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Ueberzeugung angesehen werden. Ich selbst habe diese Ueberzeugung schon während meiner Schulzeit oft genug aussprechen und die Unvollständigkeit der dafür zu erbringenden Beweise erörtern hören. Die Frage nach dem Ursprung der thierischen Wärme forderte eine sorgfältigere und vollständige Erörterung aller Thatsachen, die darauf Bezug hatten. Als ich an diese Arbeit ging, habe ich sie immer nur als eine kritische betrachtet, durchaus nicht als eine originale Entdeckung, um deren Priorität es einen Streit geben könnte. Ich war nachher einigermassen erstaunt über den Widerstand, dem ich in den Kreisen der Sachverständigen begegnete; die Aufnahme meiner Arbeit in Poggendorff's Annalen wurde mir verweigert, und unter den Mitgliedern der Berliner Akademie war es nur C. Gr. J. Jacobi, der Mathematiker, der sich meiner annahm. Ruhm und äussere Förderung war in jenen Zeiten mit der neuen Ueberzeugung noch nicht zu gewinnen; eher das Gegentheil. Dass ich selbst auch bei Abfassung der Schrift in keiner Weise nach einer mir nicht zukommenden Priorität getrachtet habe, wie mir meine Gegner metaphysischer Richtung anzudichten streben, ist, meine ich, vollständig dadurch klargestellt, dass ich die andern Forscher, die in dieser Richtung gearbeitet hatten, so weit ich sie kannte, angeführt habe. Und schon neben diesen von mir angeführten Arbeiten, namentlich denen von Joule, konnte damals von einem Prioritätsanspruch für mich nicht mehr die Rede sein, so weit überhaupt in Bezug auf das allgemeine Princip von einem solchen die Rede sein konnte.

Wenn meine Litteraturkenntniss zu jener Zeit 1847 noch unvollständig war, so bitte ich dies damit zu entschuldigen, dass ich die vorliegende Abhandlung in der Stadt Potsdam ausgearbeitet habe, wo sich meine litterarischen Hülfsmittel auf die der dortigen Gymnasialbibliothek beschränkten, und dass damals die „Fortschritte der Physik" der Berliner physikalischen Gesellschaft und andere Hülfsmittel noch fehlten, mit denen es jetzt allerdings sehr leicht geworden ist, sich in der physikalischen Litteratur zu orientiren.

6) Zu Seite 42. Der Begriff des Potentials eines Körpers, beziehlich einer electrischenLadung auf sich selbst ist hier in etwas anderer Bedeutung genommen, als dies später in der -wissenschaftlichen Literatur gewöhnlich geschehen ist Ich konnte in der sehr spärlichen, mir damals zugänglichen Literatur keinen Vorgänger für den Gebrauch dieses Begriffs finden, und habe mich deshalb bei seiner Bildung durch die Analogie des Potentials zweier verschiedener Ladungen gegen einander (V im Texte) leiten lassen. Wenn man sich deren Träger als congruent und entsprechende Flächenstücke als gleich stark geladen vorstellt, so lässt sich das Potential V der beiden bilden. Nun kann man sich die beiden Körper in congruente Lage übergeführt denken; dann wird V das, was ich hier mit W bezeichnet habe. Darin kommt jede Combination je zweier electrischer Theilchen e und e zweimal in Kechnung. Das so gebildete W ist nicht der Werth der Arbeit, wie auch im Texte festgestellt wird, sondern der letztere ist 1 W (S. 43).J) In meinen späteren Arbeiten habe ich mich dem zweckmässigeren Gebrauche anderer Autoren angeschlossen und | W als das Potential des Körpers auf sich selbst bezeichnet. S. darüber auch den folgenden Aufsatz.

1) Die betreffende Stelle war im Original am Schluss als Berichtigung eingeführt.

III.

Erwiderung auf die Bemerkungen von Hrn. Clausius.

Poggendorff's Annalen Bd. 91. S. 241—260 (1854).

wi Hr. Clausius greift in diesen Annalen Bd. LXXXIX,

S. 568 einige Stellen meiner Schrift über die Erhaltung der Kraft an. Bei dem ersten Punkte, den er behandelt, die Ableitung des Gesetzes der Wärmeentwickelung bei electrischen Entladungen aus dem Principe von der Erhaltung der Kraft betreffend, ist seine Polemik durch ein vollständiges Missverständniss dessen, was ich gemeint und ausgesprochen habe, bedingt.

Ich soll nämlich von der irrigen Ansicht ausgegangen sein, das, was ich Potential einer Masse auf sich selbst genannt habe, sei gleich der gethanen Arbeit, während es doch in Wahrheit doppelt so gross ist, und als Beleg dafür citirt Clausius auf S. 569 seines Aufsatzes eine Stelle aus S. 39 meiner Schrift so, als hätte ich diese Stelle allgemeingültig hingestellt, während ich ihr vielmehr besondere Annahmen vorausgeschickt habe, welche Bedingungen ihrer Gültigkeit sind. Wenn aber auch meine Worte in jener Stelle vielleicht einen Zweifel erregen konnten, so habe ich doch auf der folgenden Seite den auch von Clausius citirten mathematischen Ausdruck für die durch zwei electrisirte Körper repräsentirte Arbeit gegeben, aus der meine Ansicht über diesen Punkt jedenfalls ganz unzweideutig zu entnehmen war. Man braucht nur den einen der beiden Körper als unendlich gross und unendlich entfernt anzunehmen, so erhält man die Arbeit, welche der electrischen Vertheilung in dem anderen Körper entspricht, gleich dem halben Potentiale seiner Electricität auf sich selbst, also übereinstimmend mit Clausius gleich dem, was dieser ganzes Potential genannt hat. Ich habe diese Folgerung an jener Stelle nicht ausdrücklich ausgesprochen, weil wir es, streng genommen, nie mit einem electrischen Körper allein zu thun haben, sondern stets mindestens mit zweien, von denen der zweite die Erde sein kann, wa Doch findet sich die genannte Folgerung für ganz analoge Verhältnisse bei Magneten auf S. 63 meiner Schrift, wo ausdrücklich das halbe Potential eines Magneten auf sich selbst als Maass der Arbeit anerkannt wird.1)

Meine Beweisführung geht nicht von einer falschen Annahme über das Arbeitsäquivalent des genannten Potentiales aus, sondern hat im Gegentheile den Zweck dies Arbeits-Aequivalent erst zu finden. Bei einer Bewegung zweier electrisirten Körper ohne Aenderung der Vertheilung ist, wie ich unmittelbar vorher gezeigt habe, der Gewinn an Arbeit der Differenz des Potentials der electrischen Massen aufeinander gleich. Jetzt musste auch der Arbeitsgewinn bei Aenderung der Vertheilung gefunden werden. Dies geschah durch die Betrachtung eines Falles von Entladung, wobei ich die wirkende Electricität so in vier electrische Massen eintheilte, dass die Arbeit, welche bei der Entladung durch Vertheilungsänderungen dieser vier Massen entstand, gleich Null war, indem nämlich zwei von diesen vier Massen ihren Platz und ihre Vertheilung behielten, zwei andere von gleicher Grösse und entgegengesetztem Zeichen beides vertauschten, wodurch offenbar keine Arbeit gewonnen oder verloren wird. Es wurde dadurch also ein Fall von Bewegung mit Vertheilungsänderung auf einen ohne Vertheilungsänderung zurückgeführt, und es konnte deshalb die gewonnene Arbeit gleich der Differenz der Potentialsumme gesetzt werden. Allerdings habe ich den Grund, warum letzteres geschehen konnte, dem Leser zu ergänzen überlassen. Wenn Hr. Clausius meinen Beweis in diesem Sinne ansieht, wird er ihn, denke ich, richtig finden.

Zweitens nimmt Clausius Anstoss daran, dass ich eine von Vorsselman de Heer aus den Versuchen von Riess

1) Siehe auch S. 45 und Zusatz 6 zur vorigen Abhandlung.

gezogene Folgerung aufgenommen habe, welche eine unerlaubte Verallgemeinerung der durch die Versuche gewonnenen Resultate enthalte. Er hat nicht bemerkt, dass ich dabei selbst auf 2*a den Aufsatz von Riess verwiesen habe, welcher die Bedenken gegen eine solche Verallgemeinerung enthält. Ich habe also nichts Unsicheres als sicher, und nichts Lückenhaftes als vollständig ausgeben wollen. In seiner eigenen Untersuchung der Sache gelangt Clausius zu dem Ergebnisse, dass die Schlussweise von Vorsselman de Heer, die ich, indem ich sie citirte, mindestens als berücksichtigenswerth bezeichnet hatte, für den vorliegenden Zweck vorläufig ganz unbrauchbar sei. Es könnte also scheinen, als sei ich ganz unberechtigt gewesen, auf jene Folgerungen hinzuweisen. Indessen bitte ich zu bemerken, dass Clausius zu dieser vollständigen Verwerfung nur dadurch kommt, dass er schliesslich auch das von Riess aus seinen Versuchen abgeleitete Gesetz als unsicher verwirft. Hebt man die thatsächliche Grundlage auf, so fallen natürlich auch alle Folgerungen daraus zusammen. Wir wollen zunächst also festzustellen suchen, was von den Schlüssen von Vorsselman de Heer stehen bleibe und für unseren Zweck brauchbar sei, wenn wir die Gesetze von Riess so weit als gültig betrachten, wie dieser es selbst als erlaubt ansieht, und ausserdem nur dieselbe Annahme als wahrscheinlich beibehalten, welche Clausius selbst anwendet, wo er aus dem theoretischen Principe zu folgern sucht, dass die Wärmeentwickelung in den einzelnen Theilen des Schliessungsdrahtes dem Producte aus Quantität und Dichtigkeit der Electricität in der Batterie proportional sein müsse, die Annahme nämlich, dass bei Schliessungsbögen von grosser reducirter Länge gegen die in den continuirlichen Theilen des Schliessungsbogens entwickelte Wärmemenge die Arbeits-Aequivalente der übrigen Entladungsvorgänge verschwinden. Diese Annahme ist in der That deshalb höchst wahrscheinlich richtig, weil die im ganzen continuirlichen Theile des Schliessungsbogens entwickelte Wärme bei wachsender Länge desselben nach den Gesetzen von Riess fortdauernd wächst, und alle übrigen bekannten Entladungswirkungen dagegen fortdauernd abzunehmen scheinen. Unter diesen Umständen können wir folgern, dass mindestens bei

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