luftförmige Körper, auch auf Flüssigkeiten und feste Massen erstrecken; denn wenn man imn Stande wäre, einen festen oder flüssigen Körper mittelst eines äusseren Impulses, z. B. durch einen Hammer, um eine geringe Grösse zu comprimiren, daun aber, im Augenblicke der grössten Zusammendrückung, in welchem die Geschwindigkeit der aufeinander wirkenden Theile nahe gleich Null ist, den Hammer plötzlich entfernte, so dass diesem kein Bewegungsmoment durch die nun erfolgende Wiederausdehnung des comprimirten Körpers initgetheilt werden könnte, die dem letzteren von Aufsen mitgetheilte lebendige Kraft daher in dem Körper eingeschlossen bliebe, so müsste sie sich hier in Wärme verwandeln, da nicht einzusehen ist, weshalb das Resultat, welches wir bei den Gåsen erkannt haben, dass die Temperatur der Körper bei beliebiger Volumveränderung dieselbe bleibt, so bald keine mechanische Arbeit von ihnen hiebei geleistet oder consumirt worden, nicht auch auf feste und flüssige Körper gehen sollte, zumal da uns im entgegengesetzten Falle, nur die Folgerung, dass bei einem solchen Vorgange, wie bei dem Hämmern einer unelastischen Masse, oder einer elastischen Masse unter den oben angegebenen Bedingungen, ein Quantum lebendiger Kraft absolut verschwinden müsste, übrig bleiben würde.

Bei dem Hämmern von Eisen oder kaltem Metalle überhaupt ist es bekannt genug, welche grosse Wärmemenge auf diese Weise erzeugt werden kann; man hat diess gewöhulich dem Mangel an Elasticität der betreffenden Körper und einer bleibenden Formveränderung derselben, dic allerdings im Allgemeinen immer stattfindet, zugeschrieben; allein die obige Betrachtungsweise zeigt, dass auch bei völliger Elasticität und dem Mangel jeglicher bleibender Gestaltveränderung Wärmeentwickelung stattfinden könne. Unter

Poggendorffs Annal. Bd. LXXXIX.

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vollkommner Elasticität eines Körpers darf jedenfalls nur das vollständige Zurückgehen aller Theile in ihre ursprüngliche Lage, nicht aber, was man auch hiemit häufig vereinigt denken zu müssen glaubt, das Hervorbringen desselben mechanischen Effectes bei ihrem Zurückgange in den natürlichen Zustand, als bei ihrer ersten Ausweichung consumirt worden, verstanden werden; vielmehr können beide Quantitäten, wie wir es bei den Gasen erkannt haben, sehr verschieden seyn. Die Reibung fester und flüssiger Körper ist nichts Anderes als eine Reihe häufig wiederholter sehr racher Compressionen und der darauf folgenden Dilatationen der Körper, indem der äussere Iinpuls, welcher jede einzelne Compression verursacht, an den betreffenden Theilen aufhört und von ihnen zurückweicht, ehe sie Zeit gehabt haben, in ihre ursprüngliche Lage zurück zu gehen. Gerade wie es bei demn raschen Hämmern kalter Metalle der Fall ist, geschieht jede Dilatation im Allgemeinen unter Leistung eines geringeren mechanischen Effectes, als durch die ursprüngliche Ablenkung der materiellen Theile aus ibrer natürlichen Lage mittelst des äusseren Impulses consumirt wurde; daher die Wärmeentwickelung bier als ganz in derselben Weise erfolgend betrachtet werden kann, als bei dem oben angeführten Versuche, in welchem die Luft in einem Cylinder wiederholt zusaminengepresst und nach Hinwegnahme des äusseren Druckes ihrer freien Ausdehnung überlassen wurde. Denn durch die von Joule angestellten Reibungsversuche mit flüssigen Körpern ist es ganz festgestellt, dass auch aus flüssigen Körpern, wo also von keiner bleibenden Formveränderung durch Zusammmendrückung die Rede seyn kann, Wärme entwickelt wird, und dass die Quantität der so entwickelten Wärme allemal durch die Grösse des zur Reibung verwandten mechanischen Effectes gemessen wird. Die Wärmeentwickelung durch Reibung oder äussere kräftige Impulse aus Flüssigkeiten oder vollkommen elastischen festen Körpern ist aber durchaus unerklärlich, wenn nicht von dem Principe ausgegangen wird, dass hier die Rückkehr der Molecule zu ihrer

Gleichgewichtslage unter anderen äusseren Bedingungen, d. h. unter einem geringeren äusseren Drucke und mithin unter Hervorbringung einer geringeren mechanischen Arbeit, als bei ihrer ursprünglichen Ablenkung aus der Gleichgewichtslage consumirt wurde, geschieht.

Ich glaube schliesslich, obwohl wir hier schon in das Gebiet der Hypothesen kommen, und nicht mehr wie bisher durch das Vorhandenseyn sicherer Experimente geleitet werden, darauf hinweisen zu dürfen, dass ganz analog mit der Reibung, die Entwickelung der Wärme aus festen und flüssigen Körpern, wenn sie von wiederholten Impulsen feiner elastischer Medien, d. h. Wellen, getroffen werden, die strahlende Wärme, aus einer ähulichen Absorption der lebendigen Kraft des äusseren Impulses, sich erklären liesse. Ueberall, wo die Schwingungen des Aethers, von denen die dem Auge empfindlichen wahrscheinlich nur einen kleinen Theil ausmachen, auf Körper treffen, ohne dass vollständige Reflexion oder vollständige Transmission stattfindet, muss der Verlust ihrer lebendigen Kraft in den betreffenden Körpern als eine entsprechende Quantität von Wärme nachweisbar seyn; und es würde also zur Erklärung der Erscheinungen der strahlenden Wärme keine Hypothese besonderer Wärmestrahlen, noch eines Systemes von Strahlen verschiedener Brechbarkeit als die uns schon bekannten, erforderlich seyn. Die Bedingungen, unter welchen eine solche unvollständige Reflexion und Fortpflanzung wellenförmiger Impulse stattfindet, können sowohl in der inolekularen Beschaffenheit der Körper, als auch in der Natur der Schwingungen selbst des Aethers und namentlich in der Richtung, nach welcher dieselben polarisirt sind, gesucht werden; in allen Fällen kann aber ein Verschwinden der lebendigen Kraft der Schwingungen, wenn diese auf andere Medien treffen, nur dadurch ermöglicht werden, dass die Compressionen, welche diese erleiden, unter anderen äusseren Bedingungen, d. h. unter einem anderen Drucke des schwingenden Mediums, erfolgen als dic Dilationen, und daher einen Unterschied in den verbrauchten und wieder erzeugten mechanischen Leistungen verur , sachen.

Dresden im Juni 1853.

VII. Ueber einige Erscheinungen an Flüssigkeiten,

die um eine verticale Axe rotiren;

con Prof. Reusch in. Tübingen.

1. Die freie Oberfläche einer schweren um eine verticale Axe rotirenden Flüssigkeit höhlt sich bekanntlich nach einem Uındrehungsparaboloide. Stellt man den Versuch mit Wasser an, so ist bei Beginn des Drehens die Oberfläche wenig regelmässig; wendet man dagegen Oel oder Schwefelsäure an, so nimmt die ganze Masse viel rascher an der Drehung Theil und man sieht die Form der Oberfläche schnell allen stetigen Aenderungen der Drehungsgeschwindigkeit folgen.

Bei Gelegenheit von Versuchen mit Wasser bemerkte ich häufig eine eigenthümliche Erscheinung: war nämlich an der Wasseroberfläche eine Luftblase vorhanden, die sich vor dein Drehen aus bekannten Gründen an der Gefässwand aufhielt, so kam diese beiin Dreben allmählig in Spiralwindungen an der convexen Fläche des Paraboloids herab, um sich in stabiler Gleichgewichtslage unter dem Gipfel desselben aufzustellen. Diese Erscheinung gehört offenbar zu den Capillaritätsphänomenen und erklärt sich dadurch, dass die Luftblase in der Richtung eines Meridians an den entgegengesetzten Stellen ungleiche Pressungen erfährt und zwar in der Art, dass sie von den schwächer gekrümmten Parthien zu den stärker gekrümmten hingetrieben wird. (s. d. Physik von Lamé Ire édit. nro. 139 sqq.) Aus gleichem Grunde kommt eine benetzte kleine runde Korkscheibe

unter dem Scheitel in stabile Rotation. Oeltropfen in Wasser zeigen dieselbe Erscheinung. Greift man mit einer Stricknadel in die Fläche der rotirenden Flüssigkeit und begünstigt biedurch die Aufnahme von Luft, so gelingt es Luftblasen von einem Centimeter und mebr Durchmesser einige Zeit unter dem Scheitel des Paraboloids zu erhalten.

2. Giefst man in den auf der Schwungmaschine centrirten Glascylinder zuerst Oel und dann eine Schicht Alkohol von einigen Centimetern Höhe, so höhlt sich schon bei langsainein Drehen das Oel sehr merklich, während die Oberfläche des Alkohols beinahe eben bleibt. Hält man nach längerem Drehen rasch an, so verschwindet allmälig die Höhlung des Oels und geht durch die Ebene hindurch in eine Wölbung über, welche sofort ebenfalls verschwindet. Man bemerkt biebei au Luftbläschen und Unreinigkeiten die in den Flüssigkeiten schweben, dass der Alkohol noch zu rotiren fortfährt, nachdem das Oel schon zur Ruhe gekommen ist.

Giesst man dagegen Oel auf Wasser im Glascylinder und beginnt langsam zu drehen, so höhlt sich rasch die freie Oberfläche des Oels, während gleichzeitig die Trennungsfläche von Wasser und Oel sich nach oben wölbt. Die biconcave Dellinse reisst bei fortgesetztem Drehen in der Mitte und giebt Veranlassung zur Bildung eines vielzackigen Sterns, dessen Spitzen im Sinne der Rotation gerichtet sind. Von da ab gestaltet sich die Erscheinung je nach den Umnständen verschieden; entweder bildet das Oel eine obere Zone, oder kommt zum Theil zum Scheitel herab, um dort eine paraboloidische Schaale zu bilden, von welcher häufig eine centrale Parthie tief ins Wasser hinabsteigt; oder es bilden sich mehrere Zonen. Gewöhnlich gelingt es erst nach inebrfachem raschen Anbalten und sofortigem Weiterdrehen, eine gleichmässige Oelschicht über das Wasser zu verbreiten, wo dann endlich die Oberfläche des Oels congruent wird init der Trennungsfläche der beiden Flüssigkeiten.

Diese Erscheinungen erklären sich der Hauptsache nach

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