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liegenden Wasserschichten, in denen das entsprechende Jon mit seinen elektrischen Aequivalenten aufgehäuft ist. Dieser bewegliche Theil der elektrischen Grenzschicht wird stromabwärts zusammengedrängt, und wo er eine hinreichende Dicke gewinnt, wird das Jon unter elektrischer Neutralisation frei werden. Ist das Jon das Anion der Flüssigkeit (O), so wird die Entwicklung desselben + E aus der Elektrode austreten machen, unmittelbar nachher wird neues (— O —) von der Flüssigkeit her zuströmen und die Doppelschicht wieder herstellen. Beides giebt einen anodischen Strom. Dagegen würde eine Schicht des Kation bei Wasserströmung einen kathodischen Strom geben müssen. Die Erschütterungsströme werden um so stärker werden, je mehr von dem betreffenden Jon angesammelt, und je näher es der Grenze des Freiwerdens ist; 759 also 1) bei elektromotorischen Kräften, die zur dauernden Zersetzung genügen oder beinahe genügen, 2) bei grösserem positiven Werth der galvanischen Constante (G K) für die anodischen Ströme, bei grösserem negativen für die kathodischen Ströme.

Die am Piatina beobachteten Erscheinungen entsprechen diesen Voraussetzungen, wenn wir annehmen, dass wasserstofffreies Piatina sehr schwach positiv gegen die von mir als Elektrolyt gebrauchte sehr verdünnte Schwefelsäure ist, dass das im massigen Grade mit Wasserstoff beladene Piatina einen grösseren positiven Werth von (G K) hat, und eine stärkere negative Beladungsschicht in der Flüssigkeit bildet, dass dagegen bei starker Beladimg der galvanische Werth G des Wasserstoffplatins ein Maximum erreicht, K dagegen, welches die moleculare Arbeit der eintretenden Occlusion misst, und nach vollendeter Sättigung in den der Entwickelung freien Wasserstoffs entsprechenden Werth übergegangen sein muss, schnell steigt, und das Metall daher eine positive äussere Grenzschicht von (+H) ausbildet.

Nach den hier gemachten Voraussetzungen würden wir durch die Erschütterungsströme, wenigstens bei mangelndem primären Strome, immer den Sinn der Potentialdifferenz zwischen Flüssigkeit und Metallplatte angezeigt erhalten, indem kathodische Ströme negative Ladung des Metalls, anodische positive Ladung anzeigen.

XL VII.
Eine elektrodynamische Waage.1)

Aus: Wiedemann's Annalen Bd. XIV. 8. 52—54.

6j Um die durch die Veränderungen der Richtung und In

tensität des Erdmagnetismus verursachten Störungen bei der Messung galvanischer Ströme durch ihre elektromagnetische Wirkung zu vermeiden, habe ich mich bemüht eine elektrodynamische Waage zu construiren. An den Enden des Balkens einer kleinen chemischen Waage habe ich statt der Schalen zwei Spiralen von Kupferdraht aufgehängt, deren Höhe ihrem inneren Durchmesser gleich ist. Ihre Axe ist vertical, sie können sich um dieselbe nicht drehen. Zwei grössere, ebenso hohe Spiralen von grösserem Radius werden in einer festen Stellung von einem horizontalen Metallstabe gehalten, der in seiner Mitte an der die Waage tragenden Säule befestigt ist. Die Verbindungen der Drähte sind derart angeordnet, dass die eine der beweglichen Spiralen von der festen angezogen, die andere abgestossen wird. Beide feste Spiralen hegen etwas oberhalb der beweglichen. Die angezogene Spirale hebt sich, die abgestossene sinkt beim Duichleiten des Stromes durch den Schliessungskreis.

Bei der Construction einer solchen Waage sind zwei Schwierigkeiten zu tiberwinden. Erstens muss der Strom in die beweglichen Spiralen ohne Verminderung ihrer Beweglichkeit und ohne Einführung schwach aneinander gepresster Con

1) Aus Prcceedings of the London Roy. Soc. 1881. 7. ApriL

tactstellen, wodurch der Widerstand verändert würde, eingeführt werden. Diese Schwierigkeit liess sich in sehr befriedigender Weise durch Anwendung von Rauschgold beseitigen. Etwa 30 cm lange und 6 — 7 mm breite Streifen hiervon sind sehr «s biegsam, zeigen keine innere Reibung, haben einen sehr massigen Leitungswiderstand und werden infolge ihrer relativ grossen Berührungsfläche mit der Luft nicht leicht erhitzt Jede der beweglichen Spiralen wurde mit den anderen den Strom leitenden Drähten durch zwei solche Streifen verbunden, welche von den am oberen Theil des Glaskastens der Waage befestigten Messingstücken herunterhängen.1)

Die zweite Schwierigkeit ist, die Spiralen in eine solche Lage zueinander zu bringen, dass weder die Stabilität noch die Empfindlichkeit der Waage beeinträchtigt wird. Hierzu darf die Intensität der elektrodynamischen Kraft während der gewöhnlichen kleinen Schwingungen der Waage sich nicht zu sehr ändern. Diese Kraft ist bekanntlich Null, wenn die Mitte der beweglichen Spirale in einer Höhe mit der der festen hegt, sodann bei unendlicher Entfernung beider Spiralen voneinander. Zwischen beiden Lagen existirt ein Maximum der Kraft, welches nahezu der Coincidenz der oberen Fläche der einen mit der unteren Fläche der anderen Spirale entspricht. Zwischen der centralen Lage und den Lagen der Maximalwirkung ist der Differentialquotient der Kraft bei wachsendem Abstand der Mittelpunkte der Spiralen positiv und wird bei Ueberschreitung der Lage der Maximalwirkung negativ. Bei unendlicher Entfernung wird er wieder Null. Zwischen der Lage der Maximalwirkung und der unendlichen Entfernung muss es also eine Lage geben, wo der negative Differentialquotient der Kraft ein Maximum hat, und der zweite Differentialquotient Null ist. Diese Lage muss man den Spiralen geben. Da stets der Abstand des einen Spiralenpaares um ebensoviel vermindert wird, wie der des anderen vermehrt wird, so hängt die Veränderung

1) Solche Streifen von Rauschgold, durch welche ein Strom geleitet wird, und die zwischen die Magnetpole gehängt werden, können sehr gut zur Demonstration der Wirkung des Magneten auf bewegliche Leiter dienen. Sie werden angezogen, abgestossen, gegen die Schwere gehoben, oder in Spiralen um den Magnet gewickelt, je nach der Lage des letzteren.

der Kraft nur vom zweiten Differentialquotienten ab. Ist derselbe positiv, so erzeugt der Strom ein labiles Gleichgewicht: 5i ist er negativ, so wird die Stabilität der Waage vermehrt: d. h. sie ist mit Strom weniger empfindlich als ohne Strom Werden die Spiralen auf die richtige Entfernung gebrach: so wird weder die Empfindlichkeit noch die Stabilät der Waage geändert, und auf diese Weise kann man die richtige Stellung finden.

Ist der Apparat gut eingestellt, so ist der Fehler, welcher bei der Einstellung der Waage gemacht werden kann, nicht grösser als ein Milligramm. Da die durch den Strom ausgeübte Kraft dem Quadrat der Intensität proportional ist, so bestimmt man die Intensität eines Stromes, welcher durch ein Gramm äquilibrirt wird, bis auf '/sooo- Die Kraft, welche der elektrodynamischen Kraft entgegenwirkt und sie misst, ist allen, die Schwere und keinen Schwankungen unterworfen, wie der Erdmagnetismus oder die Elasticität eines gedrillten einfachen oder bifilaren Drahtes, an welchem solche Spiralen aufgehängt sind.

Die Bestimmungen der elektrodynamischen Aequivalente des einem Gegengewicht von 1 g entsprechenden Stromes, welche durch verschiedene Beobachter während des letzten Jahres angestellt wurden, haben eine sein- befriedigende Uebereiiistimmung ergeben.

XLVIII.

Ueber galvanische Polarisation des Quecksilbers

nnd darauf bezügliche neue Versuche des

Hrn. Arthur König.

Aus: Monatsberichte der Berliner Akademie vom 3. November 1881.

Die Oberfläche des Quecksilbers bietet eigentümliche Vor- 915 theile beim Studium der galvanischen Polarisation, die den festen Metallen abgehen. Dies veranlasste mich Hrn. A. König aufzufordern, im hiesigen Universitätslaboratorium eine Reihe von Messungen über die Capillarspannung der galvanisch polarisirten Quecksilberflächen nach einer neuen Methode vorzunehmen, bei welcher der störende Einfluss der so veränderlichen Adhäsion der beiden Flüssigkeiten an den Glaswänden wegfallt, und gleichzeitig die optischen Schwierigkeiten bei der Messung der Niveaudifferenz zwischen der oberen Fläche und dem grössten Umfange eines ruhenden Quecksilbertropfens vermieden werden. Hr. König hat zu dem Ende die Oberflächenspannung in einem Quecksilbertropfen bestimmt, der durch einen festen kreisförmigen Glasrand von 9 mm Durchmesser begrenzt war. Die scharfe Kante dieses Randes war die Schnittlinie zweier unter 45° gegen die Verticale geneigter Schliffflächen. Der Tropfen wurde so weit hervorgedräugt, bis die Krümmung in der Mitte seiner oberen Fläche ein Maximum erreichte. Diese Krümmung selbst konnte durch das Ophthalmometer mit grosser Schärfe gemessen werden. Die Integration einer von Poisson aufgestellten Differentialgleichung ergiel dann eine Beziehung zwischen Krümmungsradius und Obe

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