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XXIV.
Ueber die arabisch-persische Tonleiter.

Verhandlungen des naturhistorisch-medicinischen Vereins zu Heidelberg.
Bd. II S. 216—217. (Manuscript eingeliefert am 2. Juli 1862.)

2ie Ich habe in einer früheren Sitzung vom 23. Novbr. 1860')

ein Sytem der Construction und Stimmung musikalischer Instrumente beschrieben, welches erlaubt, durch alle Tonarten in reinen consonanten Accorden zu spielen. Es sind zu dem Ende doppelt so viel Tonstufen nöthig, als für die gewöhnliche gleichschwebende Temperatur. Es hängt aber noch von einem besonderen Umstände ab, dass man mit dieser Zahl von Tonstufen auskommt. Wenn man vom Tone C aus in aufsteigenden Quinten fortschreitet C — G — D— A — E, so kommt man bei der vierten Quinte auf den Ton E, welcher der natürlichen Terz des Tons C, die ich wie in der früheren Mittheilung e nennen will, bis auf das kleine Intervall |J nahe kommt. In der griechischen Stimmung wird dieses E statt des Tones e als Terz von C benutzt. Wenn man dagegen von C aus in acht Quintenschritten abwärts geht, C—F—B—Es—As — Des—Ges—Ces—Fes, so kommt man auf den Ton Fes, welcher nur etwa noch um den zehnten Theil des Intervalls jjj sich von e unterscheidet, und praktisch in allen Fällen ohne Bedenken für e gesetzt werden kann. Das damals beschriebene Stimmungssystem beruht wesentlich darauf, dass vertauscht werden

Fes mit e, Ces mit h, Ges mit fis u. s. w.

1) Vj»l. Verhandlungen Bd. II. Heft III. p. 73. — Diese Sammlung Nr. XXni.

Ich habe nun gefunden, dass die arabisch-persischen Musiker, obgleich sie ihre Tonleitern nur für einstimmige Musik ausbildeten, doch dieselbe Vertauschung benutzt haben, um reine natürliche Scalen zu erhalten. Die gewöhnliche Ansicht ist, dass die arabisch-persische Scala in 17 Dritteltöne eingetheilt sei. In dem Werke von Kiesewetter über die Musik der Araber finden sich aber die Vorschriften, welche Abdul Kadir und Schaft eddin, persische Musiker des XIV. Jahrhunderts, gegeben haben für die Eintheilung des Monochords, und für die Weise, wie die Bunde auf der Laube zu setzen sind. Aus diesen ergiebt sich ganz genau die Construction ihrer Tonleiter, welche wir in den von uns nach Hauptmanns Vorschlag gebrauchten Zeichen folgendermassen schreiben können:

C —Des—d—D—Es—e—E —F—Ges —g—G-As—a— B—h—c—C.

Diese Leiter ist nach einer Reihe von 17 Quinten gestimmt, nämlich:

c—g — d — a—e—h—fis das fis können wir auch Ges schreiben und dann fortfahren: 217

Ges—Des-As-Es—B- F — C—G—D—A— E.

Die Perser und Araber bilden daraus theils Scalen nach griechischer Art mit Pythagoräischen Terzen und Sexten, theils solche mit natürlichen Terzen und Sexten. Als Tonica ist in der Regel die Quarte der Leiter F zu betrachten.

A. Griechisch

Tonart üschah: C—D -E—F — G—A — B — C.
Tonart Newa: C - D - Es — F — G — As—B — C.
Tonart Buselik: C-Des—Es—F—Ges—As—B—C.

B. Natürlich

Tonart Rast: C—d—e—F—G—a—B—C. Tonart Sengule: C—D—e—F—g-a—B—C. Tonart Rehawi: C—d—e—F—g-As—B—C. Tonart Hussein: C— d-Es—F—g-As—B—C. Tonart Hidschef: C—d—Es—F-g—a—B—C. Bei den späteren alexandrinischen Griechen Didymus und Ptolomaeus im I. und H. Jahrhundert unserer Zeitrechnung finden wir unter anderen „Tonfarben" auch ein sogenanntes syntonisches Geschlecht, welches natürliche Terzen enthält, und dessen Tetrachord in die Intervalle

16 9 10

15' 8' 9

getheilt ist. Da wir aber bei den Persern die Unterschiede der natürlichen und Pythagoräischen Stimmung auf ein den Griechen ganz unbekanntes, bei jenen aber consequent durchgeführtes System begründet finden, erscheint es, wenn man eine Communication annehmen will, viel wahrscheinlicher, dass die alexandrinischen Griechen einige Bruchstücke des Persischen Systems aufgenommen haben, als umgekehrt. Dass die Araber diese Systeme von den Persern entlehnt haben, nachdem sie Persien erobert hatten, steht durch die Zeugnisse der arabischen Schriftsteller fest.

Elektrodynamik.

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