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entspricht; und dass dieses jugendliche Gebilde allem Anscheine nach in Folge der, unter hohem Druck vor sich gegangenen, Auslaugung eines augitreichen Gesteins durch die kohlensäurebaltigen Grubenwässer entstand. Die bei diesem geo- chemischen Processe entwickelte, sehr beträchtliche Kohlensäuremenge lässt sich von Kalkspathmassen herleiten, welche in der Nachbarschaft jenes Gesteins vorkommen. Ein Mineral von derselben chemischen Constitution wie der Arendaler Neolith, aber von mehr speckstein- als talkartigem Habitus, findet sich als Ausfüllungsmasse von - ehemals theils wohl mit Kalkspath, theils mit anderen Mineralien erfüllt gewesenen — Mandelräumen des Basalts der Stoppelskuppe bei Eisenach, und unter gleichen Verhältnissen wahrscheinlich noch in vielen anderen Basalten '). Wenn es hiernach das Ansehen gewinnt, dass unter besonderen Umständen aus augitischen Gesteinen gewisse ibrer Bestandtheile ausgelaugt, und aus dieser Solution als ein talk - oder specksteinartiges Mineral von der Augit - Formel (Mg): Si? abgesetzt werden können, sollte es da ein zu gewagter Sprung der Analogie seyn, anzunehmen: dass der Wunsiedler Speckstein von der Amphibol-Formel (Mg) Si+(Mg): Si? auf ähnlichem Wege aus amphibolitischen Gesteinen - vielleicht aus dem dort mit Glimmerschiefer und Thonschiefer wechsellagernden Grünsteine – gebildet worden sey? Die bierzu nöthige Kohlensäure würde sich aus den benachbarten, zum Theil selbst in Speckstein umgewandelten Dolomit- und Marmor-Zonen entnehmen lassen.

Blum sucht seiner Ansicht über die Bildung der Wunsiedler Speckstein - Afterkrystalle durch Aufstellung des allgemeinen Satzes zu Hülfe zu kommen: dass Uebergänge aus einer pseudomorphirenden Substanz in die betreffende pseudomorpbirte, wenn sie sich bei einer Afterbildung beobachten lassen, stets auf eine chemische Umwandlung, vicht 1) Poga. Ann. Bd. 84, S. 374.

aber auf eine Verdrängung ') hindeuten. Unter jenen » Uebergängen « kann hier nichts anderes verstanden werden, als dass an einem theilweis verändertem Krystall die pseudomorphirende Substanz keine scharfen Gränzen mit der pseudomorphirten bildet, sondern dass beide, innerhalb einer Gränzzone, mehr oder weniger in einander greifen. Warum sollte diefs nicht auch bei Verdrängungs-Pseudomorphosen der Fall seyn können? Nur muss man von letzteren - die keinem Zweifel unterworfenen UmbüllungsPseudomorphosen hier ausser Betracht gelassen – zwei wesentlich verschiedene Arten unterscheiden. Bei der einen derselben wird ein von irgend einer Matrix oder Hülle umschlossener Krystall durch auflösende Agentien ganz oder theilweise aus dieser Matrix oder Hülle fortgeführt, und darauf erst sein zurückgelassener leerer Raum durch ein chemisches Präcipitat oder einen mechanischen Schlamm ausgefüllt ?); bei der andern Art aber gehen allmälige Auflösung des Krystalls und Absetzung des Präcipitates so gut wie gleichzeitig vor sich. Eine mit einer gewissen Substanz gesättigte Solution wirkt hierbei auflösend auf den Krystall, wird aber dadurch zugleich genöthigt einen entsprechenden Theil jener Substanz abzusetzen 3). Diefs ist eine wahre Verdrängungs- Pseudomorphose, während man jene erste Art – bei welcher die ausfüllende Substanz gewissermassen post festum kommt – eine Ausfüllungs- oder eine Abformungs - Pseudomorphose nennen könnte, letzteres weil sie an die gänzlich mechanische Forinung eines Gypsabgusses erinnert. Bei einer Ausfüllungs- Pseudomorphose werden pseudomorphirende und pseudomorphirte Substanz mehr oder weniger scharfe Gränzen mit einander bilden; bei einer Verdrängungs- Pseudomorphose braucht diess nicht der Fall zu seyn. Die bekannte Pseudomorphose von Steinmark nach Flussspath, welche ja Blum selbst zu den Verdrängungs-Pseudomorphosen rechnet, ist ein Beispiel letzterer Art. An den theilweis veränderten Flussspathkrystallen bilden Steinmark und Flussspath durchaus keine scharfen Gränzen, sondern Uebergänge. - Bei den Speckstein - Pseudomorpbosen würden wir uns den Bildungsbergang im Allgemeinen so zu denken haben, dass das kohlensäuregeschwängerte, die Bestandtheile des Specksteins aufgelöst enthaltende Wasser durch seinen Kohlensäuregehalt auflösend auf Bitterspath, Quarz u. s. w. gewirkt, und an die Stelle dieser sehr allmälig aufgelösten Mineralien gleichzeitig Speckstein abgesetzt habe. Was in specie die Bildung der Wunsiedler Afterkrystalle nach Quarz betrifft, so ist zu berücksichtigen, dass sich dieselben – wie auch Nauck besonders hervorhebt – niemals freistehend, sondern stets in Speckstein eingewachsen finden. Dieselben wurden also wohl zuerst – als noch unveränderte, auf Dolomit aufgewachsene Quarzkrystalle — von Specksteinmasse umschlossen, und innerhalb dieser Umhüllung ging

1) Bei einer Umwandlungs- Pseudomorphose werden die Bestandtheile der

ursprünglichen Substanz niemals sämmtlich, sondern nur zum Theil fortgeführt und mehr oder weniger durch andere Stoffe ersetzt. Aus einer Verdrängungs- Pseudomorphose dagegen ist die ursprüngliche Substanz gänzlich verschwunden, und an ihre Stelle ist eine andere Substanz getreten. Im ersten Falle findet Veränderung der chemischen Zusammensetzung unter theilweiser Beibehaltung früherer Bestandtheile,

im zweiten Falle Austausch der ganzen Substanz statt. 2) Die Existenz dieser Art der Pseudomorphosen ist von einigen Forschern

in Zweifel gestellt worden. In einem späteren Abschnitte dieser Abhandlong werde ich jedoch Thatsachen mittheilen, welche geeignet seyn

dürften, diesen Zweifel zu beseitigen. 3) Von der Möglichkeit dieses Herganges im Allgemeinen kann man sich

durch folgenden Versuch überzeugen. In einer concentrirten Gypssolution löse man so viel neutrales schwefelsaures Kali auf, als diefs ohne eine beginnende Trübung jener Solution möglich ist, und bringe in diese Doppel - Auflösung cinen Krystall oder eine Krystallkruste des letzłge

nannten Salzes, so wird sich fasrig krystallinischer Gyps auf diese Krystalle absetzen, während dieselben zugleich hierbei theilweise gelöst werden. Nicht selten gelingt es auf diese Art, Gypshüllen ganz von der Form des schwefelsauren Kali's zu erhalten. Hier hat also das neutrale schwefelsaure Kali den Gyps aus seiner Auflösung und, vice versa, der Gyps das schwefelsaure Kali aus den Krystallen desselben verdrängt. Schwefelsaures Natron und Gyps vermögen einander nicht in dieser Weise zu verdrängen. Eine concentrirte Gypssolution lässt sich mit schwefelsaurem Natron sättigen, ohne Gyps auszuscheiden.

dann später die Verdrängung des Quarzes durch Speckstein vor sich, indem die Porosität der (aus zusammengehäuften, mikroskopisch kleinen, krystallinischen Talkblättchen bestehenden) Specksteinbülle eine fortdauernde Einwirkung der gedachten Wässer gestattete. Dass der Quarz sich nicht so leicht verdrängen liefs wie Dolomit und Bitterspath, ist sehr natürlich. In einer Specksteinstufe, welche mir mein College Prof. Reich aus Wunsiedel mitbrachte, gewahrt man einige fast gänzlich unveränderte Quarzkrystalle von Speckstein umgeben.

Wohl eben so wenig richtig, wie die Aufnahme der Speckstein - Afterbildungen unter die Umwandlungs- Pseudomorphosen, erscheint die Zuzählung der pseudomorphen Ophit - Gebilde zu derselben Abtheilung; und zwar zum Theil aus ganz ähnlichen Gründen wie die zuvor angeführten. Durch das bekannte Vorkommen des Chrysotil') und Pikrolith werden wir darauf geführt, dass der Opbit unter gewissen Umständen in Wasser löslich sey, und sich aus dieser Lösung mit unveränderter Zusammensetzung wieder abscheiden könne. Dafür spricht die ganze Art des Auftretens dieser beiden Mineralien jüngerer Bildung – und von der chemischen Zusammensetzung des Ophit — in kleineren oder grösseren Gang - Spalten und Trümmern des gewöhnlichen (Gebirgs-) Serpentins. Nicht selten wird der Arendaler Neolith in ganz ähnlicher Weise wie der Chrysotil angetroffen: als krystallinisch fasrige Substanz kleine Gangtrümmer und feine Sprünge im Gestein ausfüllend; und seine krystallinischen Fasern, wie beim Chrysotil, querüber von einer Gangwand zu anderen laufend. Diese für gewisse Infiltrations - Producte sebr characteristische Structur zeigen bekanntlich mitunter auch Gyps (Fasergyps), Cölestin, verschiedene natürlich vorkommende leichtlösliche Salze, wie Eisenvitriol, Steinsalz u. s. w. Indem wir aber auf solchem Wege darauf geführt werden, ein stattgefundenes Auflösen und Wiederabsetzen des Ophit 1) Naumann's Elemente d. Mineralogie, 3te Auflage, S. 263, zweite

Anmerkung

anzuerkennen, gelangen wir zu der Ueberzeugung: dass der Ophit, analog dem Speckstein, Verdrängungs - Pseudomorphosen habe bilden können. Granitgänge, welche in der Waldheimer Gegend im Serpentin aufsetzen, zeigen sich oftmals so zu sagen serpentinisirt, indem ihre Masse vorzugsweise aber der Feldspath derselben – mehr oder weniger durch Serpentin verdrängt wurde. Eine beginnende Verdrängung des Feldspaths durch Neolith lässt sich zu Arendal beobachten.

Noch bei mehreren anderen Afterbildungen erscheint es zweifelhaft, ob die Stellung als Umwandlungs - Pseudomorphosen, welche sie in der Blum’schen Classification einnebmen, eine richtige sey; so z. B. beim Talk nach Magnesit, Chiastolith, Disthen, Couzeranit, Feldspath und Pyrop, beim Chalcedon nach Datolith, Kalkspath nach Gyps, Glimmer nach Quarz, Beryll u. s. w., ferner (in einer anderen Beziehung) beim Buntkupfererz nach Kupferglanz, Kupferkies nach Kupferglanz u. s. w. In den meisten dieser Fälle bedarf es noch wiederholter und fortgesetzter Beobachtungen, um zu einer richtigen Auffassung ihrer Genesis zu gelangen. - Keinesfalls will ich aus diesen Classifications - Differenzen, welche durch ihre Beziehungen zur Bildungsart gewisser Pseudomorphosen von Wichtigkeit sind, einen Vorwurf gegen Blum’s, im hohen Grade schätzenswerthe Bemühungen ableiten; es kann mir diefs um so weniger einfallen, als ich meinen der Blum'schen Theorie hier gegenübergestellten Ansichten keine unumstöfsliche Gewissheit, sondern nur eine Wahrscheinlichkeit beimesse, welche durch spätere Forschungen möglicherweise wieder abnehmen kann. Nur so viel scheint mir gewiss, dass man bei Untersuchungen auf einem so dunklen Gebiete wie das der Pseudomorphosen nicht einseitig zu Werke gehen, sondern jeden Lichtstrahl beachten müsse, von welcher Seite derselbe auch kommen mag. Obne daher den Zweck zu haben, gegen einzelne Forscher zu Felde zu ziehen, und ohne so manchen ausgezeichneten Leistungen auf diesem Gebiete die Anerkennung zu versagen,

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