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pete. Diesen Zustand nenne ich den gemischten Himmel Coelum mixtum.

Es kann sich jedoch der ganze Himmel mit bläulichen zum Theil grauen Wolken überziehen, ohne dass für die nächste Zukunft noch Regen zu erwarten ist. Diess geschieht in jenen Fällen, wo lange Zeit hindurch nördliche Winde geherrscht haben, dann aber in den obern Regionen die südwestlichen Winde mehr durchdringen, eine ziemliche Quantität feuchter Dünste mit sich bringen, welche zur Wolkenbildung Anlass geben, ohne jedoch in so grosser Menge noch vorhanden zu seyn, dass die warme Luft der untern Regionen sie nicht auflösen könnte. Dieser Zustand ist der bedeckte Himmel Coelum obscuratum. Im Falle nun die nördlichen Winde wieder die Oberhand erhalten, so lösen sich die Wolken nach einem etwaigen kurzen Regen wieder auf und der Himmel wird rein. Ich will hiervon ein Beispiel anführen. Nachdem es am ersten Juli d. J. geregnet hatte, blieb der Himmel am zweiten noch immer bedeckt, bis endlich die noch übrigen Dünste aufgelöst wurden, indem der Wind eine Drehung von N. N. W. bis zu 0. N. O. machte:

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Gewinnt hingegen der Südwestwind die Oberhand, so werden die verschiedenen Luftschichten mehr und mehr mit Dünsten erfüllt, es entsteht der

Coelum nimbosum. Eine gleichmässige graue Masse be

bedeckt den ganzen oder grössten Theil des Himmels, jedoch nur nach oben, während die andern Luftschichten durchsichtig sind. Verschieden von diesem ist der

Coelum nubilatum, wo die wässrigen Niederschläge auch in den niedrigen Luftschichten sich bilden, das Psychrometer den höchsten Feuchtigkeitsgrad anzeigt, und die Luft in Grau gehüllt erscheint.

Diefs wären die Benennungen der Himmelszustände im Allgemeinen. Aber auch die einzelnen Wolkengestalten mögen eine genauere Terminologie bedürfen. Da fällt uns nun zuerst die Federwolke mit ihren mannichfaltigen Gestaltungen auf, welche uns um so mehr erfreuen, als sie sich in der Regel nur bei sehr heiterem Himmel zeigen, wo Jeder den Blick so gerne nach oben richtet. Den Namen Cirrus, wie ihn Howard gegeben, behalten wir als Geschlechtsnamen bei, fügen ihm aber einige Unterordnungen hinzu. Häufig sieht man den Cirrus wie die Wedel einer Cocuspalme regelmässig gefiedert. Von dieser Form datirt sich, wahrscheinlich sein Name. Ihn wollen wir zum Unterschied von andern Formen Cirrus palmiformis nennen.

Ebenso passt dieser Name für jene Art Cirrus, welche wie ein zusammengelegter Fächer aussieht und daber den Palmenzweigen anderer Gattungen gleicht.

Verschieden davon aber ist jene Form, die man gewöhnlich Schaafwölkchen nennt, weil man in den haufenweise zusammengestellten rundlichen weissen Flecken Aebnlichkeit mit einer Schaafbeerde sah. Hierfür passt der Name Cirrus maculosus.

Die Federwolke nimmt oft eine eigenthümliche Gestalt an, indem mehrere Schichten derselben an einer Stelle der Atmosphäre sich anhäufen, wo sie dann wie ein dickes Stück Baumwolle aussehen. Als Haufenwolke kann man diese Form nicht ansprechen, denn es fehlt ihr die geballte rundliche Gestalt, eben so wenig ist sie langgestreckt wie der Stratus. Deshalb möchte ich sie Cirrus gossipiformis, die baumwollartige Federwolke nennen.

Endlich trifft es sich, dass in den obern Regionen den schwach wehenden şüdlichen Wind ein westlicher durchschneidet, in welchem Falle die früher vorhandenen Federwolken eine zerrissene Gestalt annehmen und wie eine dünne Lage Baumwolle aussehen. Diese Wolkenform kann man Cirrus diffusus nennen.

Wir haben demnach vier Arten der Federwolke aufgestellt, unter welche sich alle ihre Formen bringen lassen.

Was den Cumulus anbelangt, so scheint die Unterscheidung desselben nach seiner Farbe in die weisse und graue Haufenwolke, Cum. albus, Cum. griseus, durchaus nothwendig. Denn die graue Haufenwolke ist der Erdoberfläche viel näher als die weisse, lässt einen baldigen atmosphärischen Niederschlag viel eher erwarten und giebt uns von der grössern Feuchtigkeit der Luft Zeugniss, was denn auch das Psychrometer bestätigt. Von der grauen Haufenwolke fällt häufig Regen, und der Gewitterregen ist nichts anderes als das Herabfallen der in tropfbare Flüssigkeit condensirten einzeln dastehenden Haufenwolken, während der weisse Cumulus erst zum grauen werden muss, um uns einen Niederschlag zu schicken.

Die Lagewolke ist oft so niedrig, dass wir sie von Ferne über einem See, einer feuchten Wiese oder einem Walde erblicken, in welchem Falle sie stets als Stratus griseus erscheint. Hingegen zeigen sich die hoch über uns schwebenden Lagewolken als Stratus albus, weshalb wir denn auch diese Wolkengestalt in die genannten Unterarten bringen inüssen. Ausserdem aber kommt uns die Lagewolke noch in anderer Gestalt vor. Wir glauben nämlich oft am Rande des Himmels, am Morgen oder gegen den Abend, wie in ein indigoblaues Meer zu sehen, welche Erscheinung durch mehrere Schichten von Stratus hervorgebracht wird. Diese schöne Wolkenart ist der Stratus coeruleus.

Ob man den am Rande des Gesichtskreises sich zeigenden Stratus, der gewöhnlich wegen der zwischen ihm und dem Beobachter befindlichen dicken Luftschicht als blau erscheint, mit dem Namen paries belegen soll, wie Göthe vorgeschlagen hat, überlasse ich den Sachverständigen. Mir erscheint die Lagewolke immer als dieselbe, mag sie am Horizonte oder entfernt von demselben erscheinen, und es scheint mehr Verwirrung als Aufklärung in die Sache zu bringen, wenn wir eine und dieselbe Wolke anders benennen, je nachdem sie sich an verschiedenen Theilen des Hiinmels zeigt. So viel vorläufig über die Benennungen der Wolkengattuvgen und Arten, wobei noch nicht von den Uebergängen einer Gattung in die anderen gesprochen ist. Behufs der Notirung in meteorologische Journale halte ich es für genügend, wenn zuerst das Aussehen des Himmels in den oben angeführten Benennungen angedeutet, und. dann die uns zu Gesichte kommenden oder die Hauptrolle am Himmel spielenden Wolken dazu notirt werden, als: Coel. ser., Cirr. palmif., C. mixt., Cum. alb.

Zu einer genauen Himmelsbeschreibung jedoch ist der Anblick des ganzen Horizontes eben so nöthig, wie der Botaniker die ganze Pflanze mit Blüthe, Blättern, Stengel und Wurzel vor sich haben muss, um sie botanisch aufzuzeichnen.

Man unterscheide nun zum Zwecke einer solchen Himmelsbeschreibung die Gegend des Horizontes Fig. 19, Taf. I. h h' h" h", die etwa bis zu 45 Graden über den Rand hinaufsteigt, und die Scheitelgegend in z. Die letztere beschreibe man zuerst, wende sich dann gegen Norden und beschreibe die ganze innerhalb h befindliche von n his n' reichende Gegend, worauf man sich nach Osten kehrt, die innerhalb h' von 0 bis o' reichende Ostgegend beschreibt, und ebenso die Süd- und Westgegend des Horizontes aufnimmt. Hierbei giebt man die in jeder Gegend befindlichen Wolken vom Rande aufsteigend an, wie etwa folgende Beispiele angeben:

Am 18ten Juli d. J. in der Nähe von Pasing, Morgens 4 Uhr:

Z. Coelum mixtum, Cirrocumulus, Cirrus maculosus.
N. Cumulo-stratus coeruleo-griseus.
0. C. serenum, Stratus coeruleus in margine supe-

riori rubeolens.

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S. C. serenum, idem Stratus coeruleus in margine.

rubeolens. W. Horizontum serenum, Stratus longus albo - coe

ruleus. 5 Uhr: 2. Serenum, Cirrus diffusus, gossipiformis.

Horizont. serenum, Stratus coeruleo - albus. 0. Stratus coeruleus usque ad 30 circiter gradus,

in marg. super albus, strato-cum. coerul., Stratus

albus.
S. Coelum mixtum, Cumulus coeruleo-albus.

W. Serenum, in horiz. Stratus griseo - albus. Höchstwahrscheinlich wurde um 5 Uhr durch die steigende Wärme und den Südwind in den höhern Regionen ein Theil der Wolken aufgelöst, so dass der Himmel viel reiner erschien, wie aus der Beschreibung zu ersehen ist. Aber der Südwestwind drang auch in die niedrigen Regionen und brachte mehr Feuchtigkeit als die Luft auflösen konnte. Die um 5 Uhr anwesenden bläulich-grauen Haufenwolken wurden zu grauen, die Luft wurde Schicht für Schicht von oben herab mit Dünsten überfüllt, was endlich beim Sinken der Temperatur gegen den Abend in Regen enden musste ').

VII. Neue Beobachtungen über das Neef'sche

Lichtphänomen; von G. Osann.

Das vorzugsweise Auftreten des elektrischen Lichtes au der negativen Elektrode wurde zuerst von Neef an seinem von Desaga in Heidelberg angefertigten Inductionsapparat beobachtet, bei welchem das das Platinblech berührende Hämmerchen konisch zugespitzt war. Als ich mich

1) Des Hrn. Verf. Vorschläge sind sicher wohl gemeint; ob sie aber mehr

Eingang finden werden, als die Météorographie symbolique von Huber-Burnand (Bibl. univ. 1828. Vol. XXXIX p. 38) bisher gefunden hat, ist mir doch zweifelhaft.

P.

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