Page images
PDF
EPUB

ist nicht richtig. Beide Körper haben ganz dieselbe Zusammensetzung:

2) Der flüssige Theil der aus dem Rindstalg durch Verseifung dargestellten fetten Säure besteht wesentlich aus Oelsäure (C36 #33 03 +HO), enthält aber noch eine geringe Menge einer anderen Säure, die ein niedrigeres Atomgewicht besitzt, als die Oelsäure.

3) Der feste Theil der aus diesem Fett gewonnenen fetten Säuren besteht wesentlich aus zwei Säuren, der Stearinsäure (C36 H35 03 +1) und der Palmitinsäure (C3 2 3 1 0 +).

4) Das palmitinsaure Natron besteht aus C32 #3 103 Na. 5) Die palmitinsaure Magnesia aus C32 #31 03 Mg. 6) Die palmitinsaure Baryterde aus C3 2 3 1 03 Ba. 7) Das palmitinsaure Bleioxyd aus C3 2 H3 103 Ph. 8) Das palmitinsaure Kupferoxyd aus C3 2 3 1 0 3 Cu. 9) Das palmitinsaure Silberoxyd aus C32 #31 Ag.

10) Die Zusammensetzung des palmitinsauren Aethyloxyds (des Palunitinsäureäthers) endlich kann durch die Formel C32 3103 +C4#5 O ausgedrückt werden.

VI. Beiträge zur Aërographie; von Dr. Friedmann in München.

Der Reisende zu Lande wird auch in einförmiger Gegend durch eine Mannichfaltigkeit von Gegenständen leicht in steter Aufmerksamkeit erhalten. Denn die organische und unorganische Natur, die Gestaltung des Landes, der Mensch, seine industriellen und technischen Erzeugnisse bieten einem Jeden, je nach der Sphäre seines Wirkungskreises und der ihn beschäftigenden Ideen, hinlängliche geistige Beschäftigung. Anders der Reisende zur See. Die bläulich - grüne Meeresscheibe, deren melancholische Regelmässigkeit nur durch die zu scbäumenden Hügeln gethürmten Wogen unterbrochen wird, ist der monotone Anblick, der ihn des Morgens begrüsst, den er des Abends verlässt, und in dieser unvergleichlichen Einöde späht er umher, ob nicht ein Gegenstand ihn fesseln und Genuss bieten könne. Und er findet ibn ausser den in ewigen Baboen kreisenden Himmelskörpern auch auf der Erde in dem Zuge der Wolken, in dem Wehen des Windes, in dem auf- und abwogenden Luftmeer, in der abwechselnden Färbung und Durchsichtigkeit des über dem Flüssigen ausgegossenen Dunstkreises. Auf dem Meere ist der Ort für meteorologische Beobachtungen, der Reisende ist darauf angewiesen, aufwärts muss sein Blick gerichtet seyn, denn die bewohnte Erde liegt weit ausser seinem Gesichtskreise. Man gewinnt dann lieb den bald ganz blauen, bald mit gestreiften oder geflockten Schaafwölkchen wie ein gestickter Teppich besetzten Himmel, dem bald darauf weisse oder graue Haufenwolken einen anderen Anblick verleihen, bis endlich zahllose Nebelbläschen die Aussicht in die Ferne benehmen und der Himmel sich in den grauen Mantel hüllt.

Aber nicht nur die Einsamkeit ladet zur Betrachtung der Himmelserscheinungen ein, sondern diese zeigen sich auch auf dem Ocean in einer grösseren Einfachheit als am Innern der Continente. Die Winde auf dem Meere sind beständiger, denn sie werden nicht durch Gebirgszüge und Hügel oder die aus lokalen Verhältnissen entspringenden Temperaturdifferenzen abgelenkt. Nur die allgemeinen tellurischen Verhältnisse walten in grosser Entfernung von den Küsten, und die Regen sind, einzelne durch Kämpfe der entgegengesetzten Luftströmungen entstandene Niederschläge abgerechnet, nur solche, die wir auf dem Continente Landregen nennen. Bei der Beschauung des Himmels und der mannichfaltigen Wolkengestalten aber fällt die Armuth der meteorologischen Terminologie auf, welche mit wenigen Benennungen die vielerlei Wolkenformen, wie sie sich in den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten, der verschiedenen Dunstgestaltung in den höheren und niederen Luftschichten und den verschiedenen Erdzonen darstellt. Die Terminologie, wie sie Howard vor beinahe einem halben Jahrhundert gegeben, ist noch jetzt die einzig gebräuchliche. Aber mich dünkt, dass die grossartigen, für das Studium so interessanten und für Jeden zu jeder Zeit zu. gänglichen Phänomene der Wolkengestaltung einer genaueren Classificirung um so mehr würdig sind, als man nach den wenigen Howard'schen Bezeichnungen unmöglich ein genaues und wiedererkennbares Bild von der Beschaffenheit des Luftgewölbes am Horizonte sowohl als am Zenith sich entwerfen kann. In der That herrscht in der Luftbeschreibung, Aërographie, grosse Willkühr, da noch keine bestimmte und allgemein angenommene Terminologie für einzelne Luftzustände vorhanden ist. Das meteorologische Institut des Königreichs Preussen bedient sich bekanntlich ausser den Howard'schen Wolkenbenennungen noch der Ziffern 0, 1, 2, 3 ... 10, wodurch die verschiedenen Grade der Bedeckung des Himmelgewölbes mit Wolken in den meteorologischen Berichten angedeutet werden sollen, indem unter () ein ganz reiner Himmel, unter 1 ein zum zehnten Theil bedeckter und unter 10 jene Luftbeschaffenheit verstanden wird, wo das helle Blau nirgends durch die graue oder bläuliche Wolkenschicht hervorschimmert. Aber abgesehen davon, dass die Eintheilung des ganzen Himmelsgewölbes in zehn gleiche Theile keine geringe Schwierigkeit bietet, dass bei jeder Observation dem Beobachter ein freier Horizont zu Gebote stehen muss, was in den seltensten Fällen sich trifft, ferner dass eine Uebereinstimmung verschiedener Beobachter hinsichtlich der Abschätzung des Himmelsgewölbes nicht leicht zu erzielen ist, und endlich todte Ziffern nicht wohl das lebendige bezeichnende Wort, zumal bei einem so anziehenden Gegenstand, ersetzen können, ist man auch bei dieser Nomenclatur und Zifferbezeichnung nicht im Stande sich den Zustand des Himmels deutlich vorzustellen, da man nicht entnehmen kann, ob der Himmel

Poggendorff's Annal. Bd. LXXXIX.

[ocr errors]

mit weissen oder grauen Haufenwolken, mit indigoblauen, weissen oder grauen Lagewolken bedeckt ist, von welcher Form die Federwolken“ șind, nach welcher Richtung hin ihr grösster Durchmesser fällt, und an welchem Theile des Himmels sich dieselben befinden. Diese Unterscheidungen sind aber wegen der grösseren oder geringeren Entfernung der Wolken von der Erdoberfläche, je pach ihrer Trübung, der verschiedenen ihre Bildung verursachenden Luftfeuchtigkeit und Luftströmung, von hoher Bedeutung.

Was den Cirrus anbelangt, so ist seine häufig durch Schönheit und Regelmässigkeit ausgezeichnete Gestalt so vielartig, dass die Unterscheidung dieser Formen durch eigene Epitheta für sich schon wünschenswerth erscheint, abgesehen davon, dass die Wolkengestalt auch von der Windrichtung in höheren Regionen und der Art des Zusammenstossens verschiedener Winde abhängig ist, und daber ein hohes wissenschaftliches Interesse bietet. Der Botaniker beschreibt durch die ihm zu Gebote stehende reichhaltige Nomenclatur jede Pflanze, selbst die blüthen- und geschlechtslosen, mit einer Genauigkeit, dass man die Species durch die Beschreibung sogleich erkennt und keine Verwechselung mit andern Arten möglich ist. Aber für die Wolken am Himmel, die gewiss schon der erste Mensch mit Staunen und Bewunderung betrachtete, und deren wechselnde Gestalten uns von der ewig thätigen Natur beständig, ohne dass wir das Auge zu bewaffnen haben und ohne irgend Vorkehrungen zu den anzustellenden Beobachtungen zu treffen, unterrichten, begnügt sich die Wissenschaft mit wenigen, nur die allgemeinsten Unterschiede der Formen bezeichnenden Benennungen. Man sollte durch allgemeine Uebereinkunft dahin zu gelangen trachten, dass einerseits zur Aufzeichnung in Journalen wenige Formen ziemlich genauen Aufschluss über den Zustand des Himmels im Allgemeinen gäben, andererseits in Fällen wo eine genaue Beschreibung der Himmelsdecke für nöthig erachtet wird, der Aërographie eine solche Terminologie zu Gebote stände, dass der Leser sich eine ziemlich genaue Vorstellung des beschriebenen

Himmels machen und ein Maler denselben darstellen könnte. Die Liebe zur Sache spornte mich schon längst an, einen Versuch zur Bildung einer solchen Terminologie zu machen, and obgleich sie noch sehr lückenhaft ist, so mag doch die mir dabei vorschwebende Idee vielleicht gut genannt werden, und ich gebe die Terminologie wie ich dieselbe in meinen Journalen bis jetzt gebrauchte, ihre Vervollständigung den Sachverständigen überlassend.

So wie wir beim Erwachen des Morgens uns nach dem Wetter erkundigend nicht fragen, wie viel Decimalen der Himmelsdecke mit Wolken bedeckt seyen, wobei wir auch nach genauer Beantwortung unserer Frage zu viel und zu wenig für unsern Zweck erfahren würden, sondern im Allgemeinen über die Beschaffenheit der Atmosphäre Aufschluss verlangen, so wird man auch bei der wissenschaftlichen Terminologie von dem allgemeinen Zustand des Himmels ausgehen müssen, und erst nach gemachten allgemeinen Abtheilungen in specielle Unterabtheilungen eingehen.

Wenn nun die ganze Himmelsdecke über unserem Scheitel sowohl als gegen den Horizont nur die helle blaue Luftfarbe erkennen lässt, oder höchstens eine einzelne Federwolke auftaucht, so ist diese Luftbeschaffenheit ein Coelum serenissimum (C. S. S.). Gewöhnlich weht bei uns dann der N. O. mit mehr oder weniger Schwankung gegen Nord oder Ost.

Mehrt sich hingegen die Zahl der Wolken etwas, indem eine in den Höhen berrschende veränderte Luftströmung zur Wolkenbildung Anlass giebt, so dass einige wenige Cirri oder Cumuli sich zeigen, im Uebrigen aber der Himmel rein bleibt, so ist dieses ein Coelum serenum (C. S.).

Die gewöhnliche Beschaffenheit des Himmels an schönen Sommertagen und wie er sich auch in den Tropenländern während der trocknen Jahreszeit zeigt, ist die Besetzung desselben an zahlreichen Stellen mit weissen Cumuli, zwischen welchen das tiefe Blau allenthalben hervorsticht, wie der blaue Grund einer mit grossen Blumen bemalten Ta

· 38 *

« ՆախորդըՇարունակել »