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Dieser Ocher enthält also dieselben Bestandtheile, wie der feste stalagmitische Eisensinter, aber in etwas abweichenden Verhältnissen. Am meisten abweichend ist der Schwefelsäuregehalt; die Quantitäten des Eisenoxyds und Wassers dagegen sind denen im festen Eisensinter annähernd, und man darf daher jenen Ocher wohl mit Recht als eine blosse feinerdige Varietät des Eisensinters betrachten. Da beide aus demselben Stollenwasser sich bilden, so erscheinen sie nur als zwei verschiedene Zustände einer und derselben Substanz. In den Eisensinterröhren kommen sie. überdiess in unnittelbarer Verbindung mit einander vor; denn der im Innern dieser Röhren oft eingeschlossene Ocher ist mit demjenigen identisch, welchen das Wasser im Grunde des Stollens absetzt.

Ein am Rammelsberge bei Goslar am Harz vorkommender gelber erdiger Ocher stimmt mit dem Hackelsberger Ocher in den chemischen Verhältnissen seiner wesentlichen Bestandtheile so ungemein nahe überein, dass die Identität beider nicht zu verkennen ist. Derselbe enthält nach Jordan ');

68,750 Eisenoxyd

9,796 Schwefelsäure
15,524 Wasser
1,293 Zinkoxyd
0,500 Kupferoxyd

4,137 Bergart

100. Noch ein anderer, den beiden genannten ganz ähnlicher gelber Ocher, der von Berzelius so genanote Vitriolocher von Fahlun ist zwar qualitativ im Wesentlichen gleichfalls mit ihnen übereinstimmend, weicht aber in den quantitativen Mischungsverhältnissen ebenso von ihnen ab, wie der Tlackelsberger stalaktitische Eisensinter von dem ocherigen, und steht daher in diesen Verhältnissen jenem am nächsten. Auch ein mit dem oben erwähnten erdigen Ocher vom Rammelsberge bei Goslar vorkommender sogenannter muschli1) Erdmann's Journ, für prakt. Chemie, Bd. IX. 1836. S. 95 ff.

ger Ocher (Eisensinter) stimmt in seinen chemischen Verhältnissen sowohl mit dem Hackelsberger stalaktitischen Eisensinter, als mit dem Vitriolocher von Fahlun im Wesentlichen fast ganz überein, wie aus folgender Zusammenstellung erbellt.

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1. Stalaktitischer
Eisensinter vom
Hackelsberge bei
Zuckmantel, nach
Hochstetter. 64,3 15,19 20,70 0,61 - Spur
2. Sogen. musch-

(nebst Arliger Eisenocher

| senik) von Goslar, nach Jordan. .... 63,834 13,585 18,454 - ! 1,232 0,875 2,00 3. Vitriolocher. von Fahlun, nach Berzelius. 62,46 16,00 21,54

Es ist biernach keinem Zweifel unterworfen, dass alle diese Eisensulphate zusaminengebören, dass ihre chemischen Verhältnisse zwar etwas schwankend, aber doch in gewisse Gränzen eingeschlossen sind, und dass man nach dem äufseren Habitus zwei Varietäten zu unterscheiden bat, eine feste stalaktitische, wozu auch der sogenannte muschlige Eisenocher von Goslar gehört, und eine erdige oder ocherartige Varietät.

Es ist bekannt, dass der gewöhnliche Eisensinter Werners oder der Pitticit Hausmanns im Wesentlichen aus wasserhaltigein arseniksaurem Eisenoxyd oder auch aus einer Verbindung von solchen mit einem geringen Antheile von schwefelsaurem Eisenoxyd besteht. Mit diesem arseniatischen Eisensinter stiinint nun der sulphatische Eisensinter des Hackelsberger Stollens in allen physischen Kennzeichen so sehr überein, dass beide nur als Arten einer und derselben Gattung zu betrachten sind, deren Hauptunterschiede in der chemischen Zusammensetzung liegen. Der arseniatische Eisensinter zerfällt in den gemeinen und in den Nertschinskischen (Arseniksinter, Hermann), wie ich beide

schon in meiner Synopsis ') unterschieden habe; der sulphatische oder Schwefeleisensinter erscheint in den beiden zuvor erwähnten Varietäten, dem festen stalaktitischen und dem erdigen oder ocherartigen (Sulphatocher), zu welchem letztern der gelbe erdige Ocher vom Rammelsberge bei Goslar und der Vitriolocher von Fahlun gehört. Der gemeine arseniatische Eisensinter bildet durch diejenigen Varietäten, in welchen der in der Mischung enthaltene Antlieil von schwefelsaurem Eisenoxyd etwas grösser ist, eine Annäherung an den sulphatischen Eisensinter, und kann in eine wirkliche Mittelbildung zwischen beiden übergehen.

Die geringen Beimischungen von Blcioxyd, Kupfer und Arsenik, welche der Hackelsberger Eisensinter nach den Analysen des Hrn. Dr. Hochstetter enthält, erklären sich leicht aus den Einmengungen der Gesteine des Hackelsberger Stollens, in welchem sowohl der stalaktitische als der ocherartige Eisensinter durch das aus allen Klüften der Felsmassen hervordringende und von der Decke und den Wänden des Stollens herabträufelnde Wasser sich bildet. Der quarzig-talkige Schiefer und der Thonschiefer des Stollens enthalten nämlich nicht allein eine Menge eingesprengten Bleiglanz, Schwefelkies und Kupferkies, sondern auch ganze Gänge von Bleiglanz und brauner gemeiner Zinkblende mit untermengtem Kupferkies. Zuweilen kommt auf diesen Gängen auch Kupferschwärze vor, besonders in der Näbe und als unmittelbare Umgebung des Kupferkieses, aus welchem sie wahrscheinlich durch Uinwandlung entstanden ist; noch seltener finden sich kleine Parthien von dichtem Malachit und von krystallinischer Kupferlasur. Der Schwefelkies scheint zum Theil arsenikbaltig zu seyn, so wie er auch wahrscheinlich sehr feine Gold- und Silbertheilchen enthält. Unter diesen Erzen ist der Schwefelkies am meisten der Zersetzung ausgesetzt. Die dadurch entstehende Schwefelsäure verbindet sich mit dem in Eisenoxyd umgewandelten Eisen des Schwefelkieses und mit einem Antheile des reichlich vorhandenen Wassers zu wasserbaltigem basisch1) Generum et specierum mineralium Synopsis. Halue, 1847, p. 63.

schwefelsaurem Eisenoxyd, welchem sich dann leicht auch geringe Mengen von Blei und Kupfer aus den anderen zersetzten Erzen und Arsenik aus dem Schwefelkiese selbst beimischen können. Dass in dem durch den Absatz aus dem Stollenwasser sich bildenden Ocher Spuren von Arsenik enthalten sind, ist um so weniger zu verwundern, weil nach neueren Erfahrungen fast in allen gelben und braunen Eisenochern ein Arsenikgehalt entdeckt worden ist.

X. Grosse Meerestiefe, gemessen com Capitain

Henry Mangles Denham. (Aus den Proceedings der Roy. Society. Philosoph. Magazine,

März 1853).

Diese Messung wurde an einem windstillen Tage, am 30. Oct. 1852, auf der Fahrt des Königl. Schiffes Herald von Rio Janeiro nach dein Cap der guten Hoffnung unter 36° 49' S. Br. und 37° 6' W. L. von Greenw. vorgenommen. Die dazu gebrauchte Schnur hielt 0,1 Zoll engl. im Durchmesser und wog, im trocknen Zustande, ein Pfund engl. für jedes Hundert Faden (Fathoms). Capitain Denham hatte diese Schnur vom Commodore M'Keever, Befehlshaber der Nord-Amerikanischen Fregatte Congress zum Geschenk erhalten und zwar in zwei Stücken, von denen das eine 10000 und das andere 5000 Faden lang war. Das Senkblei wog 9 Pfund, hielt 11,5 Zoll in Länge und !,7 Zoll im Durchmesser. Als 7706 Faden (Fathoms) von der Haspel abgelaufen waren, hatte man den Boden des Meeres erreicht. Mehrmals zogen Capitain Denham und Lieutnant Hutcheson mit eigner Hand das Senkblei um 50 Faden in die Höhe und liessen es wieder fallen; jedes Mal lief die Schnur innerhalb eines Fadens bis zur anfänglichen Marke ab.

Die Geschwindigkeit, mit welcher die Schnur ablief war:

bei den ersten 1000 Faden 0 27' 15"
von 1000 bis 2000 » 0 39 40
» 2000 ~ 3000 » 0 48 10
3000 » 4000

1 13 39
4000 » 5000 » 1 27 06
» 5000 » 9000 » 1 45 25
» 6000 » 7000 » 1 49 15
7000 » 7706 » 1 14 15

gb 24' 45" Die gesammte Zeit also, welche das Senkblei zum Durchsinken der 7706 Faden = 46236 Fuss engl. gebrauchte, betrug gh 24' 45". Die höchsten Gipfel des Himalaya, der Dhawalagiri und der Kinchinginga (Kintschindjinga), erheben sich wenig mehr als 28000 Fuss engl. über den Meeresspiegel. Das Meer hat also Tiefe, welche die Höhen der erhabensten Gebirge bedeutend übertrifft.

Vor der Messung erwies sich die Schnur so stark, dass sie 72 Pfund in der Luft trug. Die abgehaspelten 7706 Faden wogen, ohne das 9 pfündige Senkblei, 77 Pfund jin trocknen Zustande. Sehr viele Sorgfalt wurde darauf verwandt, das Senkblei wieder an die Oberfläche zu bringen, allein dennoch riss die Schnur in 140 Faden Tiefe ab und damit ging auch ein Six-Thermometer verloren, welches in 3000 Faden Tiefe daran gebunden worden war '). 1) Eine kürzere Notiz von dieser Messung ist der Berliner Akademie be

reits früher (Monatsbericht, Februar 1853) von Hrn. v. Humboldt initgetheilt worden. Am Schlusse derselben heisst es, wie folgt:

Die Meerestiefe von 43000 Par. Fuss., welche Capitain Denham vorigen Herbst erreicht hat, ist fast 17000 Par. Fuss grösser als die Höhe des Kintschindjinga, des höchsten wohlgemessenen Gipfels des HimalayaGebirges, den wir seit meines Freundes, Joseph Hooker's, tibetanischer Reise kennen. Der Kintschindjinga hat 4406 Toisen (26438 Par. Fuss). Der Gipfel ist also über diesem tiefsten Punkt der Erdoberfläche 11636 Toisen (69816 Par. Fuss), etwas über drei geogr. Meilen erhaben. Auf der Mond Oberfläche ist in den zwei höchsten Bergen, Dörfel und Leibnitz, dieser Unterschied zwischen dem Maximum der Erhebung und den Mondebenen, sogenannten Meeren, nur 3800 Toisen oder eine gcogr. Meile. Die Anschwellung der Aequatorial - Gegend des Erd

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