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Die meisten dieser Röhren sind so zart und dünn, dass sie bei der leichtesten Berührung zerbrechen, wobei dann oft Wasser aus ihrer Höhlung herausfliesst. Doch giebt es auch dickere Röhren dieser Art, welche verhältnissmä[sig kürzer sind und auch eine grössere Festigkeit besitzen. Manche Röhren haben nur eine Hülle, welche bald stärker bald schwächer ist; andere sind von etlichen oder mehreren enge um einander herum liegenden, oft selbst papierdünnen Hüllen umschlossen, welche sich leicht von einander ablösen lassen. Im Innern sind die Röhren entweder ihrer ganzen Länge nach hohl, oder sie sind mit einer feinerdigen sehr weichen zerreiblichen hellgelben ocherigen Materie angefüllt, welche dieselbe chemische Beschaffenheit hat wie die Masse des festen Eisensinters. Die ocherige Ausfüllung ist zuweilen selbst wieder durch eine feine hoble Röhre perforirt, oder sie nimmt den inneren Raum ohne Unterbrechung ein. In Farbe, Glanz, Bruch u. dergl. stimmen die cylindrischen Röhren ganz mit den Stalaktiten und Stalagmiten des Eisensinters überein.

Die geraden cylindrischen Röhren hängen aber nicht allein isolirt von der Firste des Stollens herab, sondern bäufig sind sie die Verlängerungen der nach unten sich zuspitzenden Stalaktiten, also eine sich fortsetzende Bildung der letzteren. In diesem Falle endigen sie entweder frei mit ihrem sich unten etwas verschmälernden Ende, oder sie reichen bis zur Spitze eines Stalagmiten herab, wel. cher dadurch mit dem an der oberen Basis der Röhre befindlichen Stalaktiten in Verbindung gesetzt ist. Auch dieses ist eine bei Kalksintern nicht selten vorkommende Erscheinung, welche hier beim Eisensinter nach eben dem"selben Bildungsgesetze wiederkehrt. Durch ein lange fortgesetztes Herabtröpfeln des Wassers von der Spitze eines Stalaktiten oder einer Eisensinterröhre und das lagenweise Absetzen von Eisensulphat wird an der gerade gegenüberliegenden Stelle auf der Sohle natürlich nach und nach ein Stalagmit gebildet, und indem dieser immer höher und die Röhre nach unten zu immer länger wird durch das an beiden Stellen auf dieselbe Weise bildend fortwirkende. Wasser, so müssen zuletzt beide Gebilde in Berührung mit einander kommen und dadurch die erwähnte Verbindung darstellen. Ist diese Verbindung zu Stande gebracht und die Wirkung des herabtröpfelnden Wassers dauert noch lange fort, so wird die Verbindungsröhre immer kürzer, während Stalaktit und Stalagmit an Länge und an Umfang zunehmen. Wo viele solche durch Zwischenröhren mit einander verbundene Stalaktiten und Stalagmiten in einem kleinen Raume nabe bei einander stehen, gewähren sie einen Anblick wie Orgelpfeifen.

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Es wäre wohl der Mübe werth, von den schönen und grossen stalaktitischen Formen des Hackelsberger Eisensinters Exemplare in ihrem ganzen Umfange aufzubewahren. Dieses ist jedoch wegen ihrer ausserordentlichen Zerbrechlichkeit sehr schwierig, auf die Dauer fast unmöglich. So wie die Exemplare aus der Grube kommen, sind sie noch durch und durch feucht, und wenn sie auch, wie dieses bei denen von älterer Bildung der Fall ist, einige Consistenz besitzen, so werden sie doch bei zunehmender Austrocknung nach einiger Zeit so mürbe und locker, dass sie bei dem geringsten Drucke mit der Hand, ja oft auch von selbst, während sie ruhig daliegen, besonders in der Sommerwärme, auseinander fallen. Nur unter den grossen und dicken Exemplaren giebt es zuweilen einzelne von grösserer Festigkeit, die sich bei sorgfältiger Verwahrung transportiren lassen; doch muss man sie in jedem Falle vor zu schneller Austrocknung schützen '). Noch zerbrechlicher als die Zapfen sind die dünnen cylindrischen Röhren; diese lassen sich nicht anders als in kleinen Fragmenten aufbewahren.

Was das Verhalten des Hackelsberger Eisensinter ge

1) Ein schönes Exemplar eines Hackelsberger Eisensinterstalagmiten li par.

Fuss Länge und an der Basis 3] Zoll Dicke habe ich im Mineraliencabinet der Breslauer Universität niedergelegt; derselbe hat sich bisjetzt fast unversehrt crhalten, jedoch an seinem untern Theile schon eine Menge Sprünge bekommen.

gen Wasser und Säuren betrifft, so ist er im Wasser unauflöslich, in concentrirter Salzsäure aber löst er sich pulperisirt zu einer hellgelben durchsichtigen Flüssigkeit auf. Seine chemische Zusammensetzung ergiebt sich im Allgemeinen schon aus seiner Entstehung aus dem init schwefelsaurem Eisenoxyd impräguirten Stollenwasser. Im Glaskolben giebt er Wasser und beim Glühen wird er roth unter Entwicklung von schwefliger Säure. Nach einer vom Hrn. Dr. C. Hochstetter in Brünn auf meine Bitte ausgeführten Analyse sind die chemischen Bestandtheile eines der festeren stalagmitischen Exemplare dieses Eisensinters folgende:

64,34 Eisenoxyd
15,19 Schwefelsäure
20,70 Wasser

0,61 Bleioxyd
Spuren von Kupfer und Arsenik

100,84. Diese Verhältnisse scheinen jedoch, wie Hr. Dr. Hochstetter bemerkt, nicht constant zu seyn; der Gehalt an Schwefelsäure und Wasser hängt nach seiner Ansicht von Umständen ab, welche bei der Bildung einwirkten, und er setzt daher den Werth seiner Analyse nur darin, dass sie feststellt, dass der in Rede stehende Eisensinter basischschwefelsaures Eisenoxyd mit chemisch gebundenem Wasser ist. Der geringe Blei-, Arsenik- und Kupfergehalt ist nach ibm nur eine zufällige Beimischung.

Den aus dem Wasser, welches aus dem Hackelsberger Stollen abfliesst, sich absetztenden gelben Ocher hat Hr. Dr. Hochstetter gleichfalls analysirt und denselben auf folgende Weise zusammengesetzt gefunden.

69,81 Eisenoxyd

8,06 Schwefelsäure
16,19 Wasser

0,92 Bleioxyd
Eine Spur von Arsenik

6,12 Bergart
101,10.

Dieser Ocher enthält also dieselben Bestandtheile, wie der feste stalagmitische Eisensinter, aber in etwas abweichenden Verhältnissen. Am meisten abweichend ist der Schwefelsäuregehalt; die Quantitäten des Eisenoxyds und Wassers dagegen sind denen im festen Eisensinter annähernd, und man darf daher jenen Ocher wohl mit Recht als eine blosse feinerdige Varietät des Eisensinters betrachten. Da beide aus demselben Stollenwasser sich bilden, so erscheinen sie nur als zwei verschiedene Zustände einer und derselben Substanz. In den Eisensinterröhren kommen sie überdiess in unmittelbarer Verbindung mit einander vor; denn der im Innern dieser Röhren oft eingeschlossene Ocher ist mit demjenigen identisch, welchen das Wasser im Grunde des Stollens absetzt.

Ein am Rammelsberge bei Goslar ain Harz vorkommender gelber erdiger Ocher stimmt mit dem Hackelsberger Ocher in den chemischen Verhältnissen seiner wesentlichen Bestandtheile so ungemein nahe überein, dass die Identität beider nicht zu verkennen ist. Derselbe enthält nach Jordan ');

68,750 Eisenoxyd

9,796 Schwefelsäure
15,524 Wasser
1,293 Zinkoxyd
0,500 Kupferoxyd
4,137 Bergart

100.

Noch ein anderer, den beiden genannten ganz ähnlicher gelber Ocher, der von Berzelius so genannte Vitriolocher von Fahlun ist zwar qualitativ im Wesentlichen gleichfalls mit ihnen übereinstimmend, weicht aber in den quantitativen Mischungsverhältnissen ebenso von ihnen ab, wie der Hackelsberger stalaktitische Eisensinter von dem ocherigen, und steht daher in diesen Verhältnissen jenem am nächsten. Auch ein mit dem oben erwähnten erdigen Ocher vom Rammelsberge bei Goslar vorkommender sogenannter muschli1) Erdmann's Journ. für prakt. Chemie, Bd. IX. 1836. S. 95 ff.

ger Ocher (Eisensinter) stimmt in seinen chemischen Verhältnissen sowohl mit dem Hackelsberger stalaktitischen Eisensinter, als mit dem Vitriolocher von Fahlun im Wesentlichen fast ganz überein, wie aus folgender Zusammenstellung erhellt.

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Es ist hiernach keinem Zweifel unterworfen, dass alle diese Eisensulphate zusammengehören, dass ihre chemischen Verhältnisse zwar etwas schwankend, aber doch in gewisse Gränzen eingeschlossen sind, und dass man nach dein äusseren Habitus zwei Varietäten zu unterscheiden hat, eine feste stalaktitische, wozu auch der sogenannte muschlige Eisenocher von Goslar gehört, und eine erdige oder ocherartige Varietät.

Es ist bekannt, dass der gewöhnliche Eisensinter Werners oder der Pitticit Hausmanns im Wesentlichen aus wasserhaltigen arseniksaurem Eisenoxyd oder auch aus einer Verbindung von solchein init einem geringen Antheile von schwefelsaurem Eisenoxyd besteht. Mit diesem arseniatischen Eisensinter stiinmt nun der sulphatische Eisensinter des Hackelsberger Stollens in allen physischen Kennzeichen so sehr überein, dass beide nur als Arten einer und derselben Gattung zu betrachten sind, deren Hauptunterschiede in der chemischen Zusammensetzung liegen. Der arseniatische Eisensinter zerfällt in den gemeinen und in den Nertschinskischen (Arseniksinter, Hermann), wie ich beide

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