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2) Fällungen vermittelst des gewöhnlichen Borax.

Es wurden ebenfalls gegen ein Atomgewicht des krystallisirten Eisenoxyd - Ammoniak - Alauns NHS + Fe S3 +244 11 ein Ueberschuss, 4 Atongewichte, des gewöhnlichen Borax angewandt. Jedes der Salze war wie bei der Fällung 1) vorher in 12 Theilen kalten Wassers gelöst worden. Die Lösungen wurden kalt init einander vermischt. Die vom voluminösen hellbraunen Niederschlag getrennte Flüssigkeit enthielt auch in diesem Falle kein Eisenoxyd aufgelöst.

Ohne ausgewaschen zu werden, wurde nach dem Filtriren ein Theil der Fällung zwischen Fliesspapier gepresst. Sie hatte bei 100° getrocknet eine dunkelbraune Farbe und folgende Zusammensetzung:

Berechnele Zu

Sauerst. At. sammensetzung. Eisenoxyd 47,88 14,35

48,47 Borsäure 32,68 22,47

31,68 Schwefelsäure 1,52 0,91

1,51 Wasser 12,89 11,46 10 13,62 Natron

5,03 1,291 4,72 100,00

100,00. Die geringe Menge der Schwefelsäure ist unstreitig mit Ammoniak verbunden in Niederschlag gemengt enthalten. Die Zusammensetzung desselben ist daher wesentlich 4(FeB+)+(Na B? +58). Hiernach müsste sie 1 Atom weniger Wasser enthalten als die Analyse angiebt, und in der That zeigt auch das berechnete Resultat mehr Wasser, als durch die Analyse gefunden wurde.

Man sieht, dass die Verbindung vollkommen der analog ist, welche durch neutralen Borax erzeugt worden ist, pur dass letztere neutralen Borax, die andere zweifach-borsaures Natron enthielt, aber von beiden Arten des borsauren Natrons ist in den Fällungen 1 Atom desselben mit 4 Atomen des borsauren Eisenoxyds FeB+ it verbunden.

Auch in den durch gewöhnlichen Borax entstandenen Niederschlag kann das borsaure Alkali nebst vieler Bor

säure

säure durch blosses Waschen mit kaltem Wasser gänzlich entfernt werden. Obgleich die Fällung sehr voluminös ist, so erfordert das Auswaschen weniger Zeit und weniger Wasser, als ähnliche Niederschläge borsaurer Salze. Anfangs ging auch hier das Waschwasser trübe durchs Filtrum, nach kurzer Zeit aber war es farblos, und enthielt dann kein Eisenoxyd. Das Auswaschen wurde so lange fortgesetzt, bis das Waschwasser keine Schwefelsäure mehr enthielt, und keinen Rückstand beim Abdampfen hinterliefs. Dann war der ausgewaschene Niederschlag frei von Schwefelsäure und Natron, und hatte bei 100° getrocknet, folgende Zusammensetzung.

Berechnete Zu

Sauerstoff. At. sammensetzung. Eisenoxyd. 86,07 25,80 9

86,15 Borsäure 4,28

2,94

1 4,17 Wasser 9,65 8,58

9,68 100,00

100,00. Die Zusammensetzung der ausgewaschenen Fällung ist daher (FeB +1)+81 Fe. Es wird also der durch zweifach-borsaures Natron entstandenen Fällung durchs Auswaschen mit kaltem Wasser mehr Borsäure entzogen, als der durch neutralen Borax hervorgebrachten, was allerdings auffallend erscheinen muss.

(Fortsetzung folgt.)

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IX. Ueber einen neuen Eisensinter con Obergrund

bei Zuckmantel; von E. F. Glocker.

Bei dem Dorfe Obergrund unweit Zuckmantel im östereichischen Antheile von Schlesien befindet sich bekanntlich ein uralter Gold- und Silberbergbau, welchen man in neuern Zeiten wieder in Aufnahme zu bringen versucht hat. Es ist davon noch ein sehr grosser und tiefer Stollen vorhanden, welcher der Hackelsberger Stollen genannt wird, weil sein Mundloch am Abhange des Hackelsberg oder Querbergs angelegt ist. Ein Theil dieses mit seinen Nebenausläufern und damit verbundenen Schächten sehr weitläufigen und umfangreichen Stollens ist verschüttet und die gegenwärtig zugänglichen Stellen desselben haben nur mühsam durch Wegräumung des Schuttes und durch Ableitung des Wassers, welches sehr hoch darin stand, im Jahre 1846 dem Zutritte geöffnet werden können, was das Verdienst des Hrn. Schichtuneisters Höniger ist.

Nahe vor dem Mundloche des Stollens sind zwei künstliche Teiche gegraben, in welche das aus demselben herausfliessende Wasser geleitet wird. Dieses setzt einen gelben feinerdigen Ocher ab, welcher aus wasserhaltigem basisch-schwefelsaurem Eisenoxyd besteht. Durch den ganzen Stollen hindurch fliesst dieses Wasser und setzt auch innerhalb desselben nicht allein überall den gelben Ocher ab, sondern giebt auch Veranlassung zur Bildung eines ausgezeichneten Eisensinters. Bei meinem Besuche der Grube war das Wasser in- und ausserhalb des Stollens rein und klar, aber überall der Bodensatz desselben ochergelb. Der aus den oben erwähnten Teichen gesammelte Ocher wird, wenn er getrocknet ist, ebensowohl in seinein unveränderten als auch im gebrannten Zustande, in welchem letztern er (nach dem Verluste des Wassers) eine lichte bräunlichrothe, ans Ziegelrothe gränzende Farbe annimmt, als Malerfarbe gebraucht.

Je tiefer man im Innern des Stollens vordringt, desto mehr begegnet man dem Absatze von Eisensinter aus dem an den Wänden und von der Firste herabtröpfelnden Wasser. Sowohl auf der Sohle, also von unten nach oben, als an den Felswänden und an der Firste, von oben nach unten, erfolgt diese Bildung. Der erste Absatz geschieht in Form eines krustenartigen Ueberzugs auf dem anstehenden Thonschiefer und Quarzschiefer, ebenso wie auch auf dem angebrochenen Erz, welches hauptsächlich aus feinkörnigem silberhaltigem Bleiglanz und brauner Zinkblende besteht, häufig untermengt mit Schwefelkies und Kupferkies. Indem eine Lage sich über der andern absetzt, wird der Ueberzug immer stärker und erhält eine dünnschalige und meistens zugleich krummschalige Absonderung. Nach und nach zeigen sich an einzelnen Punkten der Oberfläche, auf welche das herabtröpfelnde Wasser unmittelbar trifft, oder wo es sich am meisten ansammelt, kleine convexe Erhöhungen, und diese geben weiterhin in kurze kegelförmige Zapfen über, welche mit zunehmender Tiefe des Stollens immer grösser werden. Die grössten Zapfen dieser Art fand ich an einer etwas erhöht gelegenen abschüssigen Stelle, zu welcher man seitwärts von dem Hauptgange des Stollens nur auf einer kurzen Fabrt hinaufgelangen kann, weil der Abhang zu steil und dabei nafs und schlüpfrig ist, desgleichen auch noch in zwei anderen, auf ähnliche Weise backofenartig seitwärts vom Stollen aus in das Gestein sich hinein und schief hinauf ziehenden niedrigen Räumen, welche durch Abbau entstanden sind. Diese Zapfen hängen theils stalaktitisch von der Firste oder von den obersten hervorragenden Felswänden herab, theils sitzen sie auf dem geneigten Boden der erwähnten Räume als sogenannte Stdlagmiten in senkrechter Stellung auf. Diese letzteren sind die grössten, und ich war nicht wenig überrascht, eine grosse Anzahl solcher Stalagmiten von 1 bis sogar über 2 Fufs Höhe und an der Basis von 3 bis 4 Zoll Breite senkrecht neben einander dastehen zu sehen. Man staunt, wenn man in diesen Wald von Stalagmiten eintritt, worin Exemplare

von allen Grössen mit cinander abwechseln, Riesenexemplare über eine Menge kleiner hervorragen. Da aber auch ebenso viele Stalaktiten, gleichfalls von der verschiedensten Grösse, von oben herabhängen, so glaubt man sich in eine

Tropfsteinhöhle versetzt, nur mit dem Unterschiede, dass statt des Kalksinters die Bildungen hier aus Eisensinter bestehen. Die Bergleute in Obergrund nennen die grossen Stalagmiten des Hackelsberger Stollens „Mannel,,; es wäre nicht zu verwundern, wenn sie sie für Berggeister hielten.

Die Stalaktiten und Stalagmiten des Hackelsberger Eisensinters bestehen aus krumm- und dünnschaligen, übereinander abgesetzten Lagen, und zeigen an der Oberfläche wellenförmige Erhabenheiten und Vertiefungen, welche dicsen schaligen Absonderungen entsprechen, so wie auch flache und breite zackige Hervorragungen. Die Bildung der schaligen Absonderungen erklärt sich aus der Entstehung des Eisensinters, indem sich dieser, wie schon bemerkt, aus dem in der ganzen Grube verbreiteten eisenhaltigen Wasser lagenweise absetzt. Das schwefelsaure Eisenoxyd, womit dieses Wasser imprägnirt ist, entsteht durch die Zersetzung des in der Grube in Menge vorhandenen Schwe. felkieses, welche Zersetzung durch die herrschende Feuchtigkeit ungemein begünstigt und beschleunigt wird. Die grossen Zapfen des Eisensinters sind, wenn man den sehr langsam erfolgenden Absatz aus dem Stollenwasser bedenkt, wahrscheinlich schon sehr alt und konnten nur in ganz abgelegenen ruhigen Räumen im Hintergrunde der Grube gedeihen, zu welchen der Zutritt lange Zeit verschlossen war; von den dünneren Krusten und kleinen Stalaktiten dagegen ist ein grosser Theil ganz neuer Bildung, und diese Bildung geht noch immer fort.

Zwischen den am meisten in die Augen fallenden langen und sich inehr oder weniger zuspitzenden Stalaktiten und Stalagmiten von schlankem Habitus befinden sich auch viele niedrige, verhältnissmässig dicke, welche an ihrem freien Ende wie abgestutzt erscheinen. Besonders giebt es viele Stalagmiten von dieser letztern Form, welche an

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