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also die mittlere Geschwindigkeit u der strömenden Flüssigkeit gegeben durch die Gleichung:

u . n r2 = U = 2~ r*f

also: l . , ,...

U « Y Ä . rJ. (14b)

Dagegen ist:

ÖK 4U

0^ = 2^ = -' (14c)

also die durch jeden Querschnitt in der Zeiteinheit geführte Elektricitätsmenge:

J-2n(9t-9m), (14d)

d. h. der elektrische Strom ist unabhängig von den Dimensionen des Rohres, und der mittleren Geschwindigkeit der strömenden Flüssigkeit proportional. Die Unabhängigkeit von Länge und Weite des Rohres bei gleichbleibender mittlerer Geschwindigkeit findet Hr. Edlund bestätigt. Aber andererseits findet er die elektrische Strömung eher den Quadraten der Geschwindigkeit (oder den Drucken) proportional, als den Geschwindigkeiten in erster Potenz.

Ich will hier noch darauf aufmerksam machen, dass rar die Versuche dieser Art die Unabhängigkeit der Wirkung vom Durchmesser des Rohres aus der Annahme einer Elektrisirung 38i der Flüssigkeit an der Gefässwand folgt und also nicht als Gegengrund gegen diese Annahme benutzt werden kann, wie es Hr. Edlund (1. c. p. 188) thut.

Wenn grosse Widerstände in den Galvanometerkreislauf eingeschaltet wurden, so musste ein Rückstrom beginnen. Ist io der Widerstand des Galvanometers und w, der der Wassersäule, i und i'j die entsprechenden Stromstärken, so ist:

iw = ij wx, i + J'j = J, wo J, wie vorher, die den Elektroden durch die Wasserbewegung zugeführte Elektricitätsmenge bezeichnet. Es ergiebt sich daraus:

Jte.

i = ---'—,

io + ir,

sodass die Intensität im Galvanometer, wie Hr. Edlund wiederum bestätigt, bei gleichbleibendem Zustande in der Wasserröhre, also bei gleichbleibendem J und te1, dem gesammten Widerstände des ganzen Kreises sich umgekehrt proportional verhält.

Bei Hrn. Edlund's Versuchen war die mittlere Geschwindigkeit 8,3 bis 11,5 m in der Secunde. Die 140 bis 280 mm langen Röhrenstücke zwischen den Zuleitungsdrähten lurchschoss das Wasser also in ^, bis ^ Secunde. Die weiteren äöhren hatten 5 bis 6,4 mm Durchmesser. Unter diesen Umtänden ist anzunehmen, dass nur die äussersten Schichten des Hassers von der Reibung erheblich verzögert werden konnten. )ie gefundenen mittleren Geschwindigkeiten waren in der That och etwas mehr als halb so gross, als die den Drucken ohne «ibung entsprechenden Ausflussgeschwindigkeiten (14,23 und ),13 m) hätten sein sollen. Unter diesen Umständen musste ;r Differentialquotient du/dN einen viel höheren Werth bellten, als wenn durch längere Wirkung der Reibung auch 5 Mitte des Stromes verminderte Geschwindigkeit gehabt tte, und bei den grösseren Geschwindigkeiten musste er verItnissmässig noch grösser werden. So erklärt sich sowohl, >8 die letzteren in den weiten Röhren eine elektrische Wirig zeigen, die nahehin dem Quadrate der Geschwindigkeit sss portional ist, während sich in den engeren Proportionalität

der ersten Potenz, welche theoretisch zu erwarten ist, dich findet

Auch ergeben die beiden weiteren Röhren, wenn man nach Formel (14d) rechnet, elektrische Momente im destillirten «er von 31 Daniell für den Druck von 1 Atmosphäre,

für 2; für Brunnenwasser 13,94 und 15,24 Daniell; Werthe, nel höher sind als die vorher berechneten. Unter den gebenen Umständen erklärt sich diese Abweichung der enwerthe daraus, dass die Wasserbewegung nicht, wie in \Weitung der Gleichung (14d) vorausgesetzt wurde, dem euille'sehen Gesetze entsprach.

Dass Gleitung an den Wänden nicht stattfinde, haben wir en Versuchen von Hrn. Quincke über Fortführung des ers durch den elektrischen Strom in engen Glasröhren eisen können. Dabei war die Strömungsgeschwindigkeit jering, und die Substanz der Wand gut benetzbar. Ob

> b o 11 ■ , winenKh Abhudlunftn. 57

die Grenzschicht der Flüssigkeit aber auch bei grösseren Stromgeschwindigkeiten oder an schlecht benetzbaren Substanzen, wie Schwefel Schellack u. s. w. fest liegen würde, scheint mir noch nicht verbürgt zu sein. Dass Wasser sa Gold einen gewissen Grad von Gleitung zeigt, haben die oben citirten Versuche von Hrn. Piotrowski erkennen lassen. Sobald Gleitung eintritt, wird aber die Fortführung der elektrischen Grenzschicht viel schneller geschehen, als wenn die Flüssigkeit festhaftet. Dem entsprechend würden alle die besprochenen Wirkungen bei gleichbleibender Spannungsdifferem an der Wandfläche viel stärker auftreten, als bei der von uns gemachten Voraussetzung, dass l = 0 sei. Auch könnte der Umstand, dass viele von den schwer benetzbaren Substanzen, wie namentlich Schwefel, mit der Zeit abnehmende Wirkungen zeigen, damit zusammenhängen, dass die Flüssigkeit anfangs schwächer, später fester haftet.

XLVI.
Ueber Bewegungsstrome am polarisirten Piatina.

Alis: Wiedemann's Annalen Bd. XI. 8. 737—759. — Monataberichte der Berliner Akademie vom 11. März 1880.

Meine unter dem 7. Februar 1879 der Akademie mitge- 737 theilten Betrachtungen über die capillar-elektrischen Phänomene veranlassten mich zu untersuchen, inwieweit ähnliche Vorgänge bei den Bewegungen einer elektrolytischen Flüssigkeit längs polarisirter Platinplatten stattfänden. Dass bei solchen Bewegungen starke Veränderungen der Stromstärke vorkommen, war seit alter Zeit bekannt. Ich habe der Akademie schon am 26. Nov. v. J. über diese Versuche berichtet.

Dabei mischten sich aber verschiedene, bisher noch nicht eingehend untersuchte Einflüsse ein, die, wie mir scheint, hauptsächlich durch Eintritt und Ausscheiden occludirten Wasserstoffs in das Piatina bedingt sind, zum Theil auch durch die "Widerstandsänderungen, welche die Fortführung der Jonen in der Flüssigkeit hervorbringt. Diese Vorgänge erforderten noch eine besondere Untersuchung, ehe die ziemlich verwickelten Wirkungen der Flüssigkeitsströmung unter einheitliche Gesichtspunkte gebracht werden konnten. Im Folgenden gebe ich eine Zusammenfassung der von mir gefundenen Ergebnisse.

Methoden der Beobachtung.

Es handelte sich darum, die Wirkungen, welche die Polarisation jeder einzelnen Elektrode hervorbringt, unabhängig von der gleichzeitigen Polarisation der anderen Elektrode zu untersuchen. Dabei mussten Verunreinigungen der elektrolytischen Flüssigkeit auch mit den minimalsten Mengen solcher 7S8 Metalle, die durch Wasserstoff reducirt oder durch Sauerstoff als Superoxyde niedergeschlagen werden können, vermieden werden.

Die folgenden Versuche sind angestellt an Elektroden von Platindraht (0,5 mm dick, 60 mm lang, in Glas eingeschmolzen, wo sie die Flüssigkeitsoberfläche schnitten), welche in Wasser, das mit Schwefelsäure ein wenig säuerlich gemacht war, tauchten. Die einem solchen Drahte entgegengestellte zweite Elektrode bestand in einzelnen Versuchsreihen, wo der Platindraht hauptsächlich als Kathode gebraucht wurde, aus Zinkamalgam, welches unter diesen Umständen keine Polarisation annimmt und bei den schwachen Strömen, die gebraucht wurden, nur sehr langsam Zink an die Flüssigkeit abgiebt In vielen anderen Versuchsreihen wurde dagegen statt einer einfachen zweiten Elektrode ein Paar ton Platinplatten gebraucht, zwischen denen dauernd durch zwei D an i eil 's ein schwacher, Wasser zersetzender Strom unterhalten wurde. Diese beiden letzteren waren ohne Thonzelle und so eingerichtet, dass man durch tägliches Zugiessen von etwas mit Schwefelsäure angesäuertem Wasser die Schicht entfernen konnte, in der die unten stehende schwere Kupfervitriollösung in das darüber stehende saure Wasser düfundirte. So war es möglich, die beiden Elemente viele Monate lang fortdauernd wirken zu lassen und in unverändertem Zustande zu erhalten. Die Batterie war ausser durch die beiden Platinplatten in der Flüssigkeit auch noch durch einen Widerstand von 2000 Quecksilbereinheiten (Siemens'sche Widerstandsscalen) geschlossen, und von einer beliebig veränderlichen Stelle dieser Nebenleitung eine metallische Leitung durch ein kleines, schnell bewegliches und schnell gedämpftes Thomson'sches Galvanometer zu der drahtfönnigen Platinelektrode geführt Da durch die fortdauernd, wenn auch unsichtbar vorgehende Wasserzersetzung jede Spur einer hinzukommenden anderen Polarisation der grossen Platinplatten bald ausgeglichen wird, und die Drahtelektrode ausserdem wegen ihrer kleinen Oberfläche eine erhebliche Polarisation annehmen kann, ehe diese auf der etwa 50 mal grösseren Oberfläche der

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