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ibrer Oberläche lauter ringförmig herumlaufende, mit einander parallele und stark wellenförmig gebogene hervorragende Wülste und an ihrem oberen Ende eine von einem eben solchen wulstförmigen Ringe umgebene Vertiefung zeigen, als das deutlichste Merkmal der durch Herabtröpfeln des Wassers entstandenen Bildung.

An ihrer äusseren Oberfläche sind die Eisensinterzapfen des Hackelsberger Stollens starkglänzend von Harzglanz, wie mit Oel überstrichen, und die wie Schuppen oder flache Zacken hervorragenden Theile derselben sind bald glatt, bald rauh. Die inneren Ablösungsflächen der dünnschaligen Stücke sind oft ganz matt, doch stellenweise auch glänzend; der Bruch der compacteren und etwas dickeren Parthien ist kleinmuschlig bis uneben und dabei glänzend oder wenigglänzend, der Bruch der lockeren Parthien dagegen erdig und matt. In der Farbe unterscheiden sich die dünnschaligen leicht zerbrechlichen Parthien von den festeren. Die ersteren sind gelblichbraun, auf den Ablösungsflächen hin und wieder mit einem sehr dünnen blassgrünlichgrauen Ueberzuge bedeckt, manchmal auch pfauenschweifig-bunt angelaufen; die festeren Parthien sind im Bruche schwärzlichbraun bis pechschwarz. Unter den braunen Eisensinterzapfen, welche durchaus die vorherrschenden sind, findet man zuweilen auch einzelne von schmutzig dunkelgrüner Farbe, aber als grosse Seltenheit. Strich und Strichpulver sind bei allen Farben ochergelb oder lichte gelblichbraun, Als ganze Massen sind die Zapfen undurchsichtig, nur in den allerdünnsten Lamellen durchscheinend mit gelblichbrauner Farbe.

Ausser der Stalaktiten- und Stalagmitenform kommt der Eisensinter im Hackclsberger Stollen auch noch in einer zweiten Form, in der Form mehr oder weniger langer, meistens dünner und hohler gerader cylindrischer Röhren vor, welche sich jedoch gewöhnlich nach unten etwas zuspitzen. Ihre Länge variirt von 1 Zoll bis 2 Fuss. Diese Röhren bilden sich nur an der Firste des Stollens und an hervorragenden Schieferfelsen, von wo sie oft in grosser haltige Wasse...ich befeuchtet, Druck nach u

Menge senkrecht herabhängen. Ihre Entstehung ist ebenso zu erklären, wie die Entstehung der ihnen ganz ähnlichen Kalksinterröhren in manchen Tropfsteinhöhlen. Das eisenhaltige Wasser, welches die Decke und die Wände des Stollens continuirlich befeuchtet, fliesst an vielen Stellen zu Tropfen zusammen. Durch den Druck nach unten und nach der Mitte der untern Wölbung des Tropfens überwiegt zuletzt bei zunehmender Grösse des Tropfens das Gewicht desselben über seine Adhäsion an das Gestein und der Tropfen trennt sich von dem letztern und fällt herab, worauf immer wieder ein neuer an seiner Stelle entsteht, welcher dasselbe Schicksal bat. Dadurch, dass fortwährend neues Wasser nachfliesst und den Tropfen vom Rande seiner Basis aus vergrössert, setzt sich an eben diesem Rande allmälig etwas von dem schwefelsauren Eisenoxydbydrat, welches in dem Wasser aufgelöst ist, in Form eines braunen Ridges ab. Im innereu Theile der Basis des Tropfens findet ein solcher Absatz nur schwach statt, weil das den Tropfen unausgesetzt vergrössernde Wasser innmer nur vom Rande desselben herabfliesst und ebendaselbst auch die Verdunstung des Wassers am stärksten ist, mithin auch der Absatz nur vorzugsweise und merklich an diesem ringförinigen Rande erfolgen kann. Bedenkt man nun, dass dieser Process anhaltend vor sich geht, so muss durch den fortgesetzten Absatz von Eisensintermasse an dem Ringe dieser letztere immer dicker und zu einem sich allmälig mehr erhöhenden ringförmigen Rande oder zu einer kurzen hohlen cylindrischen Röbre werden, an deren unterem Rande sich nun das herabfliefsende Wasser ansammelt und durch fortwährenden Absatz von Eisensulphat den Cylinder nach unten verlängert. Man trifft daher ain unteren Ende eines jeden dieser Cy. linder stets einen Wassertropfen, der sich, wenn er her: abfällt, immer wieder durch einen neuen ersetzt. Wenn nun dieser Vorgang lange Zeit so fortdauert, so müssen nothwendig zuletzt lange cylindrische Röhren entstehen, wie sie der Eisensinter im Hackelsberger Stollen darbietet. Die meisten dieser Röhren sind so zart und dünn, dass sie bei der leichtesten Berührung zerbrechen, wobei dann oft Wasser aus ihrer Höhlung herausfliesst. Doch giebt es auch dickere Röhren dieser Art, welche verhältnissmäfsig kürzer sind und auch eine grössere Festigkeit besitzen. Manche Röhren haben nur eine Hülle, welche bald stärker bald schwächer ist; andere sind von etlichen oder mehreren enge um einander herum liegenden, oft selbst papierdünnen Hüllen umschlossen, welche sich leicht von einander ablösen lassen. Im Innern sind die Röbren entweder ihrer ganzen Länge nach hohl, oder sie sind mit einer feinerdigen sehr weichen zerreiblichen hellgelben ocherigen Materie angefüllt, welche dieselbe chemische Beschaffenheit hat wie die Masse des festen Eisensinters. Die ocherige Ausfüllung ist zuweilen selbst wieder durch eine feine hohle Röhre perforirt, oder sie nimmt den inneren Raum ohne Unterbrechung ein. In Farbe, Glanz, Bruch u. dergl. stimmen die cylindrischen Röhren ganz mit den Stalaktiten und Stalagmiten des Eisensinters überein.

Die geraden cylindrischen Röhren hängen aber nicht allein isolirt von der Firste des Stollens berab, sondern bäufig sind sie die Verlängerungen der vach unten sich zuspitzeuden Stalaktiten, also eine sich fortsetzende Bildung der letzteren. In diesem Falle endigen sie entweder frei mit ibrein sich unten etwas verschinälernden Ende, oder sie reichen bis zur Spitze eines Stalagmiten herab, welcher dadurch mit dem an der oberen Basis der Röhre befindlichen Stalaktiten in Verbindung gesetzt ist. Auch dieses ist eine bei Kalksintern nicht selten vorkommende Erscheinung, welche hier beim Eisensinter nach eben demselben Bildungsgesetze wiederkehrt. Durch ein lange fortgesetztes Herabtröpfeln des Wassers von der Spitze eines Stalaktiten oder einer Eisevsinterröhre und das lagenweise Absetzen von Eisensulphat wird an der gerade gegenüberliegenden Stelle auf der Sohle natürlich nach und nach cin Stalagmit gebildet, und indem dieser immer höher und die Röhre nach unten zu immer länger wird durch das an

beiden Stellen auf dieselbe Weise bildend fortwirkende Wasser, so müssen zuletzt beide Gebilde in Berührung mit einander kommen und dadurch die erwähnte Verbindung darstellen. Ist diese Verbindung zu Stande gebracht und die Wirkung des herabtröpfelnden Wassers dauert noch lange fort, so wird die Verbindungsröhre immer kürzer, während Stalaktit und Stalagmit an Länge und an Umfang zunehmen. Wo viele solche durch Zwischenröhren mit einander verbundene Stalaktiten und Stalagmiten in einem kleinen Raume nahe bei einander stehen, gewähren sie einen Anblick wie Orgelpfeifen.

Es wäre wohl der Mühe werth, von den schönen und grossen stalaktitischen Formen des Hackelsberger Eisensinters Exemplare in ihrem ganzen Umfange aufzubewahren. Dieses ist jedoch wegen ihrer ausserordentlichen Zerbrechlichkeit sehr schwierig, auf die Dauer fast unmöglich. So wie die Exemplare aus der Grube kommen, sind sie noch durch und durch feucht, und wenn sie auch, wie dieses bei denen von älterer Bildung der Fall ist, einige Consistenz besitzen, so werden sie doch bei zunehmender Austrocknung nach einiger Zeit so mürbe und locker, dass sie bei dem geringsten Drucke mit der Hand, ja oft auch von selbst, während sie ruhig daliegen, besonders in der Sommerwärme, auseinander fallen. Nur unter den grossen und dicken Exemplaren giebt es zuweilen einzelne von grösserer Festigkeit, die sich bei sorgfältiger Verwahrung transportiren lassen; doch inuss man sie in jedem Falle vor zu schneller Austrocknung schützen '). Noch zerbrechlicher als die Zapfen sind die dünnen cylindrischen Röhren; diese lassen sich nicht anders als in kleinen Fragmenten aufbewahren.

Was das Verhalten des Hackelsberger Eisensipter ge

1) Ein schönes Exemplar eines Hackelsberger Eisensiplerstalagmiten 1 par.

Fuss Länge und an der Basis 3 Zoll Dicke habe ich in Mineraliencabinet der Breslauer Universität niedergelegt; derselbe hat sich bisjetzt fast unverschrt crhalten, jedoch an seinem untern Theile schon eine Menge Sprünge bekommen.

gen Wasser und Säuren betrifft, so ist er im Wasser 11auflöslich, in concentrirter Salzsäure aber löst er sich pulperisirt zu einer hellgelben durchsichtigen Flüssigkeit auf. Seine chemische Zusammensetzung ergiebt sich im Allgemeinen schon aus seiner Entstehung aus dem init schwefelsaurem Eisepoxyd imprägnirten Stollenwasser. Im Glaskolben giebt er Wasser und beim Glühen wird er roth unter Entwicklung von schwefliger Säure. Nach einer vom Hrn. Dr. C. Hochstetter in Brünn auf ineine Bitte ausgeführten Analyse sind die chemischen Bestandtheile eines der festeren stalagmitischen Exemplare dieses Eisensinters folgende:

64,34 Eisenoxyd
15,19 Schwefelsäure
20,70 Wasser

0,61 Bleioxyd
Spuren von Kupfer und Arscnik

100,84. Diese Verhältnisse scheinen jedoch, wie Hr. Dr. Hochstetter bemerkt, nicht constant zu seyn; der Gehalt an Schwefelsäure und Wasser hängt nach seiner Ansicht von Umständen ab, welche bei der Bildung einwirkten, und er setzt daher den Werth seiner Analyse nur darin, dass sie feststellt, dass der in Rede stehende Eisensinter basischschwefelsaures Eisenoxyd mit chemisch gebundenem Wasser ist. Der geringe Blei-, Arsenik- und Kupfergehalt ist nach ibm nur eine zufällige Beimischung

Den aus dem Wasser, welches aus dem Hackelsberger Stollen abfliesst, sich absetztenden gelben Ocher hat Hr. Dr. Hochstetter gleichfalls analysirt und denselben auf folgende Weise zusammengesetzt gefunden.

69,81 Eisenoxyd

8,06 Schwefelsäure
16,19 Wasser

0,92 Bleioxyd
Eine Spur von Arsenik

6,12 Bergart
101,10.

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