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setzt werden musste, dass die Verdichtung sich am stärksten zeigen würde bei den Gasarten, welche ihrein Condensationspunkte am nächsten sind, so wurde zunächst schwefligsaures Gas für diese Versuche angewandt. Bei der Ermittelung so kleiner Werthe als die, um welche es sich hier handelte, konnte der früher gefundene Ausdehnungscoëfficient der schwefligen Säure nicht als Vergleichungspunkt zu Grunde gelegt werden. Man musste sicher seyn, dass das angewandte Gas vollkommen rein war. Deshalb wurde immer gleichzeitig der Ausdehnungscoëfficient bei Anwendung der kleineren und der grösseren Glasfläche bestimmt, indem zwei solcher Apparate benutzt wurden, wie die in der erwähnten Abhandlung beschriebenen '). Für beide wurden die Röhren auf ein Mal gefüllt, indem das Gas erst durch die eine und dann durch die andere geleitet wurde.

Die Berechnung der Ausdehnungscoëfficienten ist ganz wie in jener Abhandlung ausgeführt, und da auch das Glas von derselben Sorte wie das damals angewandte war, so ist auch derselbe Ausdehnungscoëfficient für das Glas benutzt worden.

Die Rechnung ergab für den Ausdehnungscoëfficienten der schwefligen Säure von 0° bis 100° C.

in der Röhre
ohne Glasstäbe. mit Glasstäben.
0,3822

0,3896. Diese Zahlen beweisen, dass eine Verdichtung an der Oberfläche des Glases stattgefunden hat. Um aus ihnen zu berechnen, wie gross die Verdichtung gewesen, so bezeichne - das Volumen des an der Oberfläche der Stäbe bei 0° verdichteten Gases; und das Volumen des übrigen entweder nicht, oder nur an der Wand der Röhre verdichteten, bei derselben Temperatur, sey =1; alsdann hat man:

1) In den Abhandl. der K. Acad. für 1841. p. 72. – In Pogg. Anna

len LV. p. 10.

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Da aber der innere Durchmesser der Röhre 20 Millimeter, und ihre innere Länge nahe 250 Mm. betrug, so hatte die Röhre, in welcher keine Stäbe waren, einen Inhalt von 78525 Cub. Millimeter. Da ferner jeder Stab 1 Mm. Durchmesser und 250 Mm. Länge, also ein Volumen gleich 196,31 Cub. Mm. hatte, so war das Volumen sämmtlicher 250 Stäbe gleich 49078 Cub. Mm. Folglich war das Volumen der Luft in der mit den Stäben gefüllten Röhre gleich

78525 - 49078=29447 Cub. Mm. Es war folglich das an der Oberfläche der Glasstäbe verdichtete Gas

0,00535.29447 =157,5 Cub. Mm. Die Oberfläche der Stäbe betrug 196704 Quadrat Mm., folglich war die Verdichtung für jedes Quadrat Mm.

157,5 0000800.

196704 = 0,000800.

Für die Einheit der glatten Oberfläche von Glas ist also die Verdichtung der schwelligen Säure bei 0° =0,0008 der kubischen Einbeit.

Diese Bestimmung beruht auf der Voraussetzung, dass die Verdichtung bei 100° C. verschwindend klein scy. Sollte bei dieser Temperatur noch eine Verdichtung stattfinden, was man dadurch untersuchen könnte, dass man die Ausdehnung in beiden Röhren für höhere Temperaturen mit einander vergliche, so würde die Verdichtung bei 0° noch mehr als 0,0008 der kubischen Einheit betragen.

Es ist noch übrig die Verdichtung der anderen Gase in ähnlicher Weise zu bestimmen; ich habe um so mehr vor diefs zu thun, als die Versuche der HH. Jamin und Bertrand, so weit sie bis jetzt bekannt sind, sich nur mit der Verdichtung durch pulverförmige Körper beschäftigen.

Nachdem so gefunden worden, wie grofs die Verdichtung an der glatten Oberfläche ist, schien es von Interesse zu untersuchen, ob sie an einer rauhen sehr viel grösser sey.

Es wurden deshalb Bestimmungen des Ausdehnungscoëfficienten vorgenommen, bei denen statt der Glasstäbe Platinschwamm angewandt wurde. Auch bei diesen Versuchen ist, um die Reinheit des Gases beurtheilen zu können, zum Vergleich eine Röhre gefüllt worden, in der sich kein Platinschwamm befand, während jene 7 Grammes davon enthielt. Beide Röhren hatten nahe denselben Inbalt wie die früheren, auch wurden beide gleichzeitig gefüllt. Um aber sicher zu seyn, dass sich bei der Füllung keine Schwefelsäure aus der schwefligen Säure und der vorhandenen atmosphärischen Luft bei Gegenwart des Platinschwamins bilde, wurden die Röhren zuerst mit Wasserstoff gefüllt, während der Platinschwamm durch eine Lampe glühend erhalten wurde. Nachdem so alle atmosphärische Luft und alles Wasser ausgetrieben war, wurde die schweflige Säure so lange durch beide geleitet, bis sie beim Heraustreten durch kaustisches Kali vollständig absorbirt wurde; dann wurden die Röhren abgekühlt, zugeschmolzen, und in die beiden oben erwähnten Apparate eingekittet. Die Bestimmung des Ausdehnungscoëfficienten ergab

in der Röhre
ohne Platinschwamm mit Platinschwamm
0,3832

0,3922 Daraus findet man

I=0,0065. und da der Inhalt der Röhren ebenso gross war wie der der Röhren mit den Glasstäben, nämlich gleich 78525 Cub. Mm., so war das von dem Platinschwamm condensirte Gas gleich 510,4 Cub. Mm.

Die Grösse der Oberfläche des Platinschwamms ist nicht zu bestimmen, und deshalb lässt sich nicht angeben, wie

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grofs die Verdichtung für die Flächeneinheit bei demselben gewesen. Die Versuche zeigen nur, dass in 7 Grammes Platinschwamm eine stärkere Verdichtung stattfindet als an der Oberfläche der 250 Glasstäbe, die zusammen 196704 Quadrat Mm. betrug..

Je nachdem der Platinschwamm mehr oder weniger zu. sammengedrückt oder auch nur geschüttelt wird, nimmt er einen verschiedenen Raum ein. Aus mehreren Wägungen von Platinschwamm ergab sich, dass 4 Grammes desselben den Raum von 1 C. C. einnehmen, und da hier 7 Grammes 0,510 C. C. absorbirt hatten, so ergiebt sich, dass der Platinschwamm 0,29 oder nahe š seines Volumens von schwefliger Säure bei 0° verdichtet.

Dass in einem so porösen Körper wie der Platinschwamm so viel weniger Gas verdichtet wird, als in der Kohle, die nach Tb. v. Saussure's Versuchen ihr 65faches Volumen von schwelliger Säure in sich aufnimmt, ist gewiss sehr auffallend, um so mehr, wenn man berücksichtigt, dass nach dem sogenannten Henry'schen Gesetz, nach welchem die Verdichtung eines Gases proportional dem Drucke ist, unter welchem sich dasselbe befindet, man anzunehmen genöthigt ist, dass die verschiedene Verdichtung derselben Gasart durch verschiedene Körper, nur auf dem Unterschiede in der Grösse der Berührungsfläche zwischen beiden beruht. Man wird sich aber kaum vorstellen können, dass die Oberflächen gleicher Volumina von Platinschwamın und von Kohle so verschieden seyn sollten, wie die Verdichtung der schwefligen Säure durch diese beiden Körper. Das Platin ist in der Form von Schwamm noch nicht in dem Zustande der grössten Vertheilung, und es wäre deshalb wünschenswerth gewesen die Verdichtung für Platinschwarz zu bestimmen; allein man kann diesen Körper nicht so vollständig, wie es für diese Versuche nöthig wäre, von Wasserdämpfen befreien, ohne ihn zu zerstören. Das aber die von Th. v. Saussure angegebene Zahl nicht zu hoch ist, davon habe ich mich durch Versuche mit feingepulverter Poggendorff's Annal. Bd. LXXXIX.

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Kohle aus Buchsbaumholz überzeugt, die in äbnlicher Weise wie die oben beschriebenen ausgeführt wurden.

Auf einige früher von mir ausgeführte Versuche gestützt, glaube ich aber auch behaupten zu können, dass die Menge des durch Wasser verdichteten kohlensauren Gases dem Druck nicht proportional ist, und dass daher das Henry'. sche Gesetz nicht vollkominen richtig ist. Daraus folgt, dass die Absorption, wenigstens zuin Theil, auf einer Anziehung zwischen den Theilen des anziehenden festen oder flüssigen Körpers und denen des Gases beruht, und zwar auf einer der chemischen Anziehung analogen, die verschieden ist für die verschiedenen Substanzen. Dieser Satz verträgt sich nicht mit der von Dalton aufgestellten Ansicht von der Absorption. Aber ich hoffe in einiger Zeit den ausführlichen Beweis für die Richtigkeit desselben liefern zu können.

IX. Ueber das Gedächtniss für Linear- An-
schauungen ); von F. Hegelmaier,

Stud. med. in Tübingen.
(Mitgetheilt aus Griesinger's Archiv.)

Die Sinnesorgane benachrichtigen uns nicht blos von den Eigenschaften der in jedem einzelnen Augenblick im Be

1) Ich habe den Verf. aufgefordert, den vorliegenden Gegenstand einer

näheren experimentellen Untersuchung zu unterwerfen, bei deren Ausführung ich übrigens, abgesehen von einer Reihe von Fragestellungen, von denen einige beantwortet wurden, in keiner Weise betheiligt bin. Der Eifer und die Tüchtigkeit meines jungen Freundes bürgen mir jedoch für die Genauigkeit der angestellten Versuche.

Leider hat Verf. einen nicht unwesentlichen Gegenstand, auf den ich ihn aufıncrksam machte, nicht gehörig beachtet, nämlich die durch Cortgesetzte Uebung nothwendig zunehmende Geschicklichkeit in der Wahrnehmung feinerer Linienunterschiede. Er hätte deshalb seine Versuche

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