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lergränze bei der Bestimmung des Sauerstoffs ist somit diesen Versuchen zufolge so weit hinausgerückt, dass sich die Menge desselben noch in weniger, als einem Zehntel Milligramme Ozon bestimmen lassen würde.

Der am meisten ins Gewicht fallende Fehler der Methode liegt daher in der Wägung. Bei dieser wurde deshalb ganz besondere Vorsicht angewendet. Es diente dazu eine neue Oertling'sche Waage, die während der ganzen Dauer der Versuche zu keinen anderen Wägungen benutzt, und durch welche sich noch ein Zehntel Milligramm mit Sicherheit ermitteln liess. Die Waage war in einem nicht geheizten Raume von ziemlich constanter Temperatur aufgestellt. Die erste Wägung vor dem Versuch, sowie die zweite nach demselben wurde zwei bis dreimal wiederholt, nachdem der vor dem Anziehen von Feuchtigkeit geschützte Apparat jedesmal in der verschlossenen Waage längere Zeit ciner constanten Temperatur ausgesetzt blieb. Die bei den Wägungen beobachteten Temperatur Differenzen übersticgen nicht 3° C., das Gewicht des Apparats betrug dagegen 36 bis 38 Gramme, mithin konnte der Einfluss der Temperatur vernachlässigt werden. Dagegen wurde die grösste Sorgfalt darauf verwendet, vor der Wägung den vom Durchleiten des elektrolytischen Gases zurück bleibenden Sauerstoff durch einen trocknen Luftstrom zu verdrängen. Auf diese Weise ist es möglich gewesen, die Wägungen mit Genauigkeit bis auf einige Zehntel Milligramme auszuführen. Diess entspricht einer für die gesuchte Zusammensetzung unerheblichen Unsicherheit. ..

Grössere Schwierigkeiten, als bei der Analyse, boten sich bei der Darstellung des Ozons dar. Schwefelsäurehaltiges Wasser, durch den Strom zersetzt, liefert nicht genug Ozon, um dasselbe mit Sicherheit wiegen zu können. Dagegen entwickeln sich bei der Elektrolyse Schwefelsäure baltiger Chromsäure solche Mengen, dass Linien dicke vulkanisirte Kautschukröhren in wenigen Minuten davon zerstört werden, und dass der mit Ozou beladene Sauerstoffstrom init Aminoniakgas weisse Nebel bildet, die sich bei

näherer Untersuchung als salpetersaures Ammoniak erwicsen. Man würde sich demungeachtet sehr irren, wenn man erwarten wollte, das Ozon auf diesem Wege isolirt erhalten zu können. Seine Menge ist vielmehr trotz dieser kräftigen Wirkungen so gering, dass es bei den sämmtlichen nachfolgenden. Versuchen nöthig war, nicht weniger als 7 bis 800 Litres elektrolytisches Knallgas zu entwickeln. In einen Versuch, bei dem 76 Grammen Wasser zersetzt wurden, das mit to Schwefelsäure angesäuert war, kam 1 Milligrm. Ozon auf 150 Litres Knallgas. Chromsäurelősungen, denen noch von der Bereitung Schwefelsäure anbing, lieferten in zwei Versuchen fast übereinstimmend 1 Milligrm. Ozon auf 10 Litres Knallgas. Eine weitere Schwierigkeit stellte sich gleich beiin Beginn der Untersuchung ein. Sie betrifft die Verbindung der verschiedenen Apparattheile. Weder durch Kork, Kautschuk oder irgend andere organische Substanzen lässt diese sich bewerkstelligen. Es wird daher nöthig, die einzelnen Stücke des aus Glasröbren verfertigten Apparates entweder zusammenzuschmelzen, oder, wo diefs nicht thunlich ist, durch Einschleifen in einander zu befestigen. Zudem muss die Gegenwart von freiem Wasserstoff in dem ozonhaltigen Gase vermieden werden, aus Gründen, die ich später angeben werde. Endlich sind sogar die Grössenverbältnisse des Apparats auf gewisse Gränzen beschränkt; über diese hinaus erfordert der sich langsain bewegende Gasstrom bis zu seinem Eintritt in die Jodkaliumlösung eine Zeitdauer, die zur freiwilligen Zersetzung einer erheblichen Menge des Ozons ausreichend ist.

Die Fig. 1 Taf. I. zeigt den zu den Versuchen benutzten Apparat. Er zerfällt in drei Theile: der erste (Fig. 2) dient zur Entwicklung des ozonhaltigen Sauerstoffs, der zweite (Fig. 3) hat die Bestimmung, das Gas zu trocknen, der dritte h (Fig. 1) soll die Zersetzungsproducte des Ozons aufnehmen.

An ein weites Rohr a (Fig. 2), das zur Aufnahine der Thonzelle b bestimmt ist, schmilzt man eine Röhre, wie sie zu gewöhnlichen Gasentwicklungen dient. Etwa einen Zoll über ihrem unteren Ende ist ein Platindraht mit anhängender Platinplatte eingeschmolzen. Letztere dient als positiver Pol und reicht in die an beiden Enden offene Thonzelle hinab. Ein zweites Rohr (Fig. 3), das eben noch bequem über das vorige gestülpt werden kann, hängt durch eine dünnere Röhre e mit dem Trockenapparat f zusammen (vergl. Fig. 1). Auch hier sind die einzelnen Röhrenstücke zusammengeschmolzen. Dieses zweite Rohr (Fig. 3) stützt sich mit seinem untern Ende auf die trichterförmige Erweiterung a der in Fig. 2 abgebildeten Röhre, oberhalb überragt es diese um etwa 1 Zoll. Das in f (Fig. 3) angedeutete Trockenrohr hat die in der Abbildung (Fig. 1) angegebene Neigung, ist 3 Fuss lang und besitzt das Lumen einer weiten Verbrennungsröhre. Es enthält Bimstein, der mit chemisch reiner, concentrirter Schwefelsäure durchtränkt ist. Um die geringste Menge schwefliger Säure, die den ganzen Versuch vereiteln würde, zu zerstören, ist der Bimstein vorher mit reiner Schwefelsäure benetzt und wiederholt durchgeglüht worden. Er erfüllt das Rohr bis zum vordern Ende, während die Schwefelsäure in dem hintern abwärts geneigten Theil sich sammelt und selbst zum Theil in die engere Verbindungsröhre zurücktritt. Auf diese Weise bildet das Gas, nachdem es die Schwefelsäureschicht passirt hat, Blasen, die sich langsam durch die benetzten Bimsteinstücke hindurchziehen. Ueber das vordere Ende des Trockenrohrs wird nun eine eng anschliessende Kappe (Fig. 4) geschoben. Diese besteht aus einem weiten Reagensglase, an welches eine engere kurze Röhre avgeschmolzen ist. Letztere dient zur Aufnahme des Apparates h (Fig. 1), dessen Bestimmung ist, die Zersetzungsproducte des Ozons aufzusammeln. Der kleine Apparat h (Fig. 1) besteht seinerseits aus zwei Stücken, verbunden durch eine von zwei Korken eingeschlossene Glasröhre. Der vordere Kugelapparat enthält eine concentrirte Jodkaliumlösung, der andere, nach hinten gebogene, ist mit concentrirter Schwefelsäure gefüllt, um das mit dem Sauerstoff fortgerissene Wassergas zurückzuhalten. An dem einen Ende

ist er in die kurze Röhre der Kappe eingeschliffen. Vor dem Beginn des Versuchs wird er an dieser Stelle ebenso

wie die Glaskappe mit dem Trockenrohr luftdicht verbun• den. Zu dem Ende umwickelt man die bezeichneten Stellen

mit einer zollbreiten Lage von Platinfolie und überzieht diese mit einer dicken, bis auf das Glas reichenden, Siegellackschicht. An dem entgegengesetzten Ende des Kugelapparats h (Fig. 1), aus welchem der Sauerstoff, nachdem er durch die Schwefelsäure getreten ist, wieder ausströmt, ist noch eine, durch einen trocknen Luftstrom ausgetrocknete und mit einem Chlorcalciumrohr verbundene, Kautschukröhre angebracht, welche der Uebersichtlichkeit wegen auf der Abbildung weggeblieben ist. Endlich wird der Kugelapparat während der ganzen Dauer des Versuchs durch ein Tuch vor Staub geschützt.

Die zur Elektrolyse dienende Flüssigkeit befindet sich in einem Cylinder k (Fig. 1). Die Höhe dieser Flüssigkeitssäule ist dem in den verschiedenen Apparattheilen zu überwindenden Drucke angemessen.

Diese Einrichtung des ganzen Apparats bietet bei seiner Zusammenstellung grosse Vortheile dar. Nachdem zuerst das Trockenrohr mit dem daran hängenden Röhrenstück (Fig. 3) festgestellt ist, wird die Röhre Fig. 2 von unten in die weitere hineingeschoben. Um ihr Herabsinken zu verbindern, kann der Draht des positiven Pols durch einen Kautschukring 1 (Fig. 1) festgeklemmt werden. Alsdavn wird die Thonzelle befestigt und zuletzt der Cylinder ebenfalls von unten nachgeschoben. Diesen selbst stellt man in ein Kühlgefäss m (Fig. 1). Der Cylinder wird hierauf gefüllt und schliesslich der negative Pol n (Fig. 1) in die Flüssigkeit binabgesenkt. Wenn die Entwicklung der Gase bis zur Entfernung der etwa anbängenden Feuchtigkeit fortgesetzt ist, legt man den gewognen, die Jodkaliumflüssigkeit enthaltenden, Kugelapparat vor und verbindet ihn, wie bereits angegeben, luftdicht mit der Kappe.

Wie aus der Zeichnung hervorgeht, tritt allein das am positiven Pole erzeugte Gas durch den Apparat. Um nur einigermassen wägbare Mengen Ozons zu erhalten, mussten unverhältnissmässig grosse Gasvolume durch den Apparat treten. Es war daher von besonderer Wichtigkeit, zu entscheiden, ob die vor und hinter dem Jodkalium befindlichen Trockenröhren genügten, jede Spur von Feuchtigkeit aus den sie durchströmenden Gasen zurückzubalten. Zu diesem Zweck wurden 150 Litres elektrolytisches Knallgas, aus dem das Ozon entfernt war, durch den Apparat geleitet. Der das Jodkaliuin enthaltende Kugelapparat zeigte vor und nach der Wägung nur eine Gewichtsdifferenz von 0,0001 Grm. Bei diesem Versuch sowohl, wie bei den übrigen, wurde der aus sechs, täglich zweimal erneuerten, Kohlenzinkelementen erzeugte Strom inittelst einer eingeschalteten Tangenten - Boussole regulirt. Die absolute Intensität des Stroms, auf die Gauss'sche Einbeit bezogen, schwankte bei einer durchschnittlich siebentägigen Versuchsdauer zwischen 10,6 und 21,8. Somit bewegte sich das den Apparat durchströmende Gas langsam genug, um vollkommen ausgetrocknet zu werden.

Nach diesen Betrachtungen kann ich mich zur Analyse selbst wenden.

Wie schon erwähnt, wirkt das Ozon in der Weise auf die Jodkaliumlösung ein, dafs der im Ozon mit den Elementen des Wassers verbundene Sauerstoff sein Aequivalent Jod unter Bildung von Aetzkali frei macht. Man sieht daher die Jodkaliumnlösung sich nach kurzer Zeit braun färben. Indessen verschwindet diese Farbe bald wieder, indem das ausgeschiedene Jod auf das gebildete Kali zurück wirkt und die Bildung von jodsaurem Kali und Jodkalium veranlasst. Nach längerem Durchleiten des elektrolytischen Sauerstoffs zeigt sich an den trocken gewordnen Stellen des Apparats eine krystallinische Rinde von abgeschiedenem jodsauren Kali, gemengt mit Jodkalium. Versetzt man eine solche Lösung, welche neben jodsaurem Kali und Jodkalium noch freies Jod enthält, mit Chlorwasserstoffsäure, so scheidet diese unter Bildung von Wasser das

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